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01.04.2016 - Zivilcourage kann man lernen

Sie werden Zeuge einer brenzligen Situation – doch was tun? Zivilcourage zeigen bedeutet, nicht wegzuschauen, sondern aktiv zu werden. Aber wie verhält man sich richtig, wenn sich die Frage stellt, ob man einschreitet oder nicht? Ein Workshop in der Volkshochschule zeigt alltagstauglich, worauf man achten, was man vermeiden sollte und wie man aktiv werden kann, ohne sich selbst zu gefährden. Der kostenlose Workshop mit vielen Übungen findet am Samstag, 16. April 2016, von 9.30 bis 15.30 Uhr im Haus zum Pflug, Kaiserstraße 41, statt. Für Pausenverpflegung ist gesorgt. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Sicherheit im Quadrat“ und wird gemeinsam von Polizeipräsidium Offenburg – Referat Prävention, dem Polizeirevier Lahr und der Stadtverwaltung Lahr durchgeführt. Eine Anmeldung ist erforderlich bei der VHS unter Telefon 07821 / 918-0, E-Mail vhslahr@lahr.de oder im Internet unter www.lahr.de/vhs.

Der Workshop wird geleitet von Dirk Herzbach, dem Leiter des Referats Prävention beim Polizeipräsidium Offenburg, und der ehemaligen Polizeibeamtin Katrin Kupferschmidt. Sie ist inzwischen Präventionstrainerin und bietet seit einigen Jahren Selbstbehauptungsseminare an. Organisiert wird die Maßnahme von der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung Lahr im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention. Nadja Heine von der Pressestelle der Stadt Lahr hat im Vorfeld mit den Beteiligten gesprochen:

Was bedeutet Kommunale Kriminalprävention?
Lucia Vogt, Leiterin der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Stadtverwaltung Lahr: Im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention wird direkt vor Ort auf kommunaler Ebene präventive Arbeit geleistet, die zum Schutz vor Kriminalität beitragen soll.

Welches Ziel verfolgt die Stadt Lahr damit?
Lucia Vogt: Die Stadt Lahr verfolgt mit dieser Arbeit unterschiedliche Ziele. Neben der Beibehaltung eines niedrigen Kriminalitätsniveaus oder sogar einer weiteren Senkung der Fallzahlen möchte die Stadt Lahr ihre Bürgerinnen und Bürger einfach auch über Gefahren aufklären oder über unterschiedliche Themen informieren und natürlich auch das subjektive Sicherheitsgefühl verbessern.

Was hat die Stadt Lahr in den vergangenen Jahren im Bereich der Kommunalen Kriminalprävention unternommen?
Lucia Vogt: In den vergangenen Jahren wurden ganz unterschiedliche Aktivitäten unternommen. So wurde beispielsweise das Projekt „Sicherheit im Quadrat“ ins Leben gerufen, bei dem gemeinsam mit dem Lahrer Polizeirevier verstärkte Kontrollen oder gezielte Kampagnen umgesetzt werden. Auch die Veranstaltungsreihe „Sicherheit im Quadrat“ ist aus diesem Projekt entstanden. Jedes Jahr werden dabei
vier Veranstaltungen durchgeführt von denen jeweils eine auf die Gruppe der Senioren, der Kinder und Jugendlichen, der Frauen und der Erwachsenen allgemein abzielt. Auch der anstehende Zivilcourage-Workshop am 16. April ist Bestandteil dieser Reihe. Darüber hinaus wurden beispielsweise die Dienstzeiten des Gemeindevollzugsdiensts ausgeweitet und es wurde ein Kommunaler Ordnungsdienst eingerichtet, um Beschwerden aus der Bevölkerung gerecht werden zu können und durch eine erhöhte Präsenz zu einer Verbesserung der gefühlten Sicherheit beizutragen. Ein- bis zweimal pro Jahr trifft sich zudem das Lahrer Sicherheitsforum, in dem sich verschiedene Partner zu unterschiedlichen sicherheitsrelevanten Themen austauschen können und Arbeitsschwerpunkte definiert werden.

Was bedeutet für Sie Zivilcourage?
Dirk Herzbach, Leiter des Referats Prävention beim Polizeipräsidium Offenburg: Zivilcourage ist vielfältig. Es geht grundsätzlich darum in Not- oder Konfliktsituationen einzugreifen oder zumindest darum Hilfe zu organisieren. Oft genügt es, den ersten Schritt zu tun und auch andere aktiv und direkt zur Mithilfe aufzufordern. Zivilcourage bedeutet auch, sich um Opfer zu kümmern und natürlich als Zeuge zur Verfügung zu stehen, um insbesondere strafbares Verhalten „nicht durchgehen“ zu lassen.

Warum tun sich so viele Menschen schwer damit, Zivilcourage zu zeigen?
Dirk Herzbach: Leider ist es immer einfacher eine Ausrede für sich selbst zu finden, warum man nicht der- oder diejenige ist, die zuerst helfen muss. Wir sprechen hier von Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit und auch Desinteresse am Schicksal des Nächsten. Es geht aber natürlich nicht darum, dass man sich selbst in Gefahr bringen muss – Oft würde schon genügen, die Hilfe über 110 zu organisieren.

Was genau soll das Seminar am 16. April 2016 vermitteln? Wo liegt der Gewinn für die Teilnehmer?
Dirk Herzbach: Den Teilnehmern wird insbesondere durch das Erleben von Alltagssituationen bewusst gemacht, wie bedrohliche Situationen ablaufen. Wir wollen erste Ansätze von Handlungskompetenz vermitteln, um so besser auf mögliche Gefahren und Bedrohungen reagieren zu können. Darüber hinaus lernen die Teilnehmer auch Hilfe zu organisieren und mit möglichen Helfern und den Aggressoren entsprechend zu kommunizieren.

Wie greift man denn in einer brenzligen Situation richtig ein?
Katrin Kupferschmidt, Leiterin des Kursanbieters KUMU für Gewaltprävention und Selbstbehauptung: Ich höre immer wieder, dass Menschen helfen möchten, nur häufig nicht wissen, wie. Es gibt natürlich verschiedenste Möglichkeiten, einzugreifen. Diese sollten nicht unbedingt körperlich sein. Wichtig ist die richtige Einschätzung der Lage, um sich und andere nicht zusätzlich in Gefahr zu bringen. Auch das Absetzen eines Notrufs und die laute Aufforderung an Andere zur Mithilfe kann die beste Lösung des Notfalls bedeuten.

Und wie schütze ich mich selbst?
Katrin Kupferschmidt: Der Selbstschutz beginnt beim äußeren Anschein, dem ersten Eindruck, den man auf sein Gegenüber macht. Mimik, Gestik, Körperhaltung sowie die Stimme spielen dabei eine große Rolle.