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31.03.2016 - Nachträgliche Informationen zur Veranstaltung mit Deutschen aus Russland in der Walter-Kolb-Halle am 30. März 2016

An vielen Beispielen, Daten und Fakten, lässt sich die gelungene Integration der Deutschen aus Russland in unsere Stadt belegen:

Als die Spätaussiedler/innen in großer Zahl Mitte der 1990er Jahre nach Lahr zugezogen sind, waren sie anfänglich auf die Hilfestellung der Menschen in Lahr und auf die Unterstützung des Staats angewiesen. Viele Russlanddeutsche bezogen damals Sozialhilfe und waren damit in der Sozialhilfestatistik und in der Arbeitslosenstatistik weit überproportional vertreten. Schon innerhalb von fünf bis sieben Jahren waren die Meisten der russlanddeutschen Menschen gut in den Arbeitsmarkt integriert und nicht mehr auf unterstützende Zahlungen des Staats angewiesen. Ihr Anteil in der Sozialhilfe- und Arbeitslosenstatistik entsprach anteilsmäßig dem der einheimischen Bevölkerung.

Dass die Russlanddeutschen gut integriert sind, zeigt die Erwerbstätigenquote, die bei den Aussiedlern bundesweit bei etwa 60 Prozent liegt. Bei den erwerbstätigen Aussiedlern, die im früheren Staatsgebiet von Kasachstan lebten, liegt die Erwerbsquote sogar bei 66,6 Prozent. Im Vergleich liegt die Erwerbstätigenquote in Deutschland bei der Gesamtbevölkerung bei etwa 65 Prozent.
37 Prozent der Aussiedler arbeiten im produzierenden Gewerbe und 63 Prozent im Bereich Handel- und Dienstleistungsgewerbe. Die Zahlen zeigen, dass die Aussiedler hier bestens integriert sind.

Auch die Zahlen in der Lahrer Wirtschaft zeigen dies deutlich: Beim größten Industrie-Arbeitgeber INA, Schäffler KG arbeiten momentan 278 Aussiedler bei einer Gesamtbelegschaft von etwa 1200 Personen, dies entspricht 23 Prozent der Beschäftigten. Von 1992 bis heute hat die INA 170 junge Aussiedler ausgebildet.

Die Firma Grohe benennt einen Aussiedleranteil von etwa 19 Prozent an der Gesamtbelegschaft.

Das Ortenau-Klinikum kann keine genauen Daten benennen, stellt jedoch fest, dass ein nicht unerheblicher Teil von Russlanddeutschen engagierte und motivierte Arbeitskräfte sind.

Bei der Stadtverwaltung Lahr sind etwa zehn Prozent der Beschäftigten Deutsche aus Russland. Sie arbeiten in allen Bereichen der Stadtverwaltung und auch in den Eigenbetrieben der Stadt Lahr.

Seit vielen Jahren gründen Russlanddeutsche auch Unternehmen in Lahr und in der Region. Jährlich gibt es etwa 15 bis 20 Unternehmensneugründungen. Für die Jahre 2013, 2014 und 2015 gibt es 50 bis 60 Unternehmensgründungen von Russlanddeutschen in Lahr.

Schulen:
Kinder aus russlanddeutschen Familien besuchen alle Schularten in Lahr. Ihr Anteil an den allgemeinbildenden Gymnasien und beruflichen Gymnasien ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Viele machen das Abitur.

Vereine:
Beim Sportclub Lahr haben etwa 50 Prozent der aktiven Sportler Migrationshintergrund. Ein hoher Anteil sind russlanddeutsche junge Menschen. Beim FV Dinglingen sind es etwa 70 Prozent und beim Fußballverein in Langenwinkel etwa 90 Prozent. Etwa 2/3 der aktiven Ringer in Lahr sind aus russlanddeutschen Familien.

Auch im Turnverein Lahr sind viele junge Menschen, vor allem junge Frauen und Kinder in den tänzerischen und turnerischen Abteilungen anzutreffen. Dies gilt auch für die Bereiche Basketball, Volleyball und Tischtennis. Neben Russlanddeutschen sind auch viele andere Jugendliche mit Migrationshintergrund im Verein aktiv.

Besonders erfreulich ist, dass es im TV Lahr zehn Übungsleiterinnen, Trainerinnen und junge Sportassistenten gibt, die aus russlanddeutschen Familien kommen.

Anteil der Russlanddeutschen nach Abteilungen: Tanz dich fit (junge Frauen) 75 Prozent, Rhythmische Sportgymnastik 60 Prozent, Ballschule 50 Prozent, PowerMix (Mädchen) 45 Prozent, Dance 40 Prozent, Mädchenturnen 35 Prozent, Miniturnen (Vorschulkinder) 30 Prozent, Hobby-Basketball 30 Prozent, Jugendturnerinnen 30 Prozent, Volleyball 25 Prozent, Kunstturnen, männlich und weiblich 22 Prozent, Aerobic 20 Prozent, Ballett 20 Prozent, Jazz und Hiphop 20 Prozent, Trampolin 17 Prozent, Tischtennis 13 Prozent, Handball männlich und weiblich zwölf Prozent, tänzerische Bewegungserziehung zehn Prozent, Bodystyling zehn Prozent, Rückenfit acht Prozent, Leichtathletik fünf Prozent.

Festzustellen ist auch, dass der Anteil der älteren Generation in allen Vereinen weit unterdurchschnittlich bis nahezu 0 ist.

Wohnungsbau:
Eine hohe Anzahl von russlanddeutschen Familien hat zwischenzeitlich Häuser gebaut oder Eigentumswohnungen erworben. Dies gilt nicht nur für die Stadt Lahr, sondern auch für die Umlandgemeinden.

Sozialer Bereich:
Zunehmend engagieren sich viele Spätaussiedler/innen im Bereich bürgerschaftliches Engagement. Dies gilt für die Projekte: Fam-Tische, Familien im Gespräch, Lahrer Integrationstandem, Dolmetscherpool, Interkultureller Kreis, Fest der Kulturen, Interkulturelle Tage in Lahr, Internationalen Suppenfest und das Projekt Vielstimmig.

Auch die Landsmannschaften der Deutschen aus Russland und der Verein Bürger aktiv Lahr zeigen ein herausragendes Engagement im Bereich der Integration, insbesondere im Bereich der gesellschaftlichen und kulturellen Integration.

Politik:
Von 21 Jugendlichen im Jugendgemeinderat der Stadt Lahr haben derzeit 19 Jugendliche Migrationshintergrund. Ein Zeichen dafür, dass junge Menschen sich aktiv an der Gestaltung und am Willensbildungsprozess in der Stadt beteiligen. Auf allen Listen der im Gemeinderat vertretenen Parteien haben in den vergangenen Jahren Deutsche aus Russland kandidiert. Derzeit gibt es vier Ortschaftsräte/innen mit russlanddeutschem Hintergrund.

Im Interkulturellen Beirat der Stadt Lahr sind acht sachkundige Einwohner/innen Russlanddeutsche.

Zwei Chrysanthemen-Königinnen hatten russlanddeutschen Hintergrund.

Mit Nina Beck erhält eine Deutsche aus Russland die Verdienstmedaille.

Die oben genannten Zahlen und Fakten zeigen, dass innerhalb von 20 Jahren, die Russlanddeutschen zu Lahrer und Lahrerinnen geworden sind, zu einem wertvollen Bestandteil unserer Stadt.