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22.10.2025 - Israelitische Religionsgemeinschaft Baden verleiht Auszeichnung Verdienstmedaille für die Stadt Lahr

Bei der Verleihung der Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden hat Rudolf Dörfler (Neunter von links) als ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters die Auszeichnung für die Stadt Lahr entgegengenommen.


Bei der Verleihung der Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden hat Rudolf Dörfler (Neunter von links) als ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters die Auszeichnung für die Stadt Lahr entgegengenommen.
Quelle: Israelitische Religionsgemeinschaft Baden
Die Stadt Lahr hat gemeinsam mit den 17 weiteren Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zur Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs die Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden erhalten.

Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden hat die Auszeichnungen bereits an ihrem Neujahrsempfang am 28. September 2025 verliehen. Vom 22. bis 24. September 2025 haben Jüdinnen und Juden das Neujahrsfest Rosch ha-Schana und den Beginn des jüdischen Jahres 5786 gefeiert. Erstmals hat die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden zu diesem Anlass Weggefährten, Freunde und Partner zu einer Feier eingeladen. Sie vereint aktuell zehn Gemeinden mit rund 5200 Mitgliedern. Vor der Shoa, dem nationalsozialistischen Massenmord an Jüdinnen und Juden, bestanden in Baden circa 100 jüdische Gemeinden mit mehr als 20.000 Mitgliedern.

Die Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden wurde erst zum zweiten Mal verliehen. Zuvor einziger Preisträger war 2010 der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrags der Israelitischen Religionsgemeinschaften Badens und Württembergs mit dem Land Baden-Württemberg.

Die Stadt Lahr ist der Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zur Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs zum 1. Mai 2024 beigetreten. Dort befinden sich 1073 Gräber, die an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors erinnern – darunter auch Menschen aus Lahr und Umgebung.

Vor genau 85 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden mehr als 6500 badische, pfälzische und saarländische Bürgerinnen und Bürger jüdischer Abstammung festgenommen, in Sonderzügen nach Frankreich gebracht und im Internierungslager Gurs am Fuße der Pyrenäen eingesperrt. Alle registrierten Jüdinnen und Juden, die irgendwie transportfähig waren, mussten mitkommen: kleine Kinder, alte und gebrechliche Menschen, Männer und Frauen. Nur wer mit einem „arischen“ Partner oder einer „arischen“ Partnerin verheiratet war, konnte bleiben.

45 Lahrerinnen und Lahrer waren von der Deportation am 22. Oktober 1940 betroffen. 23 von ihnen wurden direkt aus Lahr verschleppt, die übrigen lebten zu diesem Zeitpunkt in anderen badischen Städten. Viele alte und geschwächte Menschen überlebten den ersten Winter in Gurs nicht. Zwischen 1942 und 1944 wurde etwa ein Drittel der jüdischen Menschen, die nach Gurs deportiert worden waren, in die Vernichtungslager von Majdanek, Sobibor oder Auschwitz – allesamt im besetzten Polen – verbracht.

Der heutige Deportiertenfriedhof ist ein Mahnmal zur Erinnerung an das Lager Gurs. Bereits 1945 hatte der Verband der jüdischen Gemeinschaften der Basses-Pyrénées ein Denkmal für die Opfer errichtet. Der Friedhof verwilderte jedoch im Laufe der Jahre zusehends. Daraufhin brachten die badischen Städte, Gemeinden und Kreise, aus denen jüdische Bürgerinnen und Bürger in Gurs begraben sind, mit einer Spendenaktion die Gesamtkosten der Neugestaltung auf.

Der renovierte Friedhof, den die Gemeinde Gurs dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden für 99 Jahre verpachtet hat, wurde am 26. März 1963 eingeweiht. Die fünf Städte Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Heidelberg und Pforzheim sagten zu, die Kosten für die weitere Unterhaltung und Pflege des Friedhofs gemeinsam zu tragen. Zwölf weitere Städte sowie der Bezirksverband Pfalz sind bislang hinzugekommen – die Stadt Lahr ist der Arbeitsgemeinschaft als bislang jüngstes Mitglied beigetreten.

Stadthistorikerin Elise Voerkel zeigt die Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden.
Stadthistorikerin Elise Voerkel zeigt die Verdienstmedaille der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden.
Quelle: Stadt Lahr