21.11.2025 - Am Aktionstag „Cities for Life“ läuten in Lahr die Glocken für Menschlichkeit und Menschenrechte
Lahr setzt Zeichen gegen die Todesstrafe
Gemeinderatsglocken
Quelle: Stadt Lahr
Die Stadt Lahr beteiligt sich am Sonntag, 30. November 2025, am internationalen Aktionstag „Cities for Life – Städte für das Leben/Städte gegen die Todesstrafe”, den die Gemeinschaft Sant’Egidio in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ausrichtet.
Der weltweite Aktionstag findet zum 24. Mal statt, die Stadt Lahr ist seit dem Jahr 2011 dabei. Jeweils am 30. November läuten zwischen 8:55 und 20:55 Uhr fünf Minuten vor jeder vollen Stunde die Gemeinderatsglocken. Die Mediathek Lahr stellt von Dienstag bis Samstag, 25. bis 29. November 2025, einen thematisch passenden Büchertisch im Haus zum Pflug bereit.
Seit 2002 will der Aktionstag „Cities for Life“ mit seinen Veranstaltungen die Zivilgesellschaft sensibilisieren und eine Kultur stärken, die das menschliche Leben auch unter schwierigen Umständen achtet. Diese nach Angaben der Veranstalter weltweit größte Mobilisierung von Städten lenkt die Aufmerksamkeit auf die Menschenrechte und den Wert des Lebens. Gerade in den aktuellen Krisenzeiten, die von Kriegen und deren Folgen geprägt sind und von manchen als „Epoche der Stärke“ bezeichnet werden, gibt es wieder Tendenzen, im Justizsystem mit großer Härte zu reagieren und teilweise die Todesstrafe vermehrt einzusetzen oder wiedereinzuführen. Daher benötigen die Menschenrechte in dieser Phase besondere Unterstützung, um nicht anderen Prioritäten wie etwa der Sicherheit untergeordnet zu werden.
Der Aktionstag der „Cities for Life“ vereint weltweit Städte im Einsatz für ein menschliches Justizsystem, auch in Ländern, die noch an der Todesstrafe festhalten. In Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren circa 300 Städte dem Aktionstag angeschlossen, darunter beispielsweise Berlin, Stuttgart, Bremen, Rostock, Nürnberg, Dortmund oder Würzburg. Zu den Aktionen zählen unter anderem eine besondere Beleuchtung bekannter Gebäude, Dichterlesungen, Begegnungen mit Zeuginnen und Zeugen oder Projekte in Schulen.
Der im April 2025 verstorbene Papst Franziskus bezeichnete die Todesstrafe als „eine unmenschliche Maßnahme, die in jeglicher Weise ihrer Anwendung gegen die persönliche Würde verstößt“.
Das vergangene Jahr brachte weitere Erfolge auf dem Weg zur Abschaffung der Todesstrafe. Im Dezember 2024 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum wiederholten Mal eine Resolution über ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet – diesmal mit noch größerer Zustimmung: 130 Länder waren dafür, wohingegen es 125 Länder im Jahr 2022 und 123 Länder im Jahr 2020 waren. Im Juli 2024 trat in Pakistan die Abschaffung der Todesstrafe für Drogendelikte in Kraft. In Japan wurde im Oktober 2024 der 88-jährige Iwao Hakamada nach 45 Jahren im Todestrakt entlassen, was die Debatte um eine Abschaffung neu entfachte. Vietnam hat 2025 die Todesstrafe für einige Delikte abgeschafft.
Doch auch besorgniserregende Nachrichten blieben nicht aus. Insbesondere in Krisengebieten sind steigende Vollstreckungszahlen zu registrieren und auch die Zahl der Todesurteile hat zugenommen. Teilweise können regimekritische Äußerungen zu Todesurteil und Hinrichtung führen, wie dies in Myanmar geschehen ist. Infolge des Konflikts im Nahen Osten hat es viele Hinrichtungen im Gazastreifen und im Iran gegeben. Teilweise wurden Minderjährige hingerichtet, was gegen internationales Recht verstößt. Sudan, Südsudan und Uganda haben nach einer längeren Unterbrechung im Jahr 2024 wieder Todesurteile verhängt. Daher bleibt der globale Einsatz für eine Kultur des Lebens weiterhin erforderlich.
Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung in circa 70 Ländern, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Im September 2024 organisierte sie in Paris ein großes internationales Friedenstreffen der Weltreligionen zum Thema „Imagine Peace“, an dem auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron teilgenommen hat. Seit 1998 engagiert sie sich gegen die Todesstrafe und setzt sich mit der World Coalition against the Death Penalty für die universale Abschaffung ein. Sie hat mit anderen Organisationen 2002 die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben/Städte gegen die Todesstrafe“ gestartet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Mitglieder von Sant’Egidio pflegen weltweit Hunderte von Brieffreundschaften mit Todeskandidatinnen und Todeskandidaten. Sie sind zudem insbesondere in Afrika, aber auch weltweit für eine Humanisierung der Haftbedingungen in Gefängnissen engagiert.