19.05.2022 - Streifenhaus mit neuer Südwand
Eichenbretter statt Lehmverputz – ist das noch römisch?
Seit Anfang Mai 2022 ziert ein Baugerüst die Südseite des römischen Streifenhauses auf der Römeranlage im Lahrer Bürgerpark. Bis Ende der Woche wird die Wandverkleidung mit Eichenbohlen fertiggestellt sein.
Vor Ort sägen zwei Arbeitskräfte Brett für Brett passgenau zu und schrauben sie überlappend an die Wand. So sind die modernen Schrauben von außen fast unsichtbar und stören den Rekonstruktionscharakter des Hauses nicht. Notwendig geworden war die Sanierung durch einen Sturmschaden im August 2020, bei dem der Lehmbewurf großflächig beschädigt und herausgespült worden war.
Nach Rücksprache mit Archäologen der Universität Freiburg und Ingenieuren des Gebäudemanagements Lahr wurde beschlossen, dass die Wand nachhaltig, aber dennoch mit einer römerzeitlichen Baumethode saniert werden soll. Römische Streifenhäuser schützten sich in der Regel gegenseitig dadurch, dass sie in Reihe und eng beieinanderstanden. Das ist bei dem rekonstruierten Bau in Lahr nicht gegeben – vor allem die Südseite ist Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Auf der Suche nach archäologischen Beweisen für einen Wetterschutz wurden Archäologinnen und Archäologen im Vicus von Bregenz/Brigantium am Bodensee fündig: Fast 2000 Jahre alte, unverputzte Bretter legen nahe, dass die Häuser vor allem im oberen Bereich mit einer Bohlenwand versehen waren. Sie könnte das Haus bei Unwettern geschützt haben. Für das rekonstruierte Streifenaus in Lahr bleibt zu hoffen, dass die neu sanierte Wand auch den Extremwetterereignissen des modernen Klimawandels standhalten wird.