12.03.2021 - Kunst coronakonform konsumieren
Public Poster Gallery der „Bewegung für Radikale Empathie“
Im ersten Lockdown waren sie schlichtweg leer oder wimmelten vor „Abgesagt“-Aufklebern, die alles zuvor Geplante großflächig überragten – die Litfass-Säulen und Plakatstehlen in und um Lahr. Wer aktuell mit offenen Augen durch die Innenstadt läuft, dürfte feststellen, dass die Säulen und Stehlen inzwischen durch unterschiedlichste Plakate mit künstlerischem Anspruch geschmückt werden. Zu sehen ist die Public Poster Gallery – Reloaded des Künstler-Kollektivs „Bewegung für Radikale Empathie (BRE)“. Plakatiert wurde und wird sie im Auftrag des Lahrer Kulturamts um den Lahrerinnen und Lahrern in den noch immer kulturamten Zeiten bei einem Spaziergang durch die Innenstadt einen coronakonformen Frischluft-Galeriebesuch zu ermöglichen.
Mitten im ersten Lockdown startete das Künstler-Kollektiv „Bewegung für Radikale Empathie (BRE)“ eine Plakataktion, an der sich rund 30 Künstlerinnen und Künstler und Designerinnen und Designer beteiligten. Mit ihren nachdenklichen, oft doppelbödigen Entwürfen verwandelten sie im Sommer 2020 öffentliche Plakatflächen in Stuttgart und der Region in eine Public Poster Gallery.
Mit neuen Motiven wurde nun eine mobile Ausstellung entwickelt, die seit Anfang März in Lahr bestaunt werden kann. Für diese zweite Plakatserie steuerten 40 Gestalter Plakate bei, deren Motive aktuelle künstlerische Positionen aus Fotografie, Illustration und Design zeigen. Sie machen Mut, feiern die Solidarität und zeigen Haltung. Nun gehen die Plakate bis zum Sommer 2021 auf Tour durchs Ländle und sind neben Lahr unter anderem auch in Göppingen, Reutlingen und Weil am Rhein zu sehen.
Danae Diaz ist eine der beteiligten Künstlerinnen. Geboren in Barcelona, lebt und arbeitet sie seit 2016 als Illustratorin in Stuttgart. Ihr Poster zeigt eine apokalyptische Wüste, in der Menschen mit Maske und Abstand laufen, nur wohin?
Anette Ahrs Plakat zeigt, wie sehr der Künstlerin die lebendige Kultur seit Ausbruch der Pandemie fehlt. Ein weiterer Stillstand sei für viele freischaffende Kultur- und Kreativschaffende, die schon jetzt große existenzielle Sorgen haben, wirtschaftlich nicht zu verkraften, so Ahr. Die Branche brauche – gerade jetzt –Anerkennung, eine umsichtige Öffnung und effektive Unterstützung. Kultur braucht Publikum ... und Mäuse!