Das Lahrer Stadtmuseum Tonofenfabrik zeigt in der Reihe „Raumwunder des Monats“, wie sich der Künstler Jens Stickel auf ungewöhnliche Art und Weise mit der Holzbox auseinandergesetzt hat.
Wer das Raumwunder von Jens Stickel das erste Mal sieht, ist zunächst verdutzt. Im Gegensatz zu den bisher ausgestellten Raumwundern nutzt Stickel die Bühne des Raumwunders nicht. Es reizte ihn nach eigener Aussage nicht. Denn das Bühnenbild, das man hier entwerfen würde, würde immer eine Modellbühne sein. Ihn interessierten vielmehr die tatsächliche Größe und das tatsächliche Gewicht des Raumwunders. Auch wollte er es nicht dekorieren oder verändern. Dafür ist das Raumwunder für Stickel schon zu perfekt, in sich zu abgeschlossen.
Am Raumwunder interessiert den Künstler viel mehr das Objekt an sich. Er wollte ihm näherkommen, mit ihm spielen, ohne es physisch zu verändern. Wollte es zeigen, wie es ist und gleichzeitig so sehen, wie er selbst es noch nie gesehen hat. Daher drehte er die Holzbox und stellte sie auf das Schaufenster. Keine Bühne, kein Bühnenbild. Nur noch Hohlkörper, Holzkasten mit eingebauter, leicht verzerrter Zentralperspektive, die Richtung Himmel zeigt.
Der Künstler Jens Stickel, geboren 1981 in Öhringen, lebt in der Ortenau. Er absolvierte sein Studium von 2006 bis 2013 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Professorin Leni Hoffmann. Er nahm an zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und Frankreich teil und stellt auch solo aus. Seine letzten beiden Ausstellungen waren 2023 in Mannheim „Für die Sterne, Maquis Mami Wata“ und 2022 „SKULPTURENPARK LEGELSHURST“ mit Leni Hoffmann und Stefan Wäldele.
Das Lahrer Stadtmuseum Tonofenfabrik ist von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt in das Foyer ist frei.
Lahrer Raumwunder – Hintergrundinformationen
Das „Raumwunder des Monats 2024/25“ ist eine Kooperation des Stadtmuseums Lahr und des Künstlerkreises Ortenau e.V. Die Kunstwerke sind zuerst in Lahr und anschließend in Offenburg ausgestellt. Von Januar bis Dezember 2024 präsentieren zwölf Künstlerinnen und Künstler des Künstlerkreises Ortenau ihre Raumwunder. Möglich gemacht hat das Projekt eine Spende der Unternehmerin Brigitta Schrempp.
Das Lahrer Raumwunder ist ein Kunst- und Sozialprojekt des Stadtmuseums Lahr, des
Rotary Clubs Lahr und der Lahrer Werkstätten. Es handelt sich um einen Hohlraum von 75 Zentimeter Breite, 60 Zentimeter Höhe und 30 Zentimeter Tiefe, der durch unterschiedliche Wandbearbeitung, Silhouettengestaltung sowie Einbauten von Figuren und Objekten mit Raumvolumen und Raumtiefen spielt und somit die Raumgröße unterschiedlich definiert. In dem nach vorne offenen Kasten können durch Materialcollage die nach hinten zulaufenden geschlitzten Wände, die ebenfalls geschlitzte Decke – auch durch herabhängende Objekte – und die „Bühne“ gestaltet werden; sei es kindlich als Landschaft mit Blumen und Bienen, sei es abstrakt mit Objekten, Installationen und Figuren und zusätzlich mit beleuchteten Elementen.
Das Raumwunder weckt Neugier für das Spiel mit dem Raum und ist in seinen vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten für Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen und ebenso für Erwachsene mit künstlerischen Ambitionen ein Objekt mit großem Aufforderungscharakter.
Künstlerkreis Ortenau e.V. – Hintergrundinformationen
Der Künstlerkreis Ortenau e.V. ist ein Verein von mehr als 30 Bildenden Künstlerinnen und Künstlern. Er wurde 1980 gegründet und gilt als Vorreiter für die Vermittlung zeitgenössischer Kunst in der Region. Zu Beginn hatte er seine Räume in der Alten Wäscherei und seit 2001 ist er in der Galerie im Artforum in Offenburg beheimatet. Der Verein organisiert mehrere Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen im Jahr. Für die Ausstellungen werden die Künstlerinnen und Künstler von dem Ausstellungsgremium der Mitglieder ausgewählt. Das Heterogene ist der Gemeinschaft des Künstlerkreises eigen. Diese Bandbreite spiegelt sich auch bei den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern wider.