Die Stadt Lahr ist in Sachen Klimaschutz weiterhin auf dem Vormarsch. Das klar definierte Ziel ist, neue und anspruchsvolle Standards zu setzen und gegenüber anderen Kommunen und auch der Lahrer Bevölkerung die Vorreiter- und Vorbildrolle einzunehmen. Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause ein ganzes Paket an Maßnahmen verabschiedet, die bis ins Jahr 2022 umgesetzt werden sollen.
Bereits 2012 war ein Aktionsplan ausgearbeitet und auf zehn Jahre ausgelegt worden. Rund zwei Drittel der bisher geplanten Energie- und Klima-Projekte sind bereits umgesetzt. In einigen Punkten ist der Plan jedoch überholt. Deshalb wurde jetzt ein neues Arbeitsprogramm für die nächsten fünf Jahre ausgearbeitet.
Das aktuelle Arbeitsprogramm berücksichtigt die vom Gemeinderat beschlossenen Ziele des European Energy Award, des Lahrer Klimaschutzkonzeptes 2012 mit dem Energie- und Klimapolitischen Leitbild der Stadt Lahr, die Ziele des Klimaschutzpaktes des Landes Baden-Württemberg mit den Kommunen und der Resolution des Deutschen Städtetags/Stadt Lahr: 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung.
So soll ab jetzt bei allen größeren Bauprojekten routinemäßig geprüft werden, ob eine neue Nahwärmeinsel aufgebaut oder der Anschluss an ein bestehendes Wärmenetz genutzt werden können und somit das vorhandene klimafreundlich Fern- und Nahwärmenetz optimal genutzt werden kann.
Beim Neubau von kommunalen Gebäuden soll in Zukunft darauf geachtet werden, dass beim Energieeinsatz der Anteil regenerativer Energie 30 Prozent über den gesetzlichen Anforderungen liegt. Bei umfassenden Sanierungen von kommunalen Gebäuden soll beim Energieeinsatz der Anteil regenerativer Energien an der Wärmeversorgung mindestens 30 Prozent betragen. Als Entscheidungshilfe wird der Gemeinderat jeweils eine Standard- als auch eine Klima-Variante mit Kostenbetrachtung an die Hand bekommen. Bei der Sanierung von Heizungen in öffentlichen Gebäuden soll vorrangig ein Anschluss an ein Fern- und Nahwärmenetz angestrebt werden. Eine Vorreiterrolle will die Stadt auch in Bezug auf die Einhaltung des EU-Niedrigstenergie-Standards bei der Neuplanung von kommunalen Gebäuden übernehmen, was erst in ein paar Jahren gesetzlich verpflichtend wird. Lahr möchte dies schon jetzt umsetzen, weil damit die Energie-Verbrauchskosten für die Zukunft verringert werden können.
Was für die öffentlichen Gebäude gilt, soll auch für die privat genutzten reizvoll werden. Um die Sanierungsquote und die Sanierungsqualität zu erhöhen soll für die Bürgerschaft von Lahr ein zielgerichtetes Sanierungs-Förderprogramm entwickelt werden. Dabei soll möglichst das gesamte energetisch zu sanierende Gebäude betrachtet werden. Darüber hinaus soll die Energie- und Bauberatung optimiert werden. Das Solardachkataster zeigt heute schon, welche Dächer sich besonders für den Einsatz einer Photovoltaikanlage eignen. Für Hauseigentümer, die sich in dem Punkt noch nicht sicher sind, soll es eine Informationskampagne geben.
Die lokale Wirtschaft soll weiterhin mit den Projekten „Vernetzte Industrieparks“ und „Regionale