Lahrer Zeitungen, Badische Zeitung, Lahrer Zeitung, Lahrer Anzeiger

20.05.2021 - Biografische Stationen Otto Heinrich Strohmeyers werden mit zeitgeschichtlichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft Sonderausstellung im Stadtmuseum: „Wer war Stroh?“

Otto Heinrich Strohmeyer
Otto Heinrich Strohmeyer
Quelle: Stadt Lahr
Künstler, Musiker, Architekt, Stadtplaner: Die Sonderausstellung „Wer war Stroh?“, die bis 6. Juni 2021 im Lahrer Stadtmuseum zu sehen ist, gibt einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Leben und Werk des gebürtigen Lahrers Otto Heinrich Strohmeyer. Kurator ist Christopher Schmitt, wissenschaftlicher Volontär im Stadtmuseum.

Die Ausstellung zeigt Grafiken, Drucke, persönliche Dinge, Manuskripte, Modelle, Tonbänder und Fotografien aus Strohmeyers Leben. Biografische Stationen werden mit zeitgeschichtlichen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft. Strohmeyers kreativer und unangepasster Geist wird zum Leitelement, das wie ein roter Faden durch die Ausstellung führt. Immer wieder fällt der Fokus auch auf seine Leidenschaften und Talente in Musik und Astronomie sowie sein grafisches Schaffen, das mit einem eigenen kleinen Ausstellungsschwerpunkt präsentiert wird. Die ausgestellten Objekte stammen weitestgehend aus dem Nachlass Strohmeyers, der 2019 von seiner Witwe Inken Drozd an das Stadtmuseum übergebenen wurde.

Die Sonderausstellung ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum kostet drei Euro für Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei. Aufgrund der Beschränkung der Besucherzahl ist eine Terminreservierung unter Telefon 07821/910-0415 oder vor Ort an der Kasse erforderlich. Voraussetzung für den Besuch im Museum ist entweder eine vollständige Impfung (erste und zweite Impfung zuzüglich zwei Wochen), ein tagesaktuelles, negatives Corona-Testergebnis oder bei Genesenen der Nachweis eines Antikörpertests, der nicht älter als sechs Monate ist.

Die Sonderausstellung „Wer war Stroh“ ist für viele Lahrerinnen und Lahrer die erste Begegnung mit dem Bürger der Stadt. Otto Heinrich Strohmeyer, geboren 1895 in Lahr und gestorben 1967 in Freiburg, verbrachte Kindheit und Jugend in Lahr und ging 1913 nach seinem Abitur nach Paris, um sich autodidaktisch als Grafiker und Maler fortzubilden. 1913 bis 1917 folgte ein Studium der Architektur in München. Dort war er fast ein Jahrzehnt lang Teil der Schwabinger Kunstszene, stellte mit bekannten Expressionisten aus und musizierte mit Paul Klee. In der expressionistischen Zeitschrift „Die Aktion“ zeugen Linolschnitte von seinem Wirken. Durch Carl Wilhelm Petersen, Bürgermeister sowie Studienfreund seines Vaters, kam er schließlich nach Hamburg. Dort arbeitete er zunächst für den bekannten Architekten Fritz Höger und machte sich anschließend selbständig. Seine Wohngebäude aus den 1920er Jahren sind heute noch in Winterhude und Eppendorf zu finden und stehen unter Denkmalschutz.

Während der NS-Zeit schwanden seine Aufträge, da er sich nicht den herrschenden architektonischen Vorstellungen fügen wollte. So flüchtete er in die unpolitisch wahrgenommene Marine, in der er für Tarnung und Luftschutz zunächst in Cuxhaven, dann in Wilhelmshaven zuständig war. In Verbrechen war er nach derzeitigem Kenntnisstand nicht verwickelt und konnte somit nach Kriegsende nach Hamburg in eine verantwortungsvolle Position zurückkehren. Als Leiter der Entwurfsabteilung im Stadtplanungsamt der Stadt war er maßgeblich am Wiederaufbau Hamburgs beteiligt. Durch eine Vielzahl an Vorträgen über Musik, Architektur und Astronomie verschaffte er sich einen Namen in der hanseatischen Nachkriegsgesellschaft.

Der Kurator der Ausstellung, Christopher Schmitt, ist wissenschaftlicher Volontär im Stadtmuseum. Schmitt ist in Bamberg geboren und studierte in Würzburg Museologie und Geschichte. Im Anschluss absolvierte er den Masterstudiengang „Sammlungen – Provenienz – Kulturelles Erbe“.

Eine Kurzfilm-Trilogie mit drei unterschiedlichen Perspektiven zu biografischen Schwerpunkten des Lebens von Strohmeyer bietet für alle, die sich auf die Sonderausstellung einstimmen möchten, einen kleinen, kunstvoll inszenierten Einblick. Die Filmsequenzen wurden über zwei Nächte hinweg im Stadtmuseum gedreht und um historische Filmszenen und Archivmaterial ergänzt. Produziert wurden die Kurzfilme im punchline studio der Lahrer Brüder Pirmin und Maik Styrnol. Die Kurzfilme sind auf der Website des Stadtmuseums unter der Rubrik „Stadtmuseum digital“ und auf dem Youtube-Kanal der Stadt Lahr zu finden.

 

Grafik von Otto Heinrich Strohmeyer, publiziert in der Zeitschrift „Die Aktion“.
Grafik von Otto Heinrich Strohmeyer, publiziert in der Zeitschrift „Die Aktion“.
Quelle: Stadt Lahr