Elf Lahrer Kindertagesstätten beteiligen sich an dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“.
Um die Teilnahme in diesem Programm haben auch Lahrer Kitas beworben. Elf davon wurden berücksichtigt. Sie bilden nun zusammen mit zwei Einrichtungen aus Waldkirch-Kollnau, einer aus Rust und einer aus Neuried-Altenheim den Verbund Lahr-Waldkirch. Dieser Zusammenschluss zu Verbünden ist notwendig, denn die Kitas haben eine für sie zuständige zusätzliche Fachberatung mit einem 50 Prozent-Stellenanteil bekommen, die in der Regel für 15 Einrichtungen zuständig ist. Im Verbund Lahr/Waldkirch übernimmt die Fachberatung Bärbel Vögele. Ihre Aufgabe ist es, die teilnehmenden Einrichtungen in vielfältiger Form zu betreuen und zu beraten. Vögele besucht regelmäßig die teilnehmenden Kitas, trifft sich dort mit dem Tandem aus Leitung und zusätzlicher Fachkraft. Gemeinsam werden Ziele zur Umsetzung der Programmschwerpunkte festgelegt. Zu dritt wird überprüft, ob die Umsetzung gelingt oder ob weitere Schritte notwendig sind.
„Besonders im Bereich der Zusammenarbeit mit Familien haben sich bemerkenswerte Veränderungen ergeben“, erläutert die Fachberaterin, „inzwischen haben einige Einrichtungen mehrsprachige Büchereien aufgebaut, allen voran die Kita Kanadaring, demnächst Kita+ im Bürgerpark.“ Die Kita Am Schießrain und die Kita Max-Planck-Straße haben nachgezogen, weitere Einrichtungen sind am Aufbau. Den Familiensprachen wird damit Wertschätzung entgegengebracht und die Eltern werden darin bestärkt, auch in der Herkunftssprache vorzulesen. Untersuchungen belegen, frühe Mehrsprachigkeit erleichtert das Sprachenlernen auch in späteren Jahren. Wahrnehmungsfähigkeit und Arbeitsgedächtnis werden dadurch in besonderem Maße gefördert. Das kindliche Gehirn ist durch den frühen Erwerb einer zweiten Sprache keineswegs überfordert. Ganz im Gegenteil: Es ist auf Mehrsprachigkeit angelegt, von Anfang an.
Aber auch praktisches, gemeinsames Tun von Eltern, Kindern und Erziehern wird intensiviert: In der Kita Sancta Maria gab es schon vor dem Programmstart einen „Garten der Generationen“ in Zusammenarbeit mit dem Seniorenheim. Nun ist noch ein kleiner interkultureller Garten hinzugekommen. Das ist gelebte Vielfalt über Generations- und Ländergrenzen hinweg und Inklusion sowie Zusammenarbeit mit Familien ganz im Sinne des Bundesprogramms.
Bei Bedarf bekommen die Gesamtteams fachlichen Input, sei es zu Fragen wie „Was sind ‚late talker‘?“ oder „Was ist ‚sensitive Responsivität‘?“, zum sprachlichen Potential von Alltagssituationen in der Kita oder zur Angebotssituation. „Jeden Handlungsschritt versprachlichen, den Kindern Worte an die Hand geben für die Dinge, die sie umgeben und gleichzeitig Lebenspraxis vermitteln“, erklärt Bärbel Vögele dem Team der Kita Kiwy und zeigt im hauswirtschaftlichen Angebot, wieviel Sprache und sprachliche Variation in einer scheinbar so simplen Tätigkeit wie dem Ei aufschlagen für ein Spiegelei steckt: „Die Eierschale wird am Pfannenrand aufgeschlagen. Dann drücke ich die Daumennägel in den Riss und vergrößere ihn noch ein bisschen. Jetzt drehe das Ei um, ziehe die Schale auseinander und lasse das Ei in die Pfanne gleiten.“ Das ist ein winziges Beispiel für den Bauplan von Sätzen und für Wortschatzerweiterung im Bereich der Hauptwörter und besonders der Verben, die Kinder notwendig brauchen, um sich die Zielsprache Deutsch erschließen zu können.
Tandems und zusätzliche Fachberatung treffen sich aber auch regelmäßig zu Schulungseinheiten. Der Bund hat als zentrales Fortbildungsinstitut PädQUIS eingekauft, ein Forschungs- und Entwicklungsinstitut mit Sitz in Berlin, das Kindertageseinrichtungen und pädagogisches Personal durch Trainings- und Entwicklungsprogramme qualifiziert und Instrumentarien zur dauerhaften pädagogischen Qualitätssicherung bereitstellt. Im Schneeballsystem werden bundesweit die zusätzlichen Fachberatungen zu den Programminhalten fortgebildet. Sie geben sie an die Tandems weiter, zugeschnitten auf die Bedarfe der Gruppe. Die zusätzliche Fachkraft hat dann die wichtige Aufgabe, die Inputs wiederum in ihr Team zu tragen.
Die zusätzlichen Fachkräfte haben ebenfalls ein breites Tätigkeitsfeld: Neben der Aufgabe der Teamschulung sind sie mit ihrem besonderen Fokus „Sprache“ nicht nur Vorbild für die Kinder sondern auch für ihre Kolleginnen und Kollegen. Sie führen genaue Sprachbeobachtungen durch und beraten das Team sowie die Eltern im Einzelgespräch über den kindlichen Entwicklungsstand. Nicht zuletzt sind sie diejenigen, die die Zusammenarbeit im Rahmen des Programms initiieren und begleiten.