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10.07.2023 - Lahrer Bähnle beim Festwochenende an der niederländischen Grenze dabei Der Lahrer Entenköpfer ist immer noch auf der Schiene

Klaus Ohnmacht, Otto Krämer und Werner Friedemann stehen vor einer Orginallok des einstigen Lahrer „Entenköpfers
Quelle: Stadt Lahr
Vor über 70 Jahren fuhr zum letzten Mal das „Bähnle“ durch die Lahrer Innenstadt. Jene Schmalspurbahn, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts das Schuttertal mit Kehl und Straßburg verband und aufgrund einiger Unfälle mit freilaufendem Federvieh im Volksmund nur „Entenköpfer“ genannt wurde.

Mit einiger Wehmut sprechen die alteingesessenen Lahrerinnen und Lahrer bis heute von ihrem „Entenköpfer“. Was jedoch nur wenige Eingeweihte wissen, noch heute sind einige der Dampf- und Triebwagen, die einst durch Lahr fuhren, erhalten geblieben und zum Teil sogar noch fahrbereit. Diese historischen Fahrzeuge haben eine weite Reise hinter sich und befinden sich jetzt im Kleinbahnmuseum "Selfkantbahn" in Gangelt, nahe der niederländischen Grenze. Einige der Züge der Selfkantbahn fahren sogar auf Originalschienen der Mittelbadischen Eisenbahnen AG (MEG), die aus Mittelbaden ins Rheinland gebracht wurden. Mehr als dreißig Jahre lang war der „Entenköpfer“ Teil der MEG. Rechtsnachfolger der MEG ist die Südwestdeutsche Verkehrs AG (SWEG), die bis heute ihren Firmensitz in Lahr hat.

Das Kleinbahnmuseum "Selfkantbahn" wird von engagierten Ehrenamtlichen liebevoll betreut und sammelt Eisenbahnwaggons aus dem ganzen Bundesgebiet. Eine besondere Sammlung bilden dabei die Fahrzeuge der MEG, von denen einige im Freilichtmuseum zu besichtigen sind. Diese Fahrzeuge verkehrten einst auf allen Bahnlinien der MEG, somit auch in Lahr.

Anlässlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums der MEG fand im Museum „Selfkantbahn“ ein Festwochenende statt. Historische Dampf- und Triebwagen, darunter auch Teile des „Entenköpfers“, fuhren an den Jubiläumstagen auf der Strecke der Selfkantbahn. Das Stadtmuseum Lahr, dem ein Bähnle-Modell im Stadtpark gehört, war Kooperationspartner der Jubiläumsveranstaltung. Als Vertreter für die Stadt Lahr waren Klaus Ohnmacht, Werner Friedemann und Otto Krämer an die niederländische Grenze gereist, die sich ehrenamtlich um den Erhalt der Lahrer Modellanlage im Stadtpark kümmern. Mit im Gepäck hatten sie MEG-Fahrzeugmodelle von Max Bieler, die an dem Festwochenende gezeigt wurden.

Schon in den 1970er Jahren hatte der Lahrer Modellbauer Max Biehler begonnen, in liebevoller Kleinarbeit fast den kompletten Fuhrpark der MEG im Maßstab 1:32 nachzubauen. Im Jahr 2003 ging die Modellbahn in das Eigentum der Stadt Lahr über. Engagierte Modellbauer ergänzten die Anlage nach und nach mit detailgetreuen Gebäudemodellen. 2012 kam der Nachbau der Nordseite des Urteilsplatzes, wie er in den 1950er Jahren aussah, sowie der ehemalige MEG-Bahnhof in Dinglingen dazu. Momentan befindet sich die Anlage im Stadtpark und kann auf Anfrage besichtigt werden.

Kontakt: Werner Friedemann, Tel. 07821-9925767

Historie:

Mit Blumen und Girlanden geschmückt war am 30. November 1894 der erste Zug der Lahrer Straßenbahngesellschaft durch die Stadt gefahren. Durch eine Kooperation der Lahrer mit der Straßburger Straßenbahngesellschaft rückte Lahr verkehrstechnisch näher an die elsässische Metropole und konnte davon auch wirtschaftlich profitieren. Ab 1901 bestand eine Betriebsgemeinschaft beider Gesellschaften. Diese Zusammenarbeit wurde durch den Ersten Weltkrieg abgebrochen. Ab dem Frühjahr 1917 verkehrte die hiesige Bahn im Namen der „Lahrer Eisenbahn-Gesellschaft“. Gemeinsam mit den „Kehler Bahnen“ wurden die „Lahrer Bahnen“ Eigentum des Badischen Staates und 1920 zunächst der Deutschen Reichsbahn unterstellt. Diese hatte an einer Übernahme des beachtlichen deutschen Schmalspurnetzes jedoch kein Interesse und so wurde schließlich am 30. Juni 1923 in Lahr die Mittelbadische Eisenbahnen AG (MEG) gegründet. Mehr als dreißig Jahre lang war der Entenköpfer Teil der MEG. Rechtsnachfolger der MEG ist die Südwestdeutsche Verkehrs AG (SWEG), die bis heute ihren Firmensitz in Lahr hat.