15.10.2025 - Sanierung des Streifenhauses der Römeranlage im Bürgerpark geht weiter
Jugendbauhütte Baden-Württemberg erneut zu Gast in Lahr
Gruppenfoto vor der Römeranlage (hintere Reihe, von links): Hermann Kleinschmidt, ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters; Dr. Beate Grimmer-Dehn, 1. stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Archäologie in Baden-Württemberg e.V.; Silke Höllmüller, FSJler Constantin Berthele; Matti Mielke, Bildungsreferent der Jugendbauhütte Baden-Württemberg. Vordere Reihe (von links): FSJlerinnen Anne Herz, Jule Denter und Antonia Bobke; Vera Bregler, Kulturvermittlerin der Römeranlage, sowie Astrid Paul, Ingenieurin, Fachkraft für Lehmbau und Geschäftsführerin der „naterra GbR“ und „LehmKunstWerk“.
Quelle: Stadt Lahr
22 FSJlerinnen und FSJler der Jugendbauhütte Baden-Württemberg widmen sich in ihrer Seminarwoche von Montag bis Freitag, 13. bis 17. Oktober 2025, dem Thema Kalkputz: Sie sorgen dafür, dass die 90 Quadratmeter große Nordwand des Streifenhauses der Römeranlage im Lahrer Bürgerpark wieder wetterfest wird und weiß erstrahlt.
Jedes Jahr im Oktober findet eines von sechs Seminaren der Jugendbauhütte Baden-Württemberg in Lahr statt. Das Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kooperiert nun schon im zweiten Jahr mit dem Lahrer Stadtmuseum, um das Streifenhaus Stück für Stück zu sanieren. Ziel ist, die Römeranlage als attraktives Ausflugsziel und Lernort für alle Altersklassen von nah und fern auszubauen.
2024 haben die FSJlerinnen und FSJler der Jugendbauhütte Baden-Württemberg die Nordwand des Streifenhauses mit Lehm verputzt. Dafür haben sie den Lehm von Hand abgeschlagen, mit Stroh und Ton aufgearbeitet und zurück an die Wand geworfen. In diesem Jahr kommt der Kalkputz an die Reihe: Noch bis einschließlich Donnerstag, 16. Oktober 2025, von 9 bis 17 Uhr können Interessierte den jungen Handwerkerinnen und Handwerkern bei der Arbeit am Streifenhaus, Mauerweg 9 in Lahr, zusehen und gerne auch Fragen stellen.
Die römische Bauweise wird in Materialwahl, Konstruktion und Technik – soweit möglich und bekannt – nachgeahmt. Dabei werden zugunsten einer längeren Lebensdauer einzelne behutsame Kompromisse geschlossen. Vor allem werden moderne Bautechniken eingesetzt, um Rissen im Putz vorzubeugen. Bis auf Verpackungen entstehen auf der Baustelle keine Abfälle – somit handelt es sich um eine sogenannte Zero-Waste-Baustelle.
Astrid Paul, Fachkraft für Lehmbau und Geschäftsführerin der ökologischen Planungs- und Baubetriebe naterra GbR und LehmKunstWerk in Karlsruhe, plant und koordiniert die Sanierung. Sie und ihr Mitarbeiter Agung Korngiebel leiten die FSJlerinnen und FSJler bei der Arbeit mit den unterschiedlichen Kalkgrundierungen und Kalkputzen an. Der Maurermeister im Ruhestand und Archäologiestudent Otto Ganter, der zurzeit ein Museumspraktikum absolviert, steht ihnen unterstützend zur Seite.
Vor sieben Jahren hat die Stadt Lahr im Zuge der Landesgartenschau auf der Römeranlage im Bürgerpark die Rekonstruktion eines römischen Streifenhauses in Originalgröße und einen archäobotanischen Garten errichten lassen. Die Anlage soll an die römischen Wurzeln des Stadtteils Dinglingen erinnern, wo sich vor 1800 Jahren ein römisches Straßendorf, lateinisch „vicus“, befand. Seit der Eröffnung haben Wind und Wetter, Baumängel und Vandalismus vor allem der Nordwand des Streifenhauses zugesetzt. Die Bürgerstiftung Lahr – Reichswaisenhaus 1885 und der Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg unterstützen die aufwändige Sanierung finanziell.
Das Streifenhaus wird im Rahmen der Museumsfeste – das nächste ist das Gallo-römische Fest am Sonntag, 17. Mai 2026 – und dem Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit geöffnet. Zusätzlich können Führungen für Gruppen und Schulklassen, Kindergeburtstage und Betriebsfeiern gebucht werden. Die gesamte Römeranlage ist Teil des Lahrer Stadtmuseums.