11.02.2026 - Oberbürgermeister Markus Ibert überbringt beim Besuch in der Ukraine eine Förderzusage für weitere Hilfsgüter
Lahrer Delegation bekräftigt Solidarität mit Kalusch
Andrii Naida und Markus Ibert (von links) legen Blumen auf dem Friedhof von Kalusch nieder.
Quelle: Jonas Köhler
Auf Einladung von Bürgermeister Andrii Naida hat eine Lahrer Delegation um Oberbürgermeister Markus Ibert die ukrainische Stadt Kalusch besucht und damit die 2024 geschlossene Solidarpartnerschaft beider Städte weiter gestärkt.
Die Lahrer Delegation reiste am Samstag, 7. Februar 2026, mit dem Zug an und wurde am darauffolgenden Tag im Rathaus von Kalusch mit Brot und Salz offiziell empfangen. Bei einem Arbeitstreffen mit Andrii Naida und Mitgliedern der Stadtregierung wurde eine Zuwendung der Stadt Lahr für humanitäre Hilfe übergeben. Markus Ibert konnte bei dieser Gelegenheit eine erfreuliche Nachricht für die Stadt Kalusch überbringen: Die Stadt Lahr hat bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit erneut eine Förderzusage erhalten und kann sich nun mit Kalusch abstimmen, welche Hilfsgüter beschafft werden sollen.
Anschließend legten die Gäste aus Lahr Blumen auf dem stetig größer werdenden Friedhof nieder und liefen die „Allee der Hoffnung“ sowie die „Allee der Helden“ entlang, wo den derzeit 180 vermissten beziehungsweise den bislang 280 gefallenen Soldatinnen und Soldaten aus Kalusch gedacht wird. Danach besuchten sie die städtische Poliklinik – unter anderem dort sind Solarmodule und Batteriespeicher, die Lahr Ende 2024 für Kalusch organisiert hat, im Einsatz.
Ein Empfang mit anschließendem Konzert im Konzerthaus musste wegen der kurzfristig ausgerufenen „Three days of honour“ entfallen: Kurz vor dem Besuch der Lahrer Delegation war ein weiterer Soldat aus Kalusch gefallen und zwei vermisste Soldaten aus Kalusch waren für tot erklärt worden. Anstelle des Konzerts wurde der Film „Mariupol“ gemeinsam angeschaut. Eine große Beklemmung herrschte unter den Teilnehmenden, schildert dieser Film doch dokumentarisch die schlimmsten Situationen gerade zu Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges in der schwer umkämpften Stadt Mariupol.
Der zweite Tag in Kalusch startete mit dem Besuch des Zentralkrankenhauses, das in der Ukraine für die Krankenversorgung und Rehabilitation verwundeter Soldatinnen und Soldaten eine wichtige Rolle spielt. Außerdem besichtigte die Delegation die Stadt Jaremtsche, gelegen knapp 100 Kilometer südlich von Kalusch in der Karpatenregion – ein touristischer Glanzpunkt in der Ukraine. Immer wieder begegnete der Delegation der Gegensatz zwischen dem Kriegszustand und den damit einhergehenden Einschränkungen sowie dem unbedingten Willen, auch unter solchen Umständen ein halbwegs erträgliches Leben zu leben.
An ihrem letzten Tag in Kalusch besuchte die Delegation eine Unterkunft für Binnenflüchtlinge, in der aktuell rund 40 Menschen aus Landesteilen im Norden und Osten der Ukraine untergebracht sind, ein Geriatrie- und ein Therapiezentrum, einen Veteranenverband sowie Kaluschs größte Schule und eine Kita – in beiden pädagogischen Einrichtungen sind ebenfalls ein Teil der 2024 beschafften Lahrer Hilfsgüter im Einsatz. In der Unterkunft für Binnenflüchtlinge kam es unter anderem zu einem Gespräch mit einem ukrainischen Soldaten, der in russischer Gefangenschaft einen Arm verloren hatte. Insgesamt leben derzeit etwa 5000 ukrainische Binnenflüchtlinge in Kalusch.
Neben der Besichtigung der griechisch-orthodoxen Kirche traf sich die Delegation außerdem mit Mitgliedern des Vereins der Ukrainerinnen „Soyuz Ukrainuk“ und der Nichtregierungsorganisation „Pure Hearts“, die zu den festen Partnern von Gemeinsam Europa e.V. zählt und die Verteilung der Hilfsgüter, die der Lahrer Verein nach Kalusch liefert, zu einem großen Teil organisiert. Am Abend des dritten Besuchstags brach die Delegation zur Rückreise auf. Sie kehrt am Mittwochabend, 11. Februar 2026, tief beeindruckt von dem Erlebten nach Lahr zurück.
„Unsere Solidarität und Hilfe ist aktuell – auch angesichts der in großen Teilen zerstörten Energieinfrastruktur – wohl wichtiger denn je“, bilanziert Oberbürgermeister Markus Ibert. „Es ist beeindruckend und zugleich sehr bedrückend, unter welchen widrigsten Bedingungen die Menschen für Frieden und Freiheit in der Ukraine ihr Leben riskieren und sich über das gesamte Land hinweg gegenseitig helfen. Dafür können wir gar nicht genug dankbar sein.“
„Wir sind äußerst dankbar für die Solidarpartnerschaft mit Lahr“, betont Bürgermeister Andri Naida. „Die Freundschaft zwischen unseren Städten wächst weiter, und wir haben großen Respekt vor dem Engagement der Lahrer Delegation, die sich auch in diesen schwierigen Zeiten auf den Weg gemacht hat, um uns in Kalusch zu besuchen.“
Seit 2014, dem Jahr der Besetzung der Krim, sind in Kalusch 280 Bürgerinnen und Bürger aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine ums Leben gekommen. Weitere 180 werden vermisst. Aktuell befinden sich circa 3400 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt im Fronteinsatz.
Statements der Delegationsteilnehmenden
Empfang der Lahrer Delegation im Rathaus von Kalusch
Quelle: Jonas Köhler
„Trotz Krieg, Flucht, Stromausfällen und enormer Belastung funktioniert die Verwaltung in Kalusch – modern, digital und erstaunlich effizient. Das ist eine bewundernswerte Leistung.“
Klaus Dorner, Kommunale Freie Wähler Lahr
„Die Reise nach Kalusch war beeindruckend, aber auch bedrückend. Der Krieg war allgewärtig und immer spürbar. Unser Besuch hat eines deutlich gemacht: dass die Ukrainerinnen und Ukrainer auch Europa verteidigen und unsere Unterstützung, auch in unserem eigenen Interesse, zwingend und unerlässlich ist. Die Partnerschaft der Stadt Lahr mit Kalusch ist deshalb auf einem guten und richtigen Weg und sollte weiter ausgebaut werden.“
Roland Hirsch, SPD
„Was ich in Kalusch gesehen habe, können wir uns hier in Lahr kaum vorstellen. Es ist kein lokales Problem, sondern ein Angriff auf unsere europäischen Werte – und auf Menschen, die dringend unsere Solidarität brauchen.“
Frank Himmelsbach, Bündnis 90/Die Grünen
„Die Reise nach Kalusch war für mich so beeindruckend, dass ich nach besten Kräften die Solidarität mit der Ukraine unterstützen werde. Es ist berührend zu erleben, wie die Bevölkerung ihr Land verteidigt.“
Joachim Volk, FDP
„Jeder Besuch in Kalusch bestätigt mir die Notwendigkeit unserer Hilfe. Der Bedarf an Unterstützung sowohl durch Hilfsgüter als auch durch unsere Solidarität nimmt nicht ab, im Gegenteil!“
Gabriele Rauch, Gemeinsam Europa e.V.
„Mit eigenen Augen zu sehen, wie die Menschen in Kalusch leben und mit den Folgen des Kriegs zu kämpfen haben, war ein tiefgreifendes und berührendes Erlebnis. Freundschaft und Gastlichkeit und Humor standen im Mittelpunkt – und der Mut der Menschen ist beeindruckend.“
Ulrike Derndinger, Badische Zeitung
„Die Reise nach Kalusch war eine lebensverändernde Erfahrung. Ich habe mich in die Ukraine verliebt und will wiederkommen – vor allem, wenn endlich Frieden herrscht.“
Jonas Köhler, Lahrer Zeitung
„Die Eindrücke sind schwer in Worte zu fassen. Der Krieg ist leider Alltag in Kalusch und nur 25 Stunden Zugfahrt von Lahr entfernt. Der Kampf der Ukraine ist auch ein europäischer Kampf.“
Stefan Breitner, Stadtverwaltung Lahr