Lahr geht den nächsten Schritt zur Klimaneutralität: Im November 2025 beginnt der Ausbau des Fernwärmenetzes mitten in der Innenstadt. Es entsteht ein neuer, circa 785 Meter langer Abschnitt mit dem Potenzial von zwei Megawatt Leistung, der damit bis zu 500 Haushalte mit Wärme aus erneuerbarer Energie versorgen kann.
Träger des Vorhabens ist badenovaWÄRMEPLUS, Tochterunternehmen des Energieversorgers badenova. Ihr Fernwärmenetz ermöglicht eine hohe Effizienz in der Wärmeversorgung, die derzeit aus Biomethan und ergänzend aus Erdgas erfolgt. Ziel ist, in den kommenden Jahren nahezu vollständig auf grüne Energie umzustellen. „Der Ausbau des Fernwärmenetzes ist ein Meilenstein für die Energie- und Wärmewende in unserer Stadt“, betont Lahrs Oberbürgermeister Markus Ibert. „Mit dem neuen Netz sichern wir die Wärmeversorgung unserer Innenstadt – klimafreundlich und zuverlässig. Die Stadtverwaltung beteiligt sich mit dem Anschluss eigener Gebäude und trägt damit selbst dazu bei, die Wärmewende in Lahr weiter voranzubringen.“
„Die Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energien spielt eine wesentliche Rolle auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Stadt“, sagt Klaus Preiser, Geschäftsführer badenovaWÄRMEPLUS. „Die Stadtverwaltung in Lahr geht vorbildhaft mit dem Anschluss des Rathauses voran, so dass wir mit dieser Netzerweiterung allen Gebäudeeigentümern im Fernwärme-Gebiet eine umweltfreundliche und von fossilen Energien unabhängige Energieversorgung ermöglichen können.“ Die Transformation des Wärmenetzes hin zu erneuerbaren Energien wird im Rahmen eines Transformationsplans vorbereitet.
badenovaWÄRMEPLUS erweitert das Fernwärmenetz in Lahr auf eine Gesamtlänge von 14,5 Kilometern. Damit können künftig insgesamt bis zu 4.250 Haushalte zuverlässig und klimafreundlich mit Fernwärme versorgt werden. Die Wärme stammt aus der Energiezentrale im Mauerweg 7 mit einer thermischen Leistung von 18 Megawatt. Hauptsächlich erzeugen moderne Blockheizkraftwerke dort Strom und Wärme in effizienter Kombination.
Zusätzlich installiert badenovaWÄRMEPLUS vier neue Pufferspeicher, um die Wärmeversorgung weiter auszubauen. Dadurch erhöht das Unternehmen sowohl die Leistung als auch die Speicherkapazität und versorgt künftig noch mehr Haushalte zuverlässig mit klimafreundlicher Energie. Interessierte Eigentümerinnen und Eigentümer in den Ausbaugebieten haben die Möglichkeit, ihre Gebäude an das Fernwärmenetz anschließen zu lassen und von einer zukunftssicheren Wärmeversorgung zu profitieren. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter badenovawaermeplus.de oder per E-Mail an waerme@badenova.de.
Die Arbeiten starten nach dem Abschluss der Chrysanthema, also in der zweiten Novemberwoche 2025, in der Lotzbeckstraße auf Höhe der Städtischen Musikschule und in der Folgewoche in der Lotzbeckstraße zwischen Rathausplatz und Schillerstraße. Das gesamte Projekt ist in mehrere Bauabschnitte unterteilt. Diese bewegen sich aufeinander zu – von der Lotzbeckstraße über die Tiergartenmühlgasse, vom Rathausplatz über die Schillerstraße – und treffen in der Eichrodtstraße einschließlich der Kreuzung Goethestraße zusammen. Der erste Bauabschnitt in der Lotzbeckstraße sowie die Sperrung der Goethestraße finden jeweils in Kombination mit einer Einbahnstraßenregelung halbseitig statt. Für die übrigen Abschnitte sind Vollsperrungen erforderlich. Die Gesamtmaßnahme wird voraussichtlich im Herbst 2026 abgeschlossen.
Der Ausbau des Wärmenetzes bis zum Rathausplatz eröffnet perspektivisch die Chance, das zentrale Wärmenetz über die Marktstraße bis zum Urteilsplatz und dann über die Kaiserstraße bis zum Hirschplatz fortzuführen. Auf lange Sicht wäre damit ein Ringschluss im Lahrer Wärmenetz möglich.
Anschluss städtischer Gebäude
Der Gemeinderat hat im Juni 2025 entschieden, die Städtische Musikschule und das Rathaus 1 an das zentrale Wärmenetz anzuschließen. Mit der Musikschule werden zugleich die Eichrodtschule und die Eichrodtturnhalle angebunden. Die Stadt investiert dafür rund 623.000 Euro und hat mit ihrer verbindlichen Zusage als Ankerkunde dazu beigetragen, dass badenovaWÄRMEPLUS den Wärmenetzausbau realisieren kann. Somit wird es privaten und gewerblichen Nutzerinnen und Nutzern in der Innenstadt künftig ebenfalls möglich sein, Fernwärme zu beziehen. Jeder zusätzliche Anschluss erhöht nicht nur die Stabilität und Wirtschaftlichkeit des Wärmenetzes, sondern trägt auch zum Ausbau der klimaneutralen Wärmeversorgung in Lahr bei.
Damit unterstützt das Vorhaben das übergreifende Ziel der Stadt Lahr gemäß dem Beschluss des Gemeinderats vom Dezember 2021: Klimaneutralität der Verwaltung bis zum Jahr 2035, der Gesamtstadt bis 2040. Die Wärmeversorgung ist dafür ein zentraler Baustein – der Anschluss aller städtischen Gebäude an das Fernwärmenetz und ihre Wärmeversorgung mit regenerativen Energien ab 2035 würden in der Verwaltung etwa 80 Prozent des bisherigen Ausstoßes an Kohlendioxid einsparen.
Verkehrskonzept
Die Arbeiten erfordern Eingriffe in den Straßenraum. Die Gliederung in mehrere Bauabschnitte und ein darauf abgestimmtes Verkehrskonzept mit gesicherten Umleitungen für jeden Abschnitt haben jedoch zum Ziel, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Allerdings ist unvermeidlich, dass mit den voll gesperrten Abschnitten auch Parkraumverluste einhergehen.
Teil des Verkehrskonzepts ist deshalb, den innenstadtnahen Parkraum für die Dauer der gesamten Baumaßnahme neu zu ordnen. Auf dem Rathausplatz sowie entlang der Lotzbeckstraße im Bereich des ehemaligen Post-Areals entstehen temporär insgesamt 39 zusätzliche Stellplätze, auf denen Fahrzeuge mittels Parkscheibe jeweils für eine Stunde kostenlos parken können. Lediglich an einzelnen Tagen, an denen der Rathausplatz als Veranstaltungsfläche genutzt wird, sind die dortigen 30 Parkplätze nicht verfügbar. Die Parkscheinpflicht entfällt auf dem Parkplatz Zollamtstraße sowie im äußeren Innenstadtring – Goethestraße, Turmstraße, Gärtnerstraße, Tiergartenstraße –, also auf rund 90 Stellplätzen. Wer einen Bewohnerparkausweis hat, darf sogar alle Stellplätze mit Parkscheinpflicht im Stadtgebiet kostenlos nutzen. Die Stadt Lahr verzichtet damit auf Einnahmen von schätzungsweise rund 35.000 Euro.
Der Parkraum, der während der Baumaßnahme reduziert werden muss, wird mit diesen Maßnahmen zwischen Anwohnenden, Besucherinnen und Besuchern der Innenstadt sowie Pendlerinnen und Pendlern mit zentrumsnahmen Arbeitsplatz möglichst ausgewogen umverteilt.
Öffentliches Grün
Ein besonderer Fokus lag auf dem Schutz der bestehenden Bäume entlang der Straßen, in denen der Ausbau stattfindet. Schon in der Vorplanung wurde sichergestellt, dass keine Bäume von der Baumaßnahme beeinträchtigt werden. Dieses Prinzip wird in der Bauphase fortgeführt und mittels kontinuierlicher Kontrolle abgesichert.
Information der Bürgerinnen und Bürger
Die Stadtverwaltung und badenovaWÄRMEPLUS bieten den Bürgerinnen und Bürgern mehrfach die Möglichkeit, sich ausführlich über das Vorhaben zu informieren. Es wird am Mittwoch, 8. Oktober 2025, ab 17:30 Uhr im Technischen Ausschuss und am Montag, 20. Oktober 2025, ab 17:30 Uhr im Gemeinderat jeweils in öffentlicher Sitzung vorgestellt. Die Anwohnerinnen und Anwohner erhalten eine schriftliche Direktauskunft per Briefkasteneinwurf; für sie sowie für alle weiteren Interessierten findet am Dienstag, 21. Oktober 2025, ab 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im Gemeinderatssaal statt. Die Gewerbetreibenden in der Innenstadt – Einzelhandel, Gastronomie, sonstige Betriebe, Wochenmarktbeschicker – werden für Mittwoch, 22. Oktober 2025, ab 19 Uhr zur Vorstellung des Projekts in den Gemeinderatssaal eingeladen, um auf deren Anliegen gesondert eingehen zu können.
Vor Beginn jedes Bauabschnitts werden badenovaWÄRMEPLUS und die Stadt Lahr über ihre üblichen Kommunikationskanäle die Medien und die Öffentlichkeit über die anstehenden Arbeiten sowie die jeweiligen Auswirkungen auf den Verkehr informieren. Unter anderem wird die Stadt auf www.lahr.de eine Informationsseite mit ausführlichen Angaben zu den einzelnen Bauabschnitten einrichten.