17.04.2020 - Wilhelm Jamms Testament vermacht Lahrern auch eine Bibliothek
Digital den Tag des Buches feiern
Villa Jamm im Stadtpark Lahr
Weltweit wird am 23. April der Feiertag des Buches begangen. 1995 erklärte die UNESCO diesen Tag zum „Welttag des Buches“. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Außerdem ist der 23. April Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.
Seit Corona das Leben eingeschränkt hat, ist auch die Mediathek Lahr wie alle anderen öffentlichen Einrichtungen geschlossen. Jedoch muss keineswegs, gerade nicht zum „Welttag des Buches“, auf den Genuss des Lesens verzichtet werden. Bücher können über die Onleihe der Mediathek ausgeliehen werden. Und davon machen zahlreiche Nutzer auch Gebrauch. In den letzten vier Wochen wurden insgesamt 4250 Bücher online ausgeliehen. Besonders beliebt sind Romane, Krimis, Jugendbücher, Zeitschriften und Hörbücher. Die Mediathek verzeichnet seit der Schließung bei der Onleihe eine Steigerung der Ausleihen von 800 im Vergleich zum Vormonat.
Bücher spielen in Lahr lange eine große Rolle. Die Stadt war schon im 19. Jahrhundert ein bedeutender Bibliotheksort. Es gab Lesezirkel, Lesegesellschaften, Vereins- und Pfarrbibliotheken, private Büchersammlungen und auch gewerbliche Leihbüchereien. Die Wurzeln der heutigen Mediathek waren die 1859 gegründete Schillerbibliothek und die 1877 eröffnete Jammsche Stadtbibliothek. Beide Bibliotheken bestanden unabhängig voneinander, bis sie 1934 zur Volksbücherei vereinigt wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Name auf Anordnung der französischen Militärregierung in „Stadtbücherei“ umbenannt, der viele Jahre gelten sollte. Um das moderne Spektrum der Lahrer Bibliothek zu verdeutlichen, erhielt sie 2012 den Namen „Mediathek Lahr“.
Wilhelm Jamm, der 1875 starb und Lahr den Stadtpark vermachte sowie die Christus-Kirche stiftete, verfügte in seinem Testament auch, seine Privatbibliothek, seine Räume und eine stattliche Geldsumme für die Einrichtung und auch Unterhaltung einer allgemein zugänglichen Bibliothek zu verwenden. „Ferner bestimme ich die Summe von 50 000 Reichsmark zu einer Städtischen Bibliothek, wozu meine vorhandenen Bücher schon als Anfang dienen…“, schrieb er in seinem Testament. Seine private Bibliothek umfasste rund 300 Bücher, vorwiegend Klassiker sowie englische und französische Literatur. Zwei Jahre vergingen nach seinem Tod bis der Lesesaal der Bibliothek im Billardzimmer der ehemaligen Jammschen Villa im Stadtpark eröffnet wurde.
1936 wurde die Lage der Stadtbibliothek in der Jammschen Villa als unzureichend beurteilt. Eingeschränkt waren die Räumlichkeiten auch durch das Heimatmuseum. 1938 wurde im Südflügel des heutigen Spitals die neu konzipierte „Volksbücherei“ eröffnet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie geschlossen. 1947 wurde die Stadtbücherei im Pfluggebäude wieder eröffnet, in dem die Mediathek noch heute residiert. Der Bestand wies damals 5000 Bände wie Belletristik, Zeitschriften Jugendbücher, Märchen und Sachbücher auf. 1200 Bände waren entnazifiziert worden.
Heute hat die Mediathek über 47 000 physische und rund 25 000 digitale Medien, davon 39 000 Printmedien. Der Rest verteilt sich auf Spiele, Filme, Musik-CDs, Hörbücher und Zeitschriften. Diese Medien wurden im letzten Jahr 232 000-mal ausgeliehen.