Der siebte KulturStammtisch am Donnerstag, 4. November, 18 Uhr, im Lahrer Stadtmuseum in der Tonofenfabrik steht unter dem Thema „Kultur-Raum, Raum-Kultur“ und wird wieder als Live-Stream auf dem Städtischen Youtube-Kanal übertragen. Live-Gäste sind herzlich willkommen.
Was hat Architektur mit Kultur zu tun? Inwieweit beeinflusst unsere Bauweise, wie wir wohnen, auch unser Miteinander? Kann die bewusste Gestaltung von Innenstadt und Gemeinschaftsräumen die Stadtgesellschaft verändern? Diese und andere Fragen behandelt der KulturStammtisch im November“. Kulturamtsleiterin Cornelia Lanz begrüßt dieses Mal fünf Gäste und einen Überraschungsgast auf dem Podium im Stadtmuseum in der Tonofenfabrik.
Zunächst wird der ehemalige Werkgruppe-Lahr-Architekt Jürgen Dittus Beispiele des von ihm entwickelten Raumwunders vorstellen. Die dreidimensionale Holzbox ist eine Einladung, sich kreativ mit Raum auseinanderzusetzen – und zwar über alle Altersgrenzen hinweg – vom Kindergartenkind bis zu den Senioren, von Bastelnden bis zu Kulturschaffenden. Der Rotary Club Lahr hat zur Feier seines 50-jährigen Bestehens 50 Boxen gestiftet, die zur einen Hälfte an Kindergärten und zur anderen Hälfte an Künstler zur Gestaltung weitergegeben worden sind.
Tilman Petters ist bestrebt in seiner Funktion als Baubürgermeister der Stadt Lahr eine Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und Soziologie zu finden. In öffentlichen Gebäuden herrscht ein großer Durchlauf und sie müssen vielen Bedürfnissen gerecht werden. Baukultur unterliege heute aber hauptsächlich dem Diktat der Ökonomie und werde ansonsten kaum gepflegt, bedauert Petters sehr. Neben der Wirtschaftlichkeit sei der Klimaschutz beim Bauen das zweite große Thema. Schönheit stehe erst an dritter Stelle, so Petters. Generell sei das Ornament tot, Jugendstil regelrecht verpönt. Auch sei wirklich alles, was man nutzen wolle, heute lizenziert. Bauwerke, die ihn als Baubürgermeister dennoch sehr stolz machen, seien beispielsweise das neue Stadtmuseum in der Tonofenfabrik, die Kita Plus im Bürgerpark, die Mehrzweckhalle und natürlich die Ortenau-Brücke. Letztere nennt Petters „symbolkräftig, nicht nur wirtschaftlich“.
Lahrs Stadtbaudirektorin Sabine Fink, die in Berlin studiert und gelebt hat, sieht Baukultur als Spiegel unserer Gesellschaft. „Herrschaftsstrukturen zeigen sich unter anderem in Grundrissen“, weiß Fink. „In vielen Häusern haben Männer Räume und Frauen nicht.“ Für die Diplom-Ingenieurin hatte Planung des Einkaufs-Areals, das früher ein Bahnhofsgelände war, einen besonderen Reiz. „Der Lebensmittelhändler war in einem Kaufhaus untergebracht gewesen. Da man dort nicht parken konnte, war die Kundenfrequenz zu gering und man musste sich ein neues Konzept ausdenken.“ Moderatorin und Kulturamtsleiterin Cornelia Lanz Vision ist, die Stadt Lahr als „eine riesige niedrigschwellig zugängliche Fläche für Kultur“ zu nutzen. Die Stadtbaudirektorin sieht einen Wandel im Kulturverständnis und die Möglichkeit, den ganzen Raum zu bespielen. „Wenn wir neue Orte planen, denken wir heutzutage die Kultur immer mit“, so Fink.
Investor Eckehard Ficht hat in Lahr das zeit.areal erschaffen. 34.000 Quadratmeter verteilt auf verschiedene ehemalige Kasernengebäude, die bis 2007 von der Tabakmanufaktur Rothhändle genutzt wurden. Heute ist das Areal ein kreatives Spielfeld unterschiedlichster Akteure, in dem sich beispielsweise die Galerie TheKesslhouse, ein Grafik Design-Studio, eine Kunstakademie, das Büro von Kosmos Schwarzwald und das Studio der inklusiven Tanzkompagnie Szene 2wei befinden. Die Verwaltung des Areals hat Ficht mittlerweile abgegeben, da neue Projekte ihn gelockt haben, wie die Transformation einer Tabakfabrik in Straßburg und die Kuratierung einer Kunstausstellung in Thüringen. Fichts Lieblingsplätze in Lahr: LGS-Gelände und der Stadtpark, den er einzigartig findet. Stark inspiriert ist Eckehard Ficht von dem berühmten Architekten Peter Zumthor, den die New York Times einmal den „Schweizer Mystiker der Architektur“ genannt hat.
Dagmar Abt, Architektin bei der Werkgruppe Lahr sieht Raum immer auch als Begegnungsort mit der Möglichkeit Schwellenängste abzubauen. „Ein Raum lebt durch Kultur“, sagt Abt. Im öffentlichen Raum kann man Dinge erleben, die man so vielleicht nicht kennt, wie beispielweise andere Sprachen, Musik, Religionen, Kunst“, sagt sie. Wie stark Architektur Menschen in ihrem Handeln beeinflusse, konnte Dagmar Abt hautnah beim Umbau der Schule des Dinglinger Hauses in Lahr erleben. Dort gab es mutige Entscheidungen, als man die Schule für Erziehung umgebaut hat. Die zuvor bestehende Haltung, dass nur ein „stabiles“ Gebäude vor Vandalismus geschützt sei, erwies sich als unzutreffend. Die Entscheidung für den Einsatz von viel Glas beim Umbau führte zur starken Identifikation und dazu, dass die Nutzer das Gebäude beschützen. Dass etwas Wertiges geplant und gebaut wurde, hatte eine enorme Wirkung auf die Menschen, die das Gebäude nutzen.
Die Veranstaltung wird einmal im Monat per Live-Stream aus dem Stadtmuseum in der Tonofenfabrik übertragen. Online-Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. Wer sich einbringen möchte, kann sich am Donnerstag, 4. November, ab 18 Uhr auf dem städtischen YouTube-Kanal unter https://www.youtube.com/watch?v=rjI2dP9x9PE
(Playlist Lahr Kultur) zuschalten.
Der Kulturstammtisch Lahr findet seit Mai an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr statt. Mit der Aktion hat das Kulturamt den Prozess „Kulturkonzeption 2026“ gestartet, mit dem es auf die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche und Entwicklungen eingehen möchte. Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft sollen in einem mehrjährigen Austausch gesellschaftliche Entwicklungen und Trends identifiziert werden.
Die Veranstaltung vom Kulturamt Lahr und dem Stadtmuseum Lahr ist eine Kooperation mit dem Förderverein Stadtmuseum Tonofenfabrik, der Lahrer Zeitung und dem Pächter des Biermichel, Tobias Venzke.
Für den Besuch des Stadtmuseums gelten die aktuellen Corona-Regeln und momentan die so genannten 3G – die Gäste müssen geimpft, genesen oder getestet sein. Ebenso besteht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske, zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sowie zur Aufnahme der Kontaktdaten.