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25.06.2021 - Kulturstammtisch als Live-Stream „Müssen Frauen nackt sein um ins Museum zu kommen?“

Liegestuhl, Gitarre und Kunstwerk
Quelle: Kulturamt Lahr
Der Lahrer Kulturstammtisch geht in die dritte Runde und wird wieder als als Live-Stream auf dem Städtischen Youtube-Kanal am Donnerstag, 1. Juli, um 18 Uhr übertragen. Runde widmet sich dem Thema Frauen in Kunst und Kultur im Kontext des gesellschaftspolitischen Diskurses.

Frauen dürfen zwar seit etwa 100 Jahren an Kunstakademien studieren, doch bis heute sind Professorinnen, Intendantinnen und finanziell erfolgreiche Künstlerinnen rar. Der arrivierte Künstler Georg Baselitz war noch 2013 überzeugt: "Frauen malen nicht so gut. Das ist ein Fakt“. Wie kommt es zu solchen Vorurteilen? Und wie gehen Frauen damit um?

Auf dem Podium nehmen die Künstlerin Rebecca Egeling, Theatermacherin Ismene Schell, Künstlerin Ulrika Jäger, Gleichstellungsbeauftragte Pascale Simon-Studer und Komponist Moritz Eggert Platz.

Rebecca Egeling, Intendantin des Kulturhauses Lüdenscheid und Mutter eines Kleinkindes setzt sich als Künstlerin für gesellschaftliche Relevanz und Beteiligung für Frauen ein. Als Artist in Residence eröffnet Egeling im Juli in der Villa Jamm im Lahrer Stadtpark eine „Botschaft der Frauen“. In dieser Eigenschaft ruft sie alle Frauen dazu auf, ihre Stimme zu erheben und von ihren Erfahrungen als Frau und Mutter in der Berufswelt zu berichten, wie zum Beispiel von nicht verlängerten Verträgen in der Schwangerschaft, geänderten Stellenprofilen nach der Elternzeit oder auch reibungslosem Ineinandergreifen von Kita-Platz und flexibler Heimarbeitszeit.  

 

Ebenfalls auf dem Stammtisch-Podium ist die Theatermacherin, Produzentin und Mutter dreier Kinder Ismene Schell, eine weitere Künstlerin aus dem Residenzprogramm der Villa Jamm. Sie hat 2005 die freie Bühne Stuttgart gegründet und wird im Juli im Stadtpark in Kooperation mit „Szene 2wei“ die Installation „in-fect“ präsentieren. Sie wehrt sich entschieden gegen ein Branding als „Frau“.

 

Die preisgekrönte bildende Künstlerin und Feministin Ulrika Jäger, die ihre Jugend in Lahr verbrachte, berichtet von Machtstrukturen und Zurschaustellung des nackten, weiblichen Körpers bei Aktzeichnungen an der Kunstakademie Karlsruhe, an der sie zwischen 1966 und 1971 studierte. Am Bodensee initiierte sie viele Lesungen und Veranstaltungen zum Thema Gleichstellung.

 

Die Gleichstellungsbeauftragte des Ortenaukreises Pascale Simon-Studer wird Ansprechpartnerin aus der Verwaltung sein und von Projekten und Anlaufstellen im Ortenaukreis berichten. Sie setzt sich klar für mehr Frauen in der obersten Führungsebene ein und scheut vor unangenehmen Nachfragen nicht zurück.

 

Doch wie stellt sich künstlerische Gleichberechtigung aus Sicht eines modernen Mannes dar? Diese spannende Frage wird der Feminist und Komponist Moritz Eggert, selbst ernannter „Bad Boy of Music“ der Neuen Musik Zeitung aus München, beantworten. In seinem Blog berichtete er unter anderem ausführlich über den Skandal um den Münchner Musikhochschulpräsidenten Sigfried Mauser. 

 

Die Veranstaltung wird per Live-Stream aus dem Stadtmuseum Tonofenfabrik ohne Publikum übertragen. Online-Kommentare sind jedoch ausdrücklich erwünscht. Wer sich gerne einbringen möchte, kann sich am Donnerstag, 1. Juli, ab 18 Uhr auf den YouTube-Kanal der Stadt Lahr, Playlist Lahr Kultur oder unter https://www.youtube.com/watch?v=64TgHldcuE8 (Playlist Lahr Kultur) zuschalten.

 

Die Veranstaltung vom Kulturamt Lahr und dem Stadtmuseum Lahr ist eine Kooperation mit dem Förderverein Stadtmuseum Tonofenfabrik, der Lahrer Zeitung und dem Pächter des „Biermichel“, Tobias Venzke.

 

Hintergrund:

Der Kulturstammtisch Lahr findet seit Mai an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr statt. Wechselnde Gäste tauschen sich dabei auf dem Podium des Stadtmuseums Tonofenfabrik zu verschiedenen Schwerpunktthemen aus. Ziel des Kulturstammtischs ist es, den öffentlichen Diskurs zwischen Verwaltung und Akteuren zu fördern. Auch die Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander soll auf diese Weise unterstützt werden. Mit dieser Aktion startet das Kulturamt den Prozess „Kulturkonzeption 2026“, mit dem es auf die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche und Entwicklungen eingehen möchte. Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft sollen in einem mehrjährigen Austausch gesellschaftliche Entwicklungen und Trends identifiziert werden. Aus diesen werden unter Einbindung von empirischen Untersuchungsergebnissen von Studierenden der Universität Heilbronn langfristige Strategien abgeleitet, die das Kulturamt unter der Leitung von Cornelia Lanz in Zusammenarbeit mit dem Team des Stadtmuseums aktuell ankurbelt.