Lahrer Zeitungen, Badische Zeitung, Lahrer Zeitung, Lahrer Anzeiger

02.03.2021 - Die Museumspädagogik stellt sich vor: Kreatives Zentrum und Schnittstelle zur Öffentlichkeit Hinter den Kulissen des Stadtmuseums Lahr

Großaufnahme von Silke Höllmüller, in der Hand hält sie ein Modell des Storchenturms
Museumspädagogin Silke Höllmüller bei einer Führung in der Tonofenfabrik des Stadtmuseum Lahr
Quelle: Ronald Buck
Das Stadtmuseum in Lahr wurde 2018 eröffnet und besteht aus drei musealen Einrichtungen: dem Stadtmuseum in der historischen Tonofenfabrik in der Innenstadt, dem Storchenturm und der Römeranlage im Bürgerpark. Die siebenteilige Reihe „Hinter den Kulissen des Stadtmuseums Lahr“ gibt Einblick in verschiedene Bereiche der Lahrer Museumsarbeit. Heute geht es um die Museumspädagogik.

Blau und frech blitzt das Heft aus dem Karton hervor: Die freundlichen Augenpaare der neuen Maskottchen strahlen den Lesern entgegen. Das neueste Projekt aus dem Stadtmuseum wartet darauf, an den Start gehen zu dürfen: Die Rätselrallye, mit der Kinder und ihre Familien das Museum auf eigene Faust neu entdecken können. Die Rätselrallye ist ein klassisches Produkt der museumspädagogischen Arbeit im Stadtmuseum.

Wer in der Museumspädagogik arbeitet, hat es mit vielfältigen Aufgaben zu tun. Im Stadtmuseum Lahr arbeiten zwei Museumspädagoginnen, die sich 1,25 Planstellen teilen: Die empirische Kulturwissenschaftlerin und Historikerin Silke Höllmüller ist für das Stadtmuseum mit dem Schwerpunkt Stadtgeschichte zuständig. Die Archäologin Kathrin Lieb verantwortet die Römeranlage mit Streifenhaus und archäobotanischem Garten im Bürgerpark.

Mit Museumspädagogik wird die Kulturvermittlung in einem Museum bezeichnet. Ziel der Vermittlungsarbeit ist es, die Inhalte eines Museums den Besucherinnen und Besuchern näher zu bringen. Sie hat Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen im Blick. Da jede Besuchergruppe eigene Bedürfnisse hat, ist ein möglichst breites und abwechslungsreiches Angebot an Führungen, Mitmach-Angeboten und Veranstaltungsformaten erforderlich. Museumspädagogik vereint sowohl wissenschaftliche, künstlerisch-kreative als auch pädagogische Arbeitsbereiche. Die Besucherinnen und Besucher mit möglichst vielen Sinnen anzusprechen, steht dabei immer im Fokus. 

Rund 100 teils wiederkehrende, teils neu konzipierte Veranstaltungen und Begleitprogramme zu Ausstellungen werden pro Jahr allein in der Tonofenfabrik von der Museumspädagogik betreut. Die Römeranlage bietet weitere rund 30 Veranstaltungen im Jahr an. Hierzu gehören Museumsführungen, Mitmach-Ateliers sowie Aktionstage. Die Museumspädagoginnen sind auch für den Besucherservice und die Koordination und Fortbildung des museumspädagogischen Teams zuständig. Die Netzwerk-Pflege zu Partnern, wie beispielsweise den Lahrer Kitas und Schulen, der Mediathek, der VHS, der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie der Universität Freiburg, dem Arbeitskreis „Gallo-Römisches Leben Lahr Dinglingen“ und anderen Museen ist ein weiterer Bestandteil der breit gefächerten Arbeit. Aufgrund der Größe des Lahrer Stadtmuseums sind die Museumspädagoginnen, über ihr klassisches Aufgabenfeld hinaus, für die Pflege der Website und die Bereitstellung von Informationen für die Pressearbeit zuständig. Als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sind sie im Vorfeld der Ausstellungen beratend und kuratierend tätig und für die Verwaltung von Exponaten verantwortlich. 

Während der beiden Lockdowns im vergangenen Jahr sind zwar einige Veranstaltungstermine und der Besucherservice entfallen, aber die Verschiebung zahlreicher Termine und die Organisation der Hygienemaßnahmen und –pläne nahm viel Zeit in Anspruch. Die doppelte Zwangspause wurde genutzt, um neue, digitale Formate zu konzipieren und zu testen. Dabei entstanden unter anderem digitale Kurzführungen (teilweise auch in Gebärdensprache), digitale Kulturhäppchen und Werkstatt-Boxen für Zuhause sowie der Start einer Corona-Sammlung. 

Um den vielseitigen Anforderungen der Museumspädagogik gerecht zu werden, ist ein abgeschlossenes Fachstudium erforderlich. Eine weitere unverzichtbare Voraussetzung sind museumspädagogische Erfahrungen in unterschiedlichen musealen Einrichtungen.