Gute Resonanz und reger Austausch zum Auftakt: Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) hat die Stadtverwaltung zum ersten Lahrer Innenstadt Immobilien Trialog eingeladen. Rund 50 Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien, Vertreterinnen und Vertreter Lahrer Unternehmen, Mitglieder des Gemeinderats sowie Mitarbeitende der Stadtverwaltung haben an der Veranstaltung teilgenommen.
Wie viele andere Innenstädte befindet sich auch die Lahrer Innenstadt in einem tiefgreifenden Transformationsprozess: Verändertes Konsumverhalten, struktureller Wandel im Einzelhandel, fehlende Nachfolgeregelungen und zunehmende Leerstände sind die aktuellen Herausforderungen. Oberbürgermeister Markus Ibert betonte: „Eine zukunftsfähige Entwicklung unserer Innenstadt kann nur im engen Schulterschluss zwischen Eigentümern, Mietern und Pächtern sowie der Immobilienwirtschaft gelingen. Ohne einen regelmäßigen, offenen und strategischen Austausch können sich keine tragfähigen und nachhaltigen Lösungen entwickeln.“
Der von der IHK und der Stadtverwaltung initiierte Immobilien-Trialog bringt die zentralen Akteurinnen und Akteure an einen Tisch. Ziel ist, miteinander ins Gespräch zu kommen, Perspektiven zu teilen und Bedarfe anzusprechen. Deshalb gab es im Anschluss an die Veranstaltung an verschiedenen Thementischen die Möglichkeit zum fachlichen Austausch. Dabei wurden die zuvor präsentierten Impulse diskutiert, offene Fragen geklärt und Kontakte für zukünftige Kooperationen geknüpft.
Ein besonderer Fokus lag auf dem aktuellen Sanierungsgebiet Innenstadt-Marktstraße. Stefan Löhr, Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Stadtplanung, informierte die Anwesenden über Modernisierungs- und Umnutzungschancen durch das Sanierungsgebiet, das mit einer Fläche von rund neun Hektar etwa ein Drittel der Lahrer Innenstadt abdeckt. Die Resonanz auf Fördermöglichkeiten für die Sanierung von Bestandsimmobilien nimmt Fahrt auf: Mittlerweile fanden 26 Begehungen mit dem Bautechniker der STEG und der Stadt Lahr statt. 24 Modernisierungserhebungen liegen vor, zwei Vereinbarungen sind bereits abgeschlossen und vier weitere stehen kurz vor dem Abschluss. Löhr informierte über die Voraussetzungen für eine Förderung, den Ablauf der Modernisierungsmaßnahmen und der kostenfreien Modernisierungserhebung sowie über direkte oder indirekte Förderungsmöglichkeiten für private Eigentümerinnen und Eigentümer. Auch die Umnutzung von Ladenflächen in Nebenlagen sei ein wichtiges Thema.
Thomas Kaiser, IHK-Innenstadtberater, bilanzierte zunächst die Erhebungen in der Lahrer Innenstadt im vergangenen Jahr: Die rein quantitative Zahl der gewerblichen Flächen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner sei mit 6,5 durchschnittlich hoch. Die Leerstandsquote, so Kaiser, liege bei zu hohen 16 Prozent, Tendenz steigend. Die Handelsflächen machten mit 32 Prozent den größten Anteil aus – mit einer Zehn-Jahres-Prognose von minus 17 Prozent. Die Passantenfrequenzzahlen performten im Vergleich mit anderen innerstädtischen Top-Lagen gut.
Zugleich zeigten die Zahlen auch, dass abseits der Marktstraße ein starkes Gefälle herrsche. Kaiser berichtete über die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Umfrage unter Eigentümern und Mietern gewerblicher Immobilien in der Lahrer Innenstadt: Außerhalb der Top-Lage liegen die Mietniveaus im gewerblichen Bereich demnach unter denen der privaten Wohnungsvermietungen. Deshalb lohne sich, so Kaiser, eine Umnutzung in Nebenlagen langfristig. Bei Einzelhandelsflächen seien die Mieten bereits gesunken. Insbesondere in Nebenlagen erkennen die Eigentümerinnen und Eigentümer die Marktveränderungen. Anpassung benötigen hingegen Einzelhandelsflächen. Der Innenstadtberater mahnte an, dass hier sowohl die unteren Mietspannen als auch die Spitzenwerte im Vergleich mit anderen Kommunen zu hoch seien. Schlecht ausgestattete Büros und Praxisflächen seien ohne Investitionen nur noch zu unterdurchschnittlichen Preisen vermietbar. Flächen mit sichtbarem Invest performten deutlich besser. Thomas Kaiser betonte, dass ein Mietpreisspiegel Transparenz schaffen und dazu beitragen könne, Leerstände gezielter zu vermarkten.
Martina Mundinger, Leiterin des Stadtmarketings, informierte über die Immobilien-Veränderungen in der Lahrer Innenstadt. Der Zehn-Jahres-Vergleich zeige, dass die Zahl der aktiven Innenstadtbetriebe um elf Prozent zurückgegangen sei. Demgegenüber sei der Anteil der inaktiven Gewerbeflächen deutlich gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren seien in erster Linie Einzelhandelsgeschäfte vom Leerstand betroffen gewesen. Dienstleistungsbetriebe seien demgegenüber stabil geblieben. Im Bereich Lebensmittel habe sich in den vergangenen Jahren ein engmaschiger Ring an Betrieben um die Innenstadt gelegt. Mundinger beschrieb die aktuellen Transformationsprozesse der Innenstadt von der Einkaufsstadt zur Einkaufs- und Erlebnisstadt, in der der Handel weiterhin Leitfunktion habe. Anhand aktueller Verschiebungen und Neubelegung von Leerständen zeigte sie auf, dass sich die Innenstadt bereits heute hin zu einem Aufenthalts-, Dienstleistungs- und Begegnungsraum bewege.
Dr. Carsten Hutt, Geschäftsführer von Werk ISI in Reutlingen, berichtete von den Erfahrungen und Ergebnissen der temporären Leerstandsnutzungen in der Innenstadt. Gemeinsam mit dem städtischen Wirtschaftsförderer Robin Derdau wurde jüngst eine vierwöchige Innovation Lounge mit der „Werk.Stadt.Lahr.“ am Schlosspatz und einem Jugendraum am Urteilsplatz umgesetzt. Im Januar 2026 hatten Studierende der Universitäten Kehl und Straßburg in einem Solution Lab Lösungsansätze für die Nutzung von Leerständen in der Lahrer Innenstadt erarbeitet.
Während die „Werk.Stadt.Lahr.“ auf die Bedarfe der Wirtschaft einging und als Innovationsschmiede, KI-Café sowie als Raum für Austausch und bürgerschaftlichen Dialog diente, knüpfte die Idee des Jugendraums in der Innenstadt an die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen an. In einem Workshop wurden vier konkrete Projekte zur Bespielung von Leerständen entwickelt. Hutt betonte, dass die Gründung neuer Unternehmen in der Lahrer Innenstadt ein wichtiges Ziel sei. Ebenso gelte es, öffentliche Räume und Innenräume miteinander zu verknüpfen und zu gestalten. Der erfahrene Projektmanager und Gründungsexperte bilanzierte, dass die Lahrer Innenstadt ein großes Potenzial habe und ein Pool engagierter Bürgerinnen und Bürger bereit sei, sich für die Innenstadt zu engagieren. Wichtig sei, dass der wirtschaftliche Aspekt bei allen Maßnahmen mitgedacht werde und sich Projekte langfristig selbst tragen müssen.