06.10.2021 - Stahlspeicherkästen und Farbtubenfiguren zieren Ausstellung in Städtischer Galerie
Jürgen Brodwolf kommt mit „ICELAND“ nach Lahr
Jürgen Brodwolf, oT
Quelle: Bernhard Strauss
Ein Bodentuch mit Figurenpaaren sowie ausgelegte Stahlspeicherkästen mit eingelagerten Bildtafeln – die Exponate der Ausstellung „ICELAND“ von Jürgen Brodwolf verweisen auf eine archäologische Ausgrabungsstätte. Der Werktitel assoziiert Schneefeld, Gletscher, Eisland oder Lavafeld. Jürgen Brodwolf zeigt damit seine größte und umfangreichste Installation, die in dreijähriger Arbeit zwischen 1997 und 1999 entstanden ist, in der Städtischen Galerie Lahr vom 10. Oktober bis 7. November. Das Kulturamt Lahr eröffnet die Ausstellung am Sonntag, 10. Oktober um 11 Uhr. Es begrüßt der Erste Bürgermeister der Stadt Lahr Guido Schöneboom. Zur Einführung spricht Dr. Antje Lechleiter. Der Künstler ist anwesend.
Die Teilnehmerzahl ist aufgrund der geltenden Hygienemaßnahmen begrenzt. Es gelten die so genannten 3G – die Teilnehmenden müssen geimpft, genesen oder getestet sein. In Innenräumen besteht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.
Die Ausstellung ist bis zum 7. November jeweils dienstags bis sonntags zwischen 16 und 18 Uhr und zusätzlich samstags und sonntags zwischen 10 und 13 Uhr geöffnet.
In den genannten Speicherkästen sind Bildtafeln gestapelt, in denen die Summe an Erfahrungen von privater und öffentlicher Geschichte ab dem Geburtsjahr des Künstlers 1932 bis 1999 künstlerisch verarbeitet ist. Beim Betrachten dieser transparenten, röntgenartigen Schaubilder blicken die Betrachtenden quasi durch die Zeitgeschichte ins Innere, Zugedeckte und Vergessene des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts. Zum Betrachten können die Bildtafeln herausgezogen und wieder zurückgeschoben werden. Sie behandeln die Themenbereiche Geburt – Liebe – Tod, Pygmalion, Figur, Paar, Dresden, Flucht, Krieg, Holocaust, Anastomosen, Gene, Planet – Kosmos – Figur.
Ein zentrales Motiv im Oeuvre von Jürgen Brodwolf ist die Figur, die sich aus einer ausgedrückten Farbtube entwickelte. Seit 1959 beherrscht die Tubenfigur sein künstlerisches Schaffen und wurde zum charakteristischen Erkennungsmerkmal seiner Werke. Von dieser Tubenfigur ausgehend entwickelte der Künstler eine „Figurenfamilie“, die von Blei- über Papier- bis zu Pappmaché- und Leinwand-Figuren reicht. Seit 2002 widmet er sich dem Material Bronze mit den ersten Bronzefiguren.
Jürgen Brodwolf wurde ab 1948 zum Zeichnerlithographen an der Kunstgewerbeschule Bern ausgebildet. 1955 erhielt er ein Eidgenössisches Kunststipendium für Malerei. 1968 folgte ein Stipendium an der Akademie der Künste in Berlin. 1976 erhielt er eine Professur für darstellendes Zeichnen an der Fachhochschule für Gestaltung Pforzheim und 1982 eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die er bis 1994 innehatte. Der Künstler lebt in Kandern im Markgräflerland.