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25.04.2016 - Lahrer Delegation reist anlässlich des zehnjährigen Partnerschaftsjubiläums nach Costa Rica Städtepartnerschaft mit Alajuela erneuert

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Alajuela in Costa Rica hat eine Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller die Partnerstadt besucht. Vom 06. bis 12. April 2016 nahm die 34-köpfige Gruppe an den Feierlichkeiten und einem Programm in der Partnerstadt teil.

Die Delegation aus Gemeinderäten, Mitgliedern des Freundeskreises, interessierten Bürgern, Vertretern der Verwaltung und einem Medienvertreter wurde vor Ort von Mitgliedern des Freundeskreises in Alajuela, der Asociacion Ciudades Hermanas de Alajuela (ASOCHA) begrüßt. Gleich am ersten Abend fand ein feierlicher Festakt zum zehnjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft statt. Bürgermeister Roberto Thompson, Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller, der ehemalige Botschafter Costa Ricas in Deutschland, Rafael Angel Herra, als wichtiger Wegbereiter der Partnerschaft, die Vorsitzende des Freundeskreises Alajuela-Lahr, Marlies Llombart, und die Vorsitzende der ASOCHA, Shirley Petersen, zogen Bilanz der letzten zehn Jahre. Höhepunkte waren in dieser Zeit das Bildhauerforum 2001 als Keimzelle der Partnerschaft, das Benefizfußballspiel zwischen der Nationalmannschaft und einer deutschen Prominentenauswahl 2006 und der formelle Beschluss der Partnerschaft im gleichen Jahr, das Kunstevent Pura Vida 2011 sowie die kommunale Klimapartnerschaft ab 2012. Daneben ist eine Vielzahl sozialer Projekte und Initiativen, wie beispielsweise der Freiwilligendienst im Behindertenheim Manos Abiertas, die Unterstützung des Deutschunterrichts am Liceo de Poas, der Schüleraustausch und die Erdbebenhilfe 2009 ins Leben gerufen worden.
 

Oberbürgermeister Dr. Müller hob in seiner Rede die wichtige Rolle hervor, die der Freundeskreis für die Städtepartnerschaft spielt, dieser sei „ein Leuchtturm bürgerschaftlichen Engagements“. Der OB betonte außerdem die besondere völkerverbindende Bedeutung von Städtepartnerschaften und deren Wichtigkeit für den Frieden und die Sicherheit in der Welt. Er verband seine Rede mit dem Appell: "Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft blicken, lassen sie uns weiter an den Netzwerken knüpfen, von denen alle profitieren können, vor allem die Menschen in unseren Städten". Der OB überreichte als offizielles Geschenk der Stadt zwei Bildtafeln der Lahrer Künstlerin Renate Heninnger, die als Symbol für die Partnerschaft zwischen den beiden Ländern stehen. Beide Tafeln zeigen einen Schmetterling. Die eine den für Costa Rica typischen Blauen Morphofalter, die andere den Schwalbenschwanz. Dieser ist ein für Deutschland typischer Schmetterling und war 2006, im Gründungsjahr der Partnerschaft, Schmetterling des Jahres.

 

Dr. Müller würdigte in diesem Rahmen auch die Verdienste von Evangelina Aguiluz Castro, Shirley Pettersen, Fabio Molina und Rafael Angel Herra und überreichte eine Dankurkunde und jeweils einer kleineren Bildtafel ebenfalls von Renate Henninger, die beide Falter als Symbol der Partnerschaft zeigt. Bürgermeister Thompson überreichte eine kleine Skulptur der Bildhauer José Ulloa und Ricardo Sandoval. Diese stellt eine grüne Mango dar, in Anlehnung an den Ruf Alajuelas in Costa Rica als Stadt der Mangos. Außerdem bekam Oberbürgermeister Dr. Müller einen symbolischen Stadtschlüssel für Alajuela. Als Höhepunkt des Festakts bekundeten die Bürgermeister mit einer Urkunde ihren Willen zur Erneuerung der Partnerschaft, die sie weiterhin nach besten Kräften pflegen und fördern wollen.
 

In den nächsten Tagen standen verschiede Ausflüge auf dem Programm. So hatte die ASOCHA einen Ausflug zum Vulkan Poas und zum Parc de la Paz organisiert, in dessen Verlauf das Jugendorchester der Schule La Pradera die Reisegruppe mit einem Platzkonzert überraschte. Die Schule wurde 2009 im Zusammenhang mit den Schäden des schweren Erdbebens in der Region Alajuela durch die Stadt Lahr und den Freundeskreis finanziell unterstützt. Die Begegnung verband der Freundeskreis Alajuela-Lahr spontan mit einer Spendenübergabe in Höhe von 500 US-Dollar für die Arbeit an der Schule, die vielen sozial benachteiligten Kindern eine Chance bietet.

