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28.10.2021 - Vortrag zu Opfern und Tätern nach dem Ende des Nationalsozialismus Gegen das Vergessen in Lahr und Baden

Portrait des früheren Offenburger Kulturamtsleiters Hans-Joachim Fliedner
Der frühere Offenburger Kulturamtsleiter Hans-Joachim Fliedner
Quelle: privat
Zu einem Vortrag über die Auswirkungen der Judenverfolgung nach 1945 in Lahr und Baden mit Hans-Joachim Fliedner laden die Volkshochschule Lahr und der Historische Verein für Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land, für Donnerstag, 4. November 2021, 19 Uhr in das Haus zum Pflug, Kaiserstraße 41 in Lahr, ein.

Der Historiker Hans-Joachim Fliedner war bis zu seiner Pensionierung Kulturamtsleiter in Offenburg. Dort trug er dazu bei, die Geschichte des Gasthauses Salmen als Synagoge wiederzuentdecken. Die Doktorarbeit, die Fliedner vor 50 Jahren über die nationalsozialistische Judenverfolgung in Mannheim geschrieben hatte, gilt als wegweisendes Werk. Mannheim hatte die größte jüdische Gemeinde in Baden.

 

 

 

In seinem Vortrag fragt der Referent, was nach 1945 passierte. Neben Mannheim nennt er Beispiele aus der Lahrer Geschichte. Wie gestaltete sich die Erinnerungskultur in den Jahren nach dem Krieg? Fliedner zeigt die Sicht von Opfern des nationalsozialistischen Staates, aber er wirft auch einen Blick auf die „Täteropfer“. Wie reagierten diese? Zwei von ihnen waren SS-Angehörige aus Lahr, von denen einer Schriftzeugnisse hinterlassen hat, ein dritter stammte aus dem nördlichen Ortenaukreis. Eine Überlebende des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz repräsentiert die jüdische Opfergruppe. Sie fand in der warmherzigen Atmosphäre von „Uhren-Müller“, dem früheren Traditionsgeschäft in der Lahrer Marktstraße, zurück ins Leben.

Der Vortrag „50 Jahre Erinnerungskultur in Baden und Lahr“ findet in Kooperation mit der Regionalgruppe Geroldsecker Land des Historischen Verein für Mittelbaden statt. Deren Vorsitzender Norbert Klein gilt ebenso wie sein Vorgänger Thorsten Mietzner, Stadtarchivar in Lahr, als hervorragender Kenner der Judenverfolgung und des Nationalsozialismus in Lahr und der Ortenau. Beide haben durch eine Reihe von Vorträgen, Führungen und Veröffentlichungen die regionale Erinnerungskultur geprägt. Dazu gehört auch die Verlegung von Stolpersteinen, wie erst kürzlich in Lahr geschehen.

Eine Anmeldung mit Kontaktdatenerfassung ist vorab bei der Volkshochschule Lahr erforderlich: Website www.vhs.lahr.de, E-Mail vhslahr@lahr.de, Telefon 07821 / 918-0. Der Eintritt beträgt vier Euro. Es gelten die sogenannten 3G – die Teilnehmenden müssen geimpft, genesen oder getestet sein – sowie die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.