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24.11.2020 - Objektgeschichten– Selbstporträt von Alfred Frank Welche Objekte verbergen sich im Lahrer Stadtmuseum?

Ein Selbstporträt von Alfred Frank als Radierung. Zeigt nur den Kopf des Widerständlers.
Selbstporträt Alfred Frank
Quelle: Stadt Lahr
Während des zweiten Lockdowns hat auch das Lahrer Stadtmuseum geschlossen. In einer kleinen Reihe beleuchtet das Stadtmuseum jedoch die spannenden Geschichten der einzelnen Objekte, um sie dann nach der Schließung vor Ort erkunden zu können. Den Anfang macht das Selbstportrait von Alfred Frank.

Als 13. Kind der Gärtnerfamilie Wilhelm und Wilhelmine Frank, geborene Schmidt, wurde Alfred Frank am 28. Mai 1884 in der Werderstraße in Lahr geboren. Nach der Volksschule ging er bei der Lahrer Firma Ernst Kaufmann von 1898 bis 1902 in die Lithographen-Lehre. Nach beruflichen Stationen in Offenbach und Nancy sowie einer großen Italienreise ließ er sich 1906 als Lithograph in Leipzig nieder. Dort besuchte er die Abendschule und später folgte ein Studium an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig.

Schon 1906 der SPD beigetreten, engagierte er sich nach dem Ersten Weltkrieg in der Arbeiterbewegung. 1916 nahm er Verbindung zur Spartakusgruppe auf, 1918 wurde er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates und der USPD, 1920 trat er der KPD bei. Von 1923 bis 1933 unterrichtete er an der Leipziger Volkshochschule und der Marxistischen Arbeiterschule. Als Mitbegründer und Vorsitzender der ASSO-Gruppe (Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands) 1929 in Leipzig nahm Frank an zahlreichen Kunstausstellungen teil. 1933 begann er seine illegale Tätigkeit für die KPD, entwarf Schablonen und druckte Flugblätter, die zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufriefen, gründete und leitete eine kommunistische Widerstandsgruppe und war schließlich Gestalter und Pressezeichner der illegal erscheinenden Zeitung „Der Widerstand“. Im Juli 1944 wurde Alfred Frank zusammen mit anderen kommunistischen Widerstandskämpfern verhaftet, im November zum Tode verurteilt und schließlich am 12. Januar 1945 in Dresden auf dem Schafott hingerichtet.

Werk und Würdigung

Neben Landschaften und Porträts schuf Frank Plakate, illustrierte Betriebszeitungen und arbeitete als Zeichner für die Sächsische Arbeiter-Zeitung. Sein künstlerischer Nachlass mit rund 380 Grafiken befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig, das wiederum zahlreiche Arbeiten dem Stadtmuseum Lahr als Dauerleihgabe überlassen hat. In Leipzig wurden nach dem Zweiten Weltkrieg eine Straße, ein Kulturzentrum, eine Polytechnische Oberschule und eine Kaserne nach ihm benannt. Allerdings gibt es dort heute nur noch die Alfred-Frank-Straße, alle Einrichtungen wurden nach der Wende umbenannt.

Spartakus

Der historische Spartacus war ein römischer Sklave und Gladiator. Nach seiner Flucht mit anderen Gladiatoren aus der Gladiatorenschule erzielte er als Anführer der aufständischen Sklaven im dritten Sklavenkrieg (73 bis 71 vor Christus, dem sogenannten Spartacus-Aufstand) mit seinem Sklavenheer zahlreiche militärische Erfolge gegen die römischen Legionen. In späteren Jahrhunderten wird Spartacus zur Symbolfigur im Kampf gegen Unterdrückung und Knechtschaft. Während des Ersten Weltkriegs wurde im Deutschen Reich von marxistischen Kriegsgegnern in der SPD durch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die Spartakusgruppe gebildet. Aus dieser Gruppierung gingen im November 1918 der Spartakusbund und später die KPD hervor.

Das Portrait von Alfred Frank

Auf der Radierung, einem Selbstporträt aus dem Jahr 1919, sieht sich Alfred Frank in der Rolle des Spartakus. In anderen Selbstporträts stellte er sich als Toten dar, dessen Haupt, wie das von Johannes dem Täufer, präsentiert wird (Selbstporträt als Toter von 1922) oder als Mönch (Der Mönch, 1922). In der Dauerausstellung des Stadtmuseums ist ein weiteres Bild, die Radierung „Meine Heimat (Lahr in Baden) aus dem Jahr 1913, zu sehen.

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