 

Ein Ausflug in die Region Altena, die als heißeste Costa Ricas gilt, vermittelte einen lebendigen Einblick in die Produktion zweier Haupterzeugnisse des Landes: Zuckerrohr und Kaffee. In der Kaffeegenossenschaft Beneficio el Diamante in Atenas, wurde die Lahrer Delegation vom Bürgermeister und vom Geschäftsführer der Genossenschaft sowie weiteren Mitgliedern empfangen. Die Kooperative erfüllt höchste Qualitätsansprüche in den Bereichen faire Produktion und biologischer Anbau und hat hierfür bereits mehrere Preise erhalten. Weiter fanden ein Ausflug in die Umgebung mit anschließender Stadtrundfahrt durch San José und ein Besuch des 3 422 Meter hohen Vulkan Monte Iraz statt. Auch an den Ursprung der Partnerschaft wurde die Reisegruppe zurückgeführt, bei einem Atelierbesuch des Malers, Bildhauers und Künstlers Edgar Zuniga Jimenez. Zu ihm bestehen seit den Anfängen der Freundschaft mit Alajuela Kontakte. In Costa Rica gehört er im Bereich Skulpturen im öffentlichen Raum zu den renommiertesten Künstlern. Seine Kunstwerke sind auf der ganzen Welt vertreten, auch in Lahr steht eine Skulptur von ihm. Zum zehnjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft überreichte der Künstler dem Freundeskreis ebenfalls eine Skulptur. Auch der Besuch bei der Fundacion Hogar Manos Abiertas stand auf dem Programm. Das Heim für Mehrfachbehinderte wird von einem Orden betrieben. Der Freundeskreis unterstützt das Heim seit vielen Jahren gemeinsam mit der evangelischen Landeskirche finanziell und beteiligt sich maßgeblich an der Organisation von Freiwilligendiensten. Überdies hat er die Einrichtung einer Solarthermieanlage ermöglicht, die zu einer enormen Energiekosteneinsparung beiträgt, wodurch die Versorgung der Heimbewohner, beispielsweise mit Warmwasser verbessert werden kann.

 

Eine besondere Ehre wurde der Lahrer Delegation am 11. April 2016 zuteil. An diesem Tag begeht Costa Rica einen Nationalfeiertag zu Ehren des Nationalhelden Juan Santamaria, der aus Alajuela stammte. Die Gruppe durfte beim Festakt auf der Ehrentribüne Platz nehmen. Der Festakt wird landesweit live im Fernsehen übertragen und der Staatspräsident und einige Kabinettsmitglieder nahmen teil.

 

Im Rahmen des offiziellen Besuchsprogramms stellten Mitarbeiter der Stadtverwaltung Alajuela und seitens der Stadt Lahr, Manfred Kaiser und Dr. Gereon Anders sowie der zweite Vorsitzende des Freundeskreises Alajuela-Lahr, Heinz-Dieter Ritzau als Übersetzer, im Ratssaal der Stadt Alajuela den Stand der Projekte im Rahmen der Klimapartnerschaft vor. Diese werden durch Bundesmittel finanziert und durch die Mitarbeiter der Stadt Lahr initiiert sowie organisatorisch und inhaltlich begleitet. Thematischer Schwerpunkt sind technische Verbesserungen bei Teilen der bestehenden Abwasserentsorgung und der Schutz der Trinkwasserversorgung durch Quellenschutz. Oberbürgermeister Dr. Müller zog in diesem Rahmen ein Resümee und hob hervor, dass die Unterstützung von konkreten Projekten ein sehr wichtiger Pfeiler sei. Die Partnerschaft zwischen Alajuela und Lahr sei ein Alleinstellungsmerkmal. Im Laufe der letzten zehn Jahre habe die Stadtverwaltung Lahr gemeinsam mit dem Freundeskreis einen großen Schatz an Wissen, Erfahrungen und Kontakten aufgebaut und ausgetauscht. Dies sei so wohl einmalig in Deutschland in einer Stadt von der Größe Lahrs. Die besondere Stellung der Stadt, dokumentiere sich beispielsweise in der Einrichtung des Honorarkonsulats in Lahr. Wer sich in Baden-Württemberg intensiver mit Costa Rica befassen will, kommt an Lahr nicht vorbei“, so der Oberbürgermeister.

 

Im Rahmen des Abschiedsessens am letzten Abend des offziellen Aufenthalts bekräftigten Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller und Laura Chaverri, Bürgermeisterstellvertreterin von Alajuela, nochmals das Bestreben, auch künftig alles für die Pflege der lebendigen Partnerschaft zu tun. Oberbürgermeister Dr. Müller sprach eine Einladung zum Gegenbesuch nach Lahr im Landesgartenschaujahr 2018 aus.

 

Nach der anschließenden einwöchigen privaten Rundreise durch den Nordosten Costa Ricas, bei der die Delegation weitere intensive Einblicke in Natur, Kultur, Bildungswesen, Ökologie und Tourismus Costa Ricas gewinnen konnte und  auch die Erholung am Pazifik nicht zu kurz kam, kehrte die Reisegruppe zurück nach San José. Als krönender Abschluss stand am letzten Abend ein Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in Costa Rica, Dr. Ingo Winkelmann, auf dem Programm. Dazu waren auch einige Vertreter aus Alajuela eingeladen.

 

Auch Botschafter Winkelmann und Oberbürgermeister Dr. Müller zogen ein überaus positives Fazit des Besuches der Lahrer Delegation und stellten besonders die Einmaligkeit des Charakters der Städtepartnerschaft zwischen Lahr und Alauela heraus.