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20.10.2020 - Der Rolle der Frau vor fast 2000 Jahren auf der Spur „Frauen im Imperium Romanum“

Projektgruppe vor dem Streifenhaus: von links Hilde Zipf, Elke Langenbacher, Angelika Schaub-Roll, Silvia Neumeister und Inge Vollmer
Projketgruppe römische Frauen: Hilde Zipf, Elke Langenbacher, Angelika Schaub-Roll, Silvia Neumeister und Inge Vollmer
Quelle: Stadt Lahr
Der Vicus im Bürgerpark Lahr birgt einen enormen Fundus an römischer Geschichte und inspiriert, diese zu entdecken. Der Arbeitskreis „Gallo-Römisches Leben in Lahr-Dinglingen“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, längst verschollene Geschichte und Geschichten der Römer und Römerinnen in Lahr zu bergen.

Fünf Projektgruppen nähern sich aus unterschiedlicher Perspektive zentralen Themen des römischen Lebens: Kulinarik, Archäobotanik, Schmuckhandwerk, allgemeine geschichtliche Aspekte der Römer in Lahr sowie dem Leben der Frauen im Imperium Romanum.

Eine kleine Gruppe engagierter Lahrerinnen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Frauen im Römischen Reich zu erkunden, und sichtbar zu machen. Wie sah das Leben der Frauen 100 nach Christus aus? Welche Rechte hatten Frauen? Wie gestaltete sich der Lebensalltag von Frauen damals? Inge Vollmer, Silvia Neumeister, Angelika Schaub-Roll und Hilde Zipf sind diesen Fragen in wissenschaftlichen Aufsätzen, historischen Archiven und Museen nachgegangen.

Bei einem Frauenfrühstück in geselliger Runde anlässlich des internationalen Frauentages im Jahre 2017 entstand die Idee, sich zu einer Projektgruppe zusammen zu schließen, um in Vorbereitung auf die Landesgartenschau, das Thema „Frauen im alten Rom“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

Im Vicus lebten damals viele Familien. Sie waren einst aus der heutigen Nord-Schweiz und Ost-Frankreich in unsere Region gekommen und bauten die damals typischen Streifenhäusern entlang der römischen Handelsstraße. Die Frage war zunächst: Gibt es Funde, die Rückschlüsse auf die Alltagsituation und die Rolle der Frauen schließen lassen? Schnell stellte sich heraus, dass im Vicus Lahr-Dinglingen neben Schmuckobjekten, wie Fibeln und Anhängern, keine Funde vom Leben der Frauen zeugen. Auch in den schriftliche Quellen schien das Leben der Frauen in Lahr ausgelöscht zu sein. Die Frauen entschlossen sich kurzerhand zu weitreichenden Recherchen in Archiven und Universitäten. Irgendwo musste es doch Spuren der Frauen von einst geben.

Das recherchierte Wissen wurde zusammengetragen und auf Schautafeln der Öffentlichkeit während der Landesgartenschau präsentiert. Inge Vollmer, pensionierte Lehrerin und bekennende Feministin der ersten Stunde, vertiefte sich in die Rechtsgeschichte. So waren die Rechte der Frauen je nach sozialem Status sehr unterschiedlich. Während Sklavinnen keine Rechte zukamen, gestand das Römische Recht römischen Bürgerinnen im häuslichen Umfeld weitreichende Rechte zu. Wie die zumeist ungünstigen Machtverhältnisse und die den Frauen zugeschriebenen Geschlechterrollen in Familie und Gesellschaft aussahen, recherchierten Silvia Neumeister und Angelika Schaub-Roll. Fasziniert stellen sie fest, dass Frauen bereits vor 1800 Jahren eine überaus aktive Rolle in der römischen Gesellschaft spielten.

Doch wie sah der Arbeitsalltag der Frauen aus? Hilde Zipf untersuchte, ob Frauen auch beruflich tätig waren. Frauen organisierten damals nicht nur den Haushalt sondern waren auch als Hebammen, Schneiderinnen, Bäckerinnen und Händlerinnen in ein aktives Arbeitsleben eingebunden. Darüber hinaus erforderte das Arrangieren der kunstvollen Frisuren für die Oberschicht von den Friseurinnen besonderes Geschick. In einem von der Projektgruppe entwickelten Memory können die unterschiedlichen Facetten des Alltags der Frauen im Römischen Reich spielerisch entdeckt werden.

Die Projektgruppe trifft sich bis heute im Vorfeld von Aktionstagen in der Römeranlage, um gemeinsam spannende Zugänge zur Geschichte der Frauen zu ermitteln. Gegenwärtig arbeiten Elke Langenbacher und Brigitte Feldbausch an der Rekonstruktion eines historischen Webstuhls. Auch das Kämmen, Spinnen und Weben von Wolle gehörte für die meisten Frauen im Vicus zum täglichen Haushalt.

Die Themenpalette ist breit gestreut. „Wir zeigen, dass Frauengeschichte lebendig und aktuell ist“, so Inge Vollmer. Die Projektgruppe freut sich über neue Mitstreiterinnen zur inhaltlichen Arbeit, aber auch zur Aufbereitung von Inhalten für die sozialen Medien. Wer weitere Informationen zu den Aktivitäten der Projektgruppe sucht, kann einen Blick in den Flyer werfen. Das Titelbild hierfür wurde von der Künstlerin Anita Macher entworfen. Kontakt: E-Mail: inge.vollmer@gmx.net.