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16.05.2025 - Stellungnahme des Lahrer Baubürgermeisters zur aktuellen Presseberichterstattung zum Krematorium

Portraitfoto von Bürgermeister Tilman Petters
Bürgermeister Tilman Petters
Quelle: Stadt Lahr
Die finanzzentrierte Unverblümtheit, mit der in der Öffentlichkeit ohne ausreichende Faktenkenntnis dieses sensible Thema von einem einzelnen Bestatter dargestellt wird, erstaunt mich zutiefst. Dies wird der Bedeutung der Angelegenheit nicht gerecht.

Die Haltung der Stadt ist klar: Wir wollen den historischen Bergfriedhof weiter betreiben, mit einem Krematorium. Wir wollen diesen Ort der Tradition und Erinnerung für viele Bürgerinnen und Bürger der Region in einer verbesserten, zeitgemäßen Form ausbauen. Und wir wollen dies ausdrücklich nach entsprechender und seit längerem laufender Abstimmung mit den lokalen Bestattern umsetzen. Für die Stadt stehen die Bürger und die regionalen Unternehmer im Vordergrund.

 

Es ist für die Stadt nicht zulässig oder statthaft, Vertragsanpassungen, Vertragsverlängerungen oder Vertragsabschlüsse zum Vorteil Einzelner ohne rechtmäßiges Verfahren durchzuführen. Die Stadt kann nicht an einzelne Unternehmen direkt oder auf Grund von Absprachen Vertragsvorteile verteilen und sich auf Jahre ohne Verwaltungsverfahren vertraglichen Bedingungen unterwerfen. Es ist rechtlich problematisch, dies der Stadt vorzuhalten.

Wenn die Stadt nicht selbst das Krematorium am Bergfriedhof betreibt, muss sie diese Leistung europaweit ausschreiben. Die entsprechenden internationalen und nationalen Anfragen liegen der Stadtverwaltung bereits vor.

 

Diese Option einer nicht abschätzbaren Fremdvergabe wollte der Gemeinderat nicht unterstützen. Er sah die Gefahr, dass die örtlichen Bestatter dann auch wirtschaftlich benachteiligt werden würden und gewachsene Strukturen der Trauerkultur verloren gehen könnten. Eine ganzheitliche Bewirtschaftung des Bergfriedhofs und ein pietätvoller Umgang mit Trauernden im Sinne der Stadtkultur könnte nur eingeschränkt vertraglich geregelt werden und wäre der Einwirkung der gewählten Vertreterinnen und Vertreter entzogen.

 

Die Einnahmen eines Krematoriumbetriebs auf dem Bergfriedhof sind für die nachhaltige Unterhaltung dieses Standorts wichtig. Deshalb war und ist der Grundsatzbeschluss des Gemeinderates zu Gunsten der Vorbereitung des Betriebs eines Krematoriums auf dem Bergfriedhof durch die Stadt selbst gefallen.

 

Wir glauben nicht, dass notwendige Bebauungsplanänderungen, Fachgutachten und naturschutzrechtliche Ersatzmaßnahmen und Ausgleichsflächen für einen Neustandort in einer benachbarten Gemeinde so rechtzeitig vorbereitet und abgearbeitet werden können, dass eine Inbetriebnahme eines Neustandorts Ende 2027 garantiert werden kann - anders als am Standort Lahr. Dieser Neustandort wird auch kaum die Qualitäten und wirtschaftliche Sicherheit bieten können, die der Lahrer Bergfriedhof mit seinem Standortvorteil bereits jetzt bietet.

 

Wir bezweifeln, dass die Trauernden der Region tatsächlich einen fernen Neustandort wünschen. Wir glauben auch nicht, dass die vielen betroffenen Nachbarkommunen dankbar für die Einnahmeverluste sein werden, die sie durch die abnehmende Nutzung ihrer Anlagen wie den Einsegnungshallen erleiden werden, bei bis zu 5000 jährlichen Kremationen im ländlichen Umfeld und ohne absehbare, durch Abschreibungen minimierte Gewerbesteuereinnahmen. Und wir sind noch nicht davon überzeugt, dass so viele Bestatter dem Bergfriedhof den Rücken kehren wollen, gegen den Willen ihrer Kundschaft, unserer Bürgerinnen und Bürger.

 

Wir sind weiterhin gesprächsbereit. Wir verstehen nicht, woher die starke Motivation kommt, den Stellenwert des Bergfriedhofs für die Region öffentlich in seiner Bedeutung kleinreden zu wollen. Die Stadt Lahr will ihm weiter die Bedeutung zukommen lassen, die Generationen geprägt hat.