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30.04.2025 - Florian Zellers Komödie „Die Kehrseite der Medaille“ im Parktheater Lahr Mit allen Theaterwassern gewaschen

Eine Frau im roten Kleid hält eine Pistole in den Händen, ein Mann eine Rose, während ein Paar miteinander tanzt.
Nicola Tiggeler, Martin Armknecht, Timothy Peach, Mia Geese (von links)
Quelle: Dietrich Dettmann
Sagen wir immer, was wir denken? In der Beziehungskomödie „Die Kehrseite der Medaille“ legt der mit allen Handlungsaufbau-Theaterwassern gewaschene Autor Florian Zeller das Interesse weniger auf das Gesagte als auf das normalerweise Nicht-Gesagte. Ob es ihm bei aller Leichtigkeit und komödiantischer Dynamik gelingt, das Konfliktpotenial für die Stimmungsschwankungen der Beteiligten immer spürbar zu machen, kann das Lahrer Publikum am Samstag, 3. Mai um 20 Uhr im Parktheater selbst beurteilen. Das Eurostudio Landgraf zeigt das Stück an diesem Termin in LahrKulturs Reihe LahrBoulevard.

Dass die vielen Theaterpreise, die der Star-Autor schon erhalten hat, kein Zufall sind, beweisen auch die anderen Werke Zellers, die ebenfalls über mehrere Spielzeiten im Spielplan der Konzertdirektion Landgraf zu sehen waren: das emotional berührende Stück „Vater“ (ausgezeichnet mit dem 2. INTHEGA-Preis 2017), die Komödie „Eine Stunde Ruhe“ sowie die Komödie „Die Wahrheit“, mit der Zeller von jetzt auf gleich den Pariser Theater Olymp erreichte und seine geradezu atemberaubende literarische Karriere begann.

Zu seinem Welterfolg „Die Wahrheit“, in dem alles, was die Figuren voneinander wussten, nur die halbe Wahrheit war, weil natürlich fast nie die Wahrheit gesagt wurde, musste Zeller mit „Die Lüge“ noch ein Gegen-Stück schreiben, in dem es wieder nicht nur darum ging, herauszufinden, wer mit wem, wann und wo, sondern auch um die existenziellste aller Fragen: Wie viel Wahrheit steckt in der Lüge und wie viel Lüge in der Wahrheit?

Der „Wahrheit“-Personenkonstellation – Isabelle und Daniel sowie die langjährigen Freunde des Paares Patrick und Laurence dessen langjährige Freunde – ist Zeller auch in „Die Kehrseite der Medaille“ treu geblieben. Nur hat Patrick jetzt eine Neue an seiner Seite. Sie heißt Emma und ist sehr attraktiv. Natürlich gehen Isabel und Daniel auf Distanz. Unglücklicherweise hat Daniel seine Frau überredet, die beiden zum Essen einzuladen. Dass der vorhersehbar nicht sehr erfreulich verlaufende Abend in dieser mit französischem Esprit geschriebenen Komödie für den (schadenfrohen!) Zuschauer zum Vergnügen wird, liegt nicht nur an den brillanten Dialogen, sondern auch an einem virtuosen Clou: Das Publikum hört die höfliche Konversation der vier Personen und die heimlichen, nicht immer sehr freundlichen Gedanken, die sie normalerweise voreinander verbergen. Zeller greift dafür auf ein fast vergessenes Stilmittel des Theaters zurück: das A-part (Beiseite)sprechen. Natürlich nutzt der Autor diesen Kunstgriff, durch den die Figuren das Publikum zum Komplizen machen, auf so amüsante wie perfide Weise.

Tickets und Infos sind über das KulTourBüro im Alten Rathaus, Tel. 07821-950 210, kultour@lahr.de oder über kultur.lahr.de erhältlich.