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20.07.2018 - Studenten der Hochschule Offenburg entwickeln Konzept für eine klima- und umweltfreundliche Paketlieferung in Lahr Pakete zustellen, nicht Straßen

17 Gengenbacher BWL-Studierende beim Ortstermin in der Lahrer Marktstraße, in der letzten Reihe Professor Ingo Dittrich und Paul Robazcek, Operations Manager von Zalando Lahr, einer der beratenden Unternehmenspartner.
Ortstermin in der Marktstraße in Lahr
Quelle: Stadt Lahr
Die Zahl von LKW und Lieferwagen auf den Straßen nimmt zu. Immer mehr Waren müssen transportiert werden. Das beeinflusst die Verkehrsflüsse und die Lebensqualität, auch in Lahr. „Pakete zustellen, nicht Straßen“, lautet daher auch das Motto einer Handlungsempfehlung, die für die Stadt Lahr als Semesterarbeit von Studierenden der Hochschule Offenburg erstellt wurde.

„Kaum ein Wirtschaftsbereich wächst so rasant, wie die Kurier- und Expressdienste“, weiß Prof. Dr. Ingo Dittrich, Studiengangleiter Betriebswirtschaft / Logistik und Handel an der Hochschule Offenburg. Mehr als 3,1 Milliarden Sendungen wurden laut Dittrich im Jahr 2016 ausgeliefert. Waren es 2010 noch 23 Sendungen pro Haushalt, steigerte sich die Anzahl von Paketen und Päckchen auf durchschnittlich 41 pro Adresse und Jahr. Hinter diesen Zahlen stehe der kometenhafte Aufstieg des Online-Handels; ein Ende sei nicht in Sicht.

 

Im Auftrag der Stabsstelle Umwelt der Stadt Lahr haben nun drei Arbeitsgruppen von Betriebswirtschafts-Absolventen unter Dittrichs Leitung kreative Lösungen für die „grüne letzte Meile“ in Lahr entwickelt. Die Paketauslieferung mit Lastenrädern gibt es bereits in einigen Großstädten. Aufgabe der Studentinnen und Studenten war es zu untersuchen, wie sich das Konzept auf Lahr als mittelgroße Stadt anwenden lässt. Dank der Zusammenarbeit mit DHL und UPS durften die Studierenden auf interne Daten der beiden Unternehmen zurückgreifen, die zusammen etwa die Hälfte des Marktes abdecken. Beide liefern täglich mehr als 3 000 Pakete nach Lahr aus, allein 1 100 davon in die Innenstadt.

 

Das Ergebnis: Das Projekt sollte im Innenstadtbereich beginnen, empfehlen die Studierenden. Dort müssten sogenannte „Mikro-Depots“ eingerichtet werden, also Umladestationen von Lastwagen auf elektrisch unterstützte Lastenräder oder Elektro-Kleintransporter. Mit ihnen erfolgt die Zustellung schneller, leiser, mit 75 Prozent weniger Treibhausgasausstoß und ohne Behinderung des Auto- und Fußgängerverkehrs. Im laufenden Betrieb könnte das System geringfügig mehr kosten, weil mehr Personal beschäftigt ist. Sinken würden dafür die Kosten für Treibstoff und das Warten der Fahrer in Verkehrsstaus, so die angehenden Betriebswirte und -wirtinnen. Für die Umsetzung eines solchen Plans sprechen die Steigerung der Lebensqualität und der Gewinn für das Umweltimage der Stadt.

 

Zufrieden zeigt sich der Lahrer Klimaschutzmanager Dr. Michael Dutschke: „Jetzt haben wir sowohl die Partner, als auch belastbare Planungsdaten für ein mögliches Pilotprojekt“. Der politische Meinungsbildungsprozess über eine grüne Logistik für Lahr könne daran anknüpfen.