Sobald das Lahrer Stadtmuseum Lahr wieder öffnet, ist bis Sonntag, 6. Juni, die Sonderausstellung „Wer war Stroh?“ zu sehen. Die Ausstellung gibt einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Leben und das Werk des gebürtigen Lahrers Otto Heinrich Strohmeyer.
Otto Heinrich Strohmeyer, geboren 1895 in Lahr und verstorben 1967 in Freiburg, verbrachte Kindheit und Jugend in Lahr und ging 1913 nach seinem Abitur nach Paris, um sich autodidaktisch als Grafiker und Maler fortzubilden.1913 bis 1917 folgte ein Studium der Architektur in München. Dort war er fast ein Jahrzehnt lang auch Teil der Schwabinger Kunstszene, stellte mit bekannten Expressionisten aus und musizierte mit Paul Klee. In der expressionistischen Zeitschrift „Die Aktion“ zeugen Linolschnitte von seinem Wirken. Durch Carl Wilhelm Petersen, Bürgermeister sowie Studienfreund seines Vaters, kam er schließlich nach Hamburg. Dort arbeitete er zunächst für den bekannten Architekten Fritz Höger und machte sich anschließend selbständig. Seine Wohngebäude aus den 20er Jahren sind heute noch in Winterhude und Eppendorf zu finden und stehen unter Denkmalschutz.
Während der NS-Zeit schwanden seine Aufträge, da er sich nicht den herrschenden architektonischen Vorstellungen fügen wollte. So flüchtete er in die unpolitisch wahrgenommene Marine, in der er für Tarnung und Luftschutz zunächst in Cuxhaven, dann in Wilhelmshaven zuständig war. In Verbrechen war er nach derzeitigem Kenntnisstand nicht verwickelt und konnte somit nach Kriegsende nach Hamburg in eine verantwortungsvolle Position zurückkehren. Als Leiter der Entwurfsabteilung im Stadtplanungsamt der Stadt Hamburg war er maßgeblich am Wiederaufbau Hamburgs beteiligt. Durch eine Vielzahl an Vorträgen über Musik, Architektur und Astronomie verschaffte er sich einen Namen in der hanseatischen Nachkriegsgesellschaft.
Gezeigt werden Grafiken, Drucke, persönliche Dinge, Manuskripte, Modelle, Tonbänder und Fotografien aus dem Leben des Künstlers, Musikers, Architekten und Stadtplaners. Biografische Stationen werden in der Ausstellung mit zeitgeschichtlichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft. Strohmeyers kreativer und unangepasster Geist werden zu Leitelementen, die wie ein roter Faden durch die Ausstellung führen. Immer wieder fällt der Focus auch auf seine Leidenschaften und außergewöhnlichen Talente in Musik und Astronomie sowie sein grafisches Schaffen, das mit einem eigenen kleinen Ausstellungsschwerpunkt präsentiert wird. Die ausgestellten Objekte stammen weitestgehend aus dem Nachlass Strohmeyers, der 2019 von seiner Witwe Inken Drozd an das Stadtmuseum übergebenen wurde.
Sobald das Stadtmuseum wieder öffnet, ist die Sonderausstellung mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum kostet drei Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind frei.
Christopher Schmitt, wissenschaftlicher Volontär im Stadtmuseum, ist Kurator der Ausstellung. Schmitt ist in Bamberg geboren und studierte in Würzburg Museologie und Geschichte. Im Anschluss absolvierte er erfolgreich den Masterstudiengang „Sammlungen – Provenienz – Kulturelles Erbe“.
Die Sonderausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Programm.
Voraussichtliche Planung:
Sonntag, 24. Januar 14.30 – 15.30 Uhr Kuratorenführung
Mittwoch, 03. Februar 12.10 – 12.30 Uhr Kurzführung am Mittag
Donnerstag, 04. Februar 12.10 – 12.30 Uhr Kurzführung am Mittag
Sonntag, 14.Februar 14 – 17 Uhr Mitmach-Atelier: Kohlezeichnungen
Sonntag, 14. Februar 14 – 17 Uhr Kuratorenführung: Stroh und die Liebe
Weitere Programmpunkte werden ergänzt.