08.06.2026 - Verwaltung schlägt vor, Neubau vorerst zurückzustellen – Gemeinderat berät
Stadt Lahr bewertet Projekt Breitmattenschule neu
Der Neubau der Breitmattenschule im Lahrer Osten soll in der bisherigen Konzeption vorerst zurückgestellt werden, so der Vorschlag der Stadtverwaltung Lahr, den sie dem Gemeinderat in der Sitzung am Montag, 22. Juni 2026, vorstellt.
Hintergrund sind deutlich veränderte Rahmenbedingungen seit der ursprünglichen Antragstellung im Jahr 2024. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Konzeption auf Grundlage verlässlicher Rahmenbedingungen neu bewertet werden. Die ungünstige Förderkulisse, die angespannte Haushaltslage der Stadt Lahr sowie bauliche und schulorganisatorischen Anforderungen führen dazu, dass die bisherige Projektkonzeption nicht mehr wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll umgesetzt werden kann. Parallel hierzu haben sich auch die Einschätzungen zur mittel- und langfristigen Entwicklung der Schul- und Betreuungsbedarfe verändert.
Problematisch ist aus Sicht der Verwaltung die aktuelle Förderkulisse: Die Förderbedingungen verlangen eine räumliche Trennung von Ganztags- und Pflichtbereich. Dadurch müssten mehrere eigenständige Gebäude errichtet werden, was schulorganisatorisch, planerisch und wirtschaftlich als wenig sinnvoll bewertet wird. Zudem wäre die geplante Turnhalle nicht förderfähig. Darüber hinaus bestehen aufgrund der engen zeitlichen Vorgaben des Förderprogramms erhebliche Risiken für eine fristgerechte Umsetzung.
Ursprünglich war die Verwaltung auf Grundlage der damaligen Datenlage im Sozialreport von einem Bedarf für eine drei- bis dreieinhalbzügige Grundschule im Lahrer Osten ausgegangen. Der Klärungsprozess zum künftigen Bedarf konnte jedoch erst im Frühjahr 2026 abgeschlossen werden. Danach hat das Regierungspräsidium Freiburg die langfristige Entwicklung mit einer zweizügigen Schule im Pflichtbereich im Lahrer Osten beurteilt und somit eine längerfristige Stagnation der dortigen Schülerzahlen bestätigt. Gleichzeitig zeigen aktuelle Bedarfsanalysen, dass mit Einführung des Rechtsanspruchs auf Betreuung die bestehenden Betreuungsangebote in der Oststadt den künftig erwarteten Bedarf abdecken können.
Auch die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich erheblich verändert. Die bisher vorgesehene Gesamtplanung mit Ganztagsbereich, Pflichtschulbereich und Turnhalle würde Investitionskosten von rund 21 Millionen Euro verursachen. Trotz möglicher Fördermittel in Höhe von etwa 8,2 Millionen Euro verbliebe eine Belastung von rund 13 Millionen Euro für den städtischen Haushalt. Hinzu kämen weitere Folgekosten durch den Betrieb. Dabei sind die Kosten des Umbaus der jetzigen Kuhbacher Grundschule zur Kita noch gar nicht berücksichtigt.
Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat daher vor, das Projekt in der bisherigen Form zurückzustellen und die weitere Entwicklung der Schul- und Betreuungsbedarfe sowie der Förder- und Finanzierungsbedingungen fortlaufend zu beobachten. Ziel bleibt es, mittelfristig auf Grundlage verlässlicher Rahmenbedingungen eine wirtschaftlich tragfähige und zukunftsorientierte Lösung für den Bildungsstandort im Lahrer Osten zu entwickeln.
Die abschließende Beratung und Beschlussfassung durch den Gemeinderat ist für Montag, 22. Juni 2026, vorgesehen. In dieser Sitzung wird die Stadt auch den Beschlussvorschlag vorlegen, den erforderlichen baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung in der Grundschule an der Johann-Peter-Hebel Schule und der Eichrodtschule zuzustimmen. Mit der Einrichtung von weiteren Ganztagsschulen – neben der Schutterlindenbergschule, die bereits eine Ganztagsschule ist – an diesen beiden Standorten realisiert die Stadt Lahr den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der in Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2026/2027 stufenweise umgesetzt wird.
Johann-Peter-Hebel-Schule
Um dem prognostizierten Bedarf von etwa 210 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2028/2029 gerecht zu werden, plant die Stadt Lahr einen Neubau für die Ganztagsbetreuung auf dem Grundstück der bestehenden Johann-Peter-Hebel-Schule. Die aktuelle Kostenprognose, Stand Januar 2026, liegt bei rund 6,56 Millionen Euro. Für das Projekt wurde eine Förderung aus dem Investitionsprogramm Ganztagsausbau (GaFöG) in Höhe von 3,824 Millionen Euro bewilligt. Der Förderanteil beträgt damit rund 58 Prozent der förderfähigen Kosten.
Eichrodtschule
Auch an der Eichrodtschule möchte die Stadt Lahr die baulichen und organisatorischen Voraussetzungen zur Umsetzung des gesetzlichen Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung schaffen. Geplant sind der Umbau und die Instandsetzung freier Flächen im Gebäude Lotzbeckstraße 20, die durch die schrittweise Schließung des Horts sowie die Verlagerung des Pinocchio-Schulkindergartens frei werden. Der Schulkindergarten soll an einen anderen Standort verlegt werden; hierfür werden derzeit verschiedene Optionen geprüft, darunter die Schutterflöhe sowie der Altbau der Theodor-Heuss-Schule. Zudem wird der bisherige Hortbetrieb in eine ergänzende kommunale, betriebserlaubnisfreie Schulkindbetreuung in Trägerschaft der Caritas im Rahmen des Ganztagskonzepts überführt.
Die aktuelle Nettobelastung unter Berücksichtigung möglicher Förderungen liegt geschätzt bei rund 1,4 Millionen. Euro. Ergänzend stehen Mittel aus dem Startchancen-Programm des Landes Baden-Württemberg in Höhe von rund 660.000 Euro für zusätzliche Qualitätsverbesserungen im Lernumfeld des Gebäudes der Eichrodtschule zur Verfügung. Gefördert werden hier 70 Prozent der Aufwendungen für Instandsetzung und Ausstattung.