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03.03.2017 - Die Natur muss es selber schaffen Störche auf dem Storchenturm

Der Storchenturm braucht Störche! So denkt man und fragt sich, wann denn das Lahrer Wahrzeichen seinem Namen endlich wieder gerecht wird. Jetzt, wo die Renovierung des Turms abgeschlossen ist, stellt sich diese Frage für viele erneut. Von manchen Seiten wird auch der Gedanke an die Stadt heran getragen, die Wiederansiedlung eines Brutpaars aktiv zu fördern, beispielsweise indem man Nistmaterial bereitstellt. Hoffnung macht zudem die Tatsache, dass die Zahl der brütenden Weißstorch-Paare in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen ist. Der bereits seit einigen Jahren bezogene Brutplatz in Hugsweier ist ein erfreulicher Beleg dafür. Auch die Anwesenheit zweier Störche auf dem Lahrer Storchenturm im Frühjahr 2013 hat einige Aufmerksamkeit erregt und Hoffnungen, dass die beliebten Tiere den Storchenturm als Brutplatz wiederentdecken.

Die Abteilung Öffentliches Grün und Umwelt der Stadtverwaltung beobachtet die Situation der Störche in Lahr und der Ortenau seit längerem. Die Mitarbeiter ließen sich mehrfach fachkundig beraten, zum Beispiel durch Udo Baum, den Vorsitzenden des Nabu Lahr sowie von Wolfgang Hoffmann, dem Storchenexperten vom Nabu Ettenheim. Der Handlungsleitfaden Weißstorch des Regierungspräsidiums Tübingen diente stets als Orientierung.

Die einhellige Meinung der Storchenexperten lautet, von menschlicher Seite, möglichst wenig in die natürlichen Abläufe und in das Brutgeschehen einzugreifen. Dazu gehört nach Ansicht der gehörten Fachleute beispielsweise auch, kein Nestbaumaterial bereitzustellen und die Tiere auf keinen Fall zu füttern. Dies verfälscht die Standortentscheidung der Tiere. Wenn sie sich für einen Standort entscheiden, bereitet ihnen die Beschaffung von Nestmaterial auch über weitere Strecken in aller Regel keine Probleme. Der Nestbau ist zudem eine wichtige Teilhandlung des Brutgeschäfts.

"Es wäre schön, wenn sich wieder Störche auf dem Storchenturm einfinden und eine Brut beginnen würden",  sagt Oberbürgermeister Dr. Müller. "Leider haben es die Störche schwer, da es in der Umgebung des Storchenturms derzeit insbesondere am natürlichen Futterangebot mangelt. Da es sich um wilde Tiere handelt, können wir die Störche auch nicht einfach 'versorgen'. Gern würden wir ihnen alles bieten, was sie brauchen, doch das wäre genau das Falsche. Die Beratungen mit Storchenexperten und dem Nabu sowie der Blick in andere Städte mit Storchenbesiedlung haben gezeigt, dass wir in den höchst sensiblen Bereich von Nestbau und Aufzucht von jungen Tieren nicht unterstützend eingreifen dürfen. Nur so kann die eigene Lebensfähigkeit der Störche erhalten bleiben. Darum werden wir, auch wenn es schwer fällt, den Lauf der Natur nur beobachten und hoffen, dass sich Störche irgendwann von alleine wieder auf dem Storchenturm einfinden und es schaffen, Nachwuchs heranzuziehen."

Durch die Umwandlung von Maisacker in Wiese, wie dies im Rahmen der Landesgartenschau im Seepark durchgeführt wird, wird das Nahrungsangebot in Stadtnähe wieder verbessert und somit die Chancen zur Wiederansiedlung des Weißstorchs in Lahr erhöht.