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02.09.2020 - Erzieherinnen und Erzieher trauen sich was Lernformen neu gedacht

Corona hat vieles durcheinander gewirbelt. Und im Kita-Bereich ganz besonders: Notgruppenbetreuung, Erzieherinnen und Erzieher, die plötzlich ohne Kinder waren und in dieser Zeit sowohl in der Kita oder auch im Homeoffice Vieles aufgearbeitet, um- oder neuorgansiert haben, um in der „neuen Normalität“ den Regelbetrieb wieder aufnehmen zu können.

Es war und ist aber auch eine Zeit der neuen Perspektiven, was die Fortbildungen angeht. Präsenzveranstaltungen waren abgesagt, aber gerade zum Thema „Sprachliche Bildung“ waren einige Fortbildungen geplant.

Viele der Lahrer Kitas sind sogenannte „Sprach-Kitas“, die mit je einer zusätzlichen, vom Bund geförderten halben Stelle die Kolleginnen und Kollegen in der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung, der Zusammenarbeit mit Familien und der Inklusion unterstützen. Inhaltlich liegt  beim Bundesprojekt der Fortbildungsschwerpunkt derzeit auf der Interaktionsqualität und wie sie verbessert werden kann. Es geht darum, welche Strategien anzuwenden ist, um Kinder zum Denken zu bringen, was lang anhaltende Dialoge nach sich zieht.

Diesen Sprach-Kitas steht eine Online-Plattform zur Verfügung, die bisher vor allem zum Mailaustausch und zum Materialdownload benutzt wurde. Optimiert wurde in der Coronazeit die Möglichkeit, über die Plattform Videokonferenzen durchzuführen. So war es möglich, geplante Fortbildungen stattfinden zu lassen. Zunächst mussten die Inhalte durch die Fachberatung für Sprache, Bärbel Vögele, methodisch und materialtechnisch angepasst werden. Dieser zunächst ungewohnten und herausfordernden Art des Lernens standen die Fachkräfte aber aufgeschlossen gegenüber, nachdem sie einzeln oder in kleinen Gruppen an das Tool herangeführt wurden.

Sowohl für Fachkräfte aus den Sprach-Kitas als auch für die aus den anderen Kitas werden schon seit einiger Zeit die Fortbildungsreihen „Mit Kindern im Gespräch“ für das Kindergartenalter und das Krippenalter angeboten, die ebenfalls sprachförderliche Strategien und lang anhaltende Dialoge mit Kindern zum Thema haben. Ein einfach zu installierendes Tool, das kleinere Meetings erlaubt, ermöglichte auch hier, die Fortbildungen durchzuführen. Immer bestand auch die Möglichkeit interaktiv während den Fortbildungen zu arbeiten. Zwar müssen die Gruppen klein gehalten und die Inhalte infolgedessen mehrfach angeboten werden. Aber Gruppenarbeit ohne Mundschutz und Abstand ist per Videokonferenz möglich. Der Kontakt zu den Kolleginnen aus den anderen Kitas bleibt aufrecht erhalten und die Erzieherinnen können sich hören und sehen. „Das hat sich zu einer ganz brauchbaren Alternative entwickelt“, sagt Bettina Olivier aus der Kita Am Schießrain über die neue Arbeitsform und Asli Schulte aus der Kita Max-Planck-Straße, Koreferentin für „Mit Kindern im Gespräch – Ü3“, schätzt die intensive Arbeit in den kleinen Gruppen.

Tückische Stolpersteine waren eher die Qualität der Internetverbindungen oder teilweise veraltete Technik in den Einrichtungen. Mit der Zeit hat sich aber eine große Gelassenheit der Fachkräfte im Umgang mit der Technik entwickelt. Der Kulanz von Trägern und Leitungen ist es außerdem zu verdanken, dass gegebenenfalls Homeoffice ermöglicht wurde.

Vereinzelt ist Skepsis zu spüren und natürlich wünschen sich die Fachkräfte auch wieder den unmittelbaren Dialog und Austausch miteinander, aber der Stolz, eine neue Herausforderung gemeistert zu haben überwiegt: „Dass uns als Erzieherinnen dieser Weg offen steht, finde ich toll!“, sagt Christine Hansmann aus der Kita Regenbogen in Altenheim, die zum Sprach-Kita Verbund Lahr-Waldkirch gehört und ihre Kollegin Heike Frick aus der Kita St. Michael in Rust ergänzt: „Bisher haben meine Kinder so gelernt und jetzt bin ich auch dabei.“