Die erfolgreiche Lahrer Integrationsarbeit hat sich bis nach Japan herumgesprochen. Ende vergangenen Jahres hat Oberbürgermeister Dr. Müller deshalb eine Einladung der UNHCR Repräsentation Japan und der THE SASAKAWA PEACE FOUNDATION erhalten. Die UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) ist das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. SASAKAWA ist eine private Friedensstiftung, die vielfältige Probleme der Gesellschaft im 21. Jahrhundert zum Thema hat, von Naturkatastrophen bis hin zu sozialen Krisen.
Die Einladung galt der Teilnahme am Runden Tisch der Integration von Flüchtlingen in Tokyo am 14. Dezember. Dort sollten insbesondere auch Beispiele gelungener Integrationsarbeit aus Deutschland und Schweden präsentiert werden. Zielsetzung war nicht nur die Darstellung der bisherigen erfolgreichen Integrationsarbeit, sondern vor allem, die Zahl der Flüchtlinge, die in Japan aufgenommen und in die Gesellschaft integriert werden, zu erhöhen.
Günter Evermann, Cornelia Gampper und Heike Augsten vom federführenden Amt für Soziales, Schulen und Sport erarbeiteten eine aussagekräftige Präsentation, die verschiedene Aspekte der Integrationsarbeit in Lahr beleuchtet. Das Ergebnis: eine umfassenden Darstellung, unter anderem zu den Themen: Migrationsbewegungen, Weltoffenheit und Interkulturalität, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen, Voraussetzungen für erfolgreiche Integrationsarbeit, Schwerpunkte der Lahrer Integrationsarbeit sowie ausgewählte Projekte und Maßnahmen.
Mit diesem Informationspaket reiste Heike Augsten als Vertreterin der Stadt Lahr nach Tokyo. Gemeinsam mit weiteren Gästen aus Schweden, die ebenfalls die dortige Integrationsarbeit vorstellen sollten, besichtigte sie verschiedene Integrationsmaßnahmen in der Stadt, beispielsweise das Refugee Assistence Headquarters, eine Institution, die "zugelassene" Flüchtlinge bei der Integration unterstützt. Dazu gehören die Vermittlung von Sprachkenntnissen und Kenntnissen der Sozialsysteme in Japan sowie Berufsberatung. Weitere Stationen waren eine Grundschule, ein Kindergarten, sowie die Bekleidungsfirma Uniqlo, die auch Filialen in Deutschland betreibt und sich im Bereich der Integration und Förderung von Flüchtlingen stark einsetzt.
Neben den Gästen aus Deutschland und Schweden saßen am Runden Tisch der Integration hochrangige Vertreter des Justiz- und Außenministeriums, des Verbindungs- und Koordinierungsbüros für Flüchtlingsfragen, der Internationalen Organisation für Migration sowie zahlreiche Vertreter verschiedener Universitäten, Kommunen, Unternehmen und Vertreter der Deutschen Botschaft Tokyo. Im Zentrum standen immer wieder Fragen zur erfolgreichen Integration von Flüchtlingen, Herausforderungen und positive Auswirkungen von Migration.
Ein Austausch mit Vertretern von UNHCR, THE SASAKAWA PEACE FOUNDATION, anderen Organisationen sowie Professorinnen und Professoren von Universitäten und eine Präsentation mit anschließender Gesprächsrunde zur sozialen Integration von Flüchtlingen mit einem öffentlichen Publikum von etwa 120 Personen vervollständigte den Austausch.
Hintergrundinformation mit Daten der UNHCR Repräsentation Japan
Die Zahl der Flüchtlinge, die vor langwierigen Konflikten und Verfolgung in den Regionen des Nahen Ostens und Afrika in benachbarte Länder und nach Europa fliehen, nimmt in noch nie dagewesenem Tempo zu. Humanitäre Krisen sind auch in Asien ein aktuelles Thema. Die Zahl der Menschen, die im Jahr 2015 gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, hat 65 Millionen überschritten. Es ist die höchste Zahl seit dem 2. Weltkrieg.
Seit der Ratifizierung der Flüchtlingskonvention 1981 hat Japan, beginnend mit Flüchtlingen aus Indochina, rund 14 000 Menschen vor humanitären Krisen geschützt. Im Jahr 2010 war Japan das erste asiatische Land, das ein Ansiedlungsprogramm ins Leben rief und insgesamt 123 Menschen (31 Familien) akzeptierte und in die japanische Gemeinschaft integrierte. Ferner hat die japanische Regierung im Mai 2016 ein Programm für die Aufnahme von syrischen Studenten angekündigt. Mit einer wachsenden Zahl von syrischen Menschen, die nach Japan kommen, um zu arbeiten, zu studieren oder mit ihren Familien zu leben, kann Japan in eine neue Phase seiner Flüchtlingszulassungen eintreten.
Vor diesem Hintergrund zeigt eine wachsende Zahl von Akteuren ein starkes Interesse an der Akzeptanz von Flüchtlingen aus verschiedenen Blickwinkeln. Nicht nur humanitäre Gründe, sondern auch die Förderung einer multikulturellen Gesellschaft, die internationale Zusammenarbeit und die Revitalisierung von Regionen sowie der Industrie in Japan sind wichtige Gesichtspunkte.
Hintergrundinformationen mit Daten aus Lahr
Zum Vergleich: Die Bevölkerung der Stadt Lahr ist heterogen und kulturell vielfältig. Menschen aus 110 verschiedenen Nationen leben in Lahr. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund beträgt 42 Prozent. Die größten Zuwanderergruppen kommen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, der Türkei, Rumänien und Italien. Derzeit findet verstärkt Zuzug aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Polen statt. In Lahr leben 1290 geflüchtete Menschen, vorwiegend aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan und Gambia, davon etwa die Hälfte mit dauerhafter Bleibeperspektive.
Zuwanderung allgemein wirkt sich stark auf die demografische Entwicklung der Stadtbevölkerung aus. Im Vergleich zu vielen anderen Städten wächst in Lahr die Bevölkerung. Diese Bevölkerungsentwicklung fördert die wirtschaftliche Entwicklung und kulturelle Vielfalt und stellt die Stadt zugleich vor vielfältige Herausforderungen.