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22.08.2024 - Finissage der Langsdorff-Ausstellung Veranstaltung in der Villa Jamm am Brasilianischen Nationalfeiertag

Das Bild zeigt einen Raum der Ausstellung „Die Langsdorff-Expedition – Vor deinen Augen“ mit zahlreichen Bildern
Ausstellung „Die Langsdorff-Expedition – Vor deinen Augen“
Quelle: Aline Xavier
Eine Parklesung mit Moritz von Rappard, Urururururururgroßenkel des Naturforschers und Weltreisenden Georg Heinrich von Langsdorff, ein Artist-Talk mit der Künstlerin Aline Xavier, eine Podiumsdiskussion unter anderem mit Dr. Wolfgang G. Müller, Oberbürgermeister a.D. der Stadt Lahr, und Johannes Martin Kärcher, Honorarkonsul der Föderativen Republik Brasilien in Stuttgart: Am Samstag, 7. September 2024, von 14 bis 17:30 Uhr begeht das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen der Stadt Lahr mit der Finissage der Langsdorff-Ausstellung in der Villa Jamm im Lahrer Stadtpark den Brasilianischen Unabhängigkeitstag.

Die Besucherinnen und Besucher treffen sich um 14 Uhr vor dem Haupteingang der Villa Jamm zur performativen Stationenlesung: Moritz von Rappard und Cornelia Lanz, Leiterin des Amts für Stadtgeschichte und Archivwesen, lesen an 14 Stationen im Stadtpark Lahr aus Langsdorffs „Reise um die Welt“. Die Gäste begeben sich auf eine Expedition durch den Stadtpark, legen dort einen Teil der Reiseroute auf den Parkplan und hören an Orten, an denen die Natur besonders inspiriert, ausgewählte Stellen aus Langsdorffs „bemerkenswerten Bemerkungen“.

Um 15:30 Uhr beginnt im Untergeschoss der Villa Jamm ein Artist-Talk mit Führung der Künstlerin und Filmemacherin Aline Xavier durch ihre Ausstellung „Die Langsdorff-Expedition – Vor deinen Augen“ mit Möglichkeit zum Gespräch. Aline Xavier, geboren 1984 in Belo Horizonte/Brasilien, lebt und arbeitet in Paris. Ihre Arbeit verbindet oft unterschiedliche Medien, darunter Video, Fotografie, Skulptur und Installation. Ihre Werke sind oft das Ergebnis intensiver Auseinandersetzungen mit verschiedenen Kulturen und deren Kontexten mit Fokus auf dem globalen Süden. In der Verbindung von künstlerischem Schaffen und der Beschäftigung mit anderen Wissensgebieten werden Themen wie Natur, die Geschichte der Wissenschaften, Politik der Bilderzeugung, das persönliche und das kollektive Gedächtnis wie auch das kulturelle Erbe zu Ausgangspunkten ihrer Arbeit.

Lahrs Oberbürgermeister Markus Ibert und sein Amtsvorgänger D. Wolfgang G. Müller, Initiator des wissenschaftlichen Symposiums anlässlich des 250. Geburtstag von Georg Heinrich von Langsdorff im April 2024, halten ihre Grußworte zur Finissage ab 16:10 Uhr im ersten Obergeschoss der Villa Jamm. Ebenfalls dort geht es um 16:30 Uhr weiter mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Brasilien Einwanderungsland – Brasilien Auswanderungsland. Brasilianische Präsenz und brasilianisches Flair in Deutschland und Europa“. Die Podiumsdiskussion richtet sich an alle, die sich für die deutsch-brasilianischen Beziehungen interessieren, an Forschende und besonders an Menschen mit brasilianischen Wurzeln. Ihr Ziel ist, den kulturellen Austausch und die Geschichte zwischen Brasilien und Deutschland zu beleuchten und zu feiern sowie eine Plattform für persönliche Geschichten zu bieten. Die deutsche Einwanderung nach Brasilien begann vor rund zweihundert Jahren. Heute sind viele Menschen aus Brasilien nach Deutschland ausgewandert. Der Naturforscher Langsdorff spielte eine maßgebliche Rolle bei der Förderung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Auf dem Podium diskutieren Adenilda de Sales-Cromer, Marileide Fonseca Hagemann, Renato de Oliveira Bastos und Johannes Martin Kärcher, Honorarkonsul der Föderativen Republik Brasilien in Stuttgart.

Der Ausklang der Finissage mit Sekt und brasilianischer Musik findet ab 17:10 bei gutem Wetter vor der Villa, bei schlechtem Wetter im ersten Obergeschoss statt. Veranstalter ist das Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen der Stadt Lahr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos, der Eintritt in den Stadtpark ist am Parkeingang zu entrichten. Eine Anmeldung per E-Mail an gretje.treiber@lahr.de ist erwünscht.

 

Workshop „Writing the voices of the animals“

In der ersten Septemberwoche finden auch finale Workshops zur Ausstellung „Die Langsdorff-Expedition – Vor deinen Augen“ statt. „Writing the voices of the animals“ richtet sich an Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren und lädt zu einer kleinen Forschungsreise ein: Die Teilnehmenden begegnen in der Ausstellung und im Lahrer Stadtpark verschiedenen Tieren – mal in Käfigen, mal freilaufend. Sie achten dabei besonders auf die Geräusche: Wie klingt ein Frosch, ein Affe, ein Jaguar oder ein Vogel?

Als Teil der Ausstellung von Aline Xavier untersucht der Workshop das Konzept der Dokumentation als Kunstform. Wie kann man zum Beispiel Klänge und Geräusche festhalten und beschreiben? Die Teilnehmenden bekommen Einblicke in die kreative Nutzung musikalischer Notationen von der Langsdorff-Expedition des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Auf der Expedition wurden Erfindungen gemacht, beispielsweise ein Instrument, das Tierstimmen in geschriebene Notation verwandelt. Vor diesem Hintergrund ermutigt der Workshop, sich durch die Kunst des Klangs kreativ mit der Natur zu verbinden. Gesungen, gemalt oder als Skulptur: Für das Erlebte und Erlernte finden die Teilnehmenden gemeinsam eine Form. Der Workshop verspricht damit ein Erlebnis, das Kunst, Natur und Geschichte verbindet.

Am Sonntag, 8. September 2024, gibt es von 14 bis circa 15:30 Uhr einen offenen Workshop. Um Anmeldung per E-Mail an gretje.treiber@lahr.de wird gebeten. Im Zeitraum von Dienstag bis Donnerstag, 3. bis 5. September 2024, sind weitere Workshops für Gruppen nach Vereinbarung möglich, Kontakt: gretje.treiber@lahr.de. Die Teilnahme an allen Workshops ist kostenfrei.

 

Hintergrund

Zwischen 1822 und 1829 führte Georg Heinrich von Langsdorff (1774–1852) eine Gruppe von Wissenschaftlern und Künstlern von São Paulo bis zum Amazonas, durch das damals noch recht unerforschte Brasilien. Die Expedition hatte sich zum Ziel gesetzt, Land, Menschen und Natur aufs Genaueste zu erkunden und zu dokumentieren. Unzählige Tierpräparate, Herbarien, Zeichnungen, Aquarelle, Karten, Notizen und nicht zuletzt 1400 akribische Tagebuchseiten zeugen vom großen Forscherdrang der Reisegruppe.

Im Jahr 2022 begab sich die brasilianische Künstlerin Aline Xavier ihrerseits auf eine Forschungsreise: In den Archiven und Museen der Russischen Akademie der Wissenschaft in St. Petersburg begann sie, die dort bewahrten Archivalien der Langsdorff-Expedition zu sichten, kritisch zu befragen, neu zu ordnen und zu kontextualisieren. Für die Auseinandersetzung mit dem Erbe der Expedition kuratiert sie Repliken des Archivbestandes und kommentiert sie mit eigenen künstlerischen Reaktionen. Der Dialog der historischen Materialien und der gegenwärtigen Bildwelten erlaubt einen neuen, zeitgenössischen, stellenweise unerwarteten und vor allem kritischen Blick auf eine kolonialistisch geprägte Wissenschaftsgeschichte. Die mit der künstlerischen Forschung entstehende Wechselwirkung von Kunst und Wissenschaft gibt die Möglichkeit, tradierte Sichtweisen zu erkennen, zu hinterfragen und aus der Gegenwart neu einzuordnen.