09.11.2017 - Hausbesichtigungstag
"Ein gutes Gefühl" – warum Hausbesitzer klimafreundlich bauen
Am kommenden Sonntag veranstaltet die Ortenauer Energieagentur ihren dritten Hausbesichtigungstag in der Ortenau, unterstützt durch die Stabsstelle Umwelt der Stadt Lahr. Klimaschutzmanager Dr. Michael Dutschke hat schon einmal eine Runde durch Lahr und Umgebung gemacht. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Dieser Spruch von Erich Kästner fällt Dutschke ein, wenn er die Motivation der Bauherren zusammenfassen soll. Zwei Häuser in Lahr, eines in Mahlberg und eines in Meißenheim hat er sich angeschaut.
„Raus aus der Mietwohnung“, sagten sich die Lahrer Annette Ising und Ulrich Miedler, die ihr Haus in der Bergstraße 126/1 zwischen 11:00 und 18:00 Uhr öffnen. Während sie noch in ihrer Mietwohnung wohnten, war für sie der Gedanke unerträglich, dass ihr Duschwasser auch im Sommer mit Gas erwärmt wurde, während draußen die Sonne aufs Dach knallte. Ihr 2005 fertiggestelltes Eigenheim planten sie von Anfang an als Passivhaus, ein Haus, das fast ohne Energieverbrauch auskommt.
Die jungen Eheleute Pieper aus Meißenheim konnten zehn Jahre später ein Niedrigstenergiehaus (KfW 55) bereits als Fertighaus erwerben, in dem sie am Sonntag zwischen 15:00 und 18:00 Uhr interessierte Besucher empfangen (Johann-Sebastian-Bach-Str. 17). Die Erdreich-Wärmepumpe kostete einen Aufpreis. Für den Verwaltungsangestellten Mathias Pieper, der täglich mit Fragen des Umweltschutzes zu tun hat, waren die Anschaffungskosten jedoch sekundär. Schließlich sollen die Kinder einmal ein Haus erben, an dem sie auch in Zukunft Freude haben.
Der Bauingenieur und Planer Dr. Falk Auer wollte 2002 seine Erkenntnisse umsetzen und baute in sein neues Haus in der Friedhofstraße 32/3 eine Solarthermieanlage, deren Röhren unauffällig das Balkongeländer bilden. Die Photovoltaikanlage dient zugleich dem Sonnenschutz für die Dachflächenfenster und wurde für ihre Effizienz 2004 sogar vom Bundesumweltministerium prämiert. Beim dritten Ortenauer Hausbesichtigungstag möchte Auer Mut machen, die Nutzung der Sonnenenergie mit ästhetischen Maßstäben zu verbinden. Er veranstaltet eine Führung ab 11:00 Uhr.
Während Bauprofi Auer durchführte, was er seit fast 20 Jahren plante, waren die anderen privaten Bauherren Neulinge im Geschäft. Wie haben sie sich schlau gemacht? „Das fing an mit einem Buch über Passivhäuser“, erläutert Ulrich Miedler. Dann haben wir viel im Internet recherchiert, wo wir schließlich auf das Passivhausprojektierungspaket PHPP stießen. Es führt interaktiv Schritt für Schritt durch die Planung und hilft später bei der Auswertung der Verbrauchsdaten. Die Piepers aus Meißenheim dagegen fanden ihr Traumhaus in der Fertighausausstellung in Offenburg. Vor der Beauftragung ließen sie den Berater der Ortenauer Energieagentur kommen, der die Pläne prüfte und für gut befand.
Während die anderen schon Langzeiterfahrung vermitteln können, befindet sich das Pfarrhaus der evangelischen Kirche in Mahlberg noch in der letzten Phase der Sanierung. Zwischen 12:30 und 14:00 Uhr können Besucher hinter die Kulissen schauen. Das denkmalgeschützte Gebäude erhält 95 000 Euro Förderung von der Landeskirche, muss aber dafür eine ganze Reihe Auflagen erfüllen, die es besonders energieeffizient machen, aber auch die Vorgabe, nur ökologische Baumaterialien zu verwenden. Sanierungsbeauftragter Stefan Säcker steht voll dahinter, „als Bauingenieur und als Christ, der die Schöpfung für die nachfolgenden Generationen erhalten will“. Auch hier half ein Gutachten der Ortenauer Energieagentur bei der Gestaltung der Maßnahme.
Keiner der Bauherrinnen und Bauherren hat seine Entscheidung bereut. Ein Wunsch blieb sowohl in der Lahrer Bergstraße, als auch in Meißenheim bislang unerfüllt. Beide wollten eigentlich eine Photovoltaikanlage aufs Dach setzen, schoben diesen Plan aber auf.
In einem sind sich alle Bauherren einig, so das Resümee des Klimaschutzmanagers. Auf seine Frage, was daran Besonderes ist, in einem Energiespar-Haus zu leben, antworten sie unisono: „Ein gutes Gefühl“. „Wenn ich für unseren Säugling die Heizung ein wenig höher drehe“, so etwa Mathias Pieper, „dann tue ich das nicht auf Kosten der Umwelt“.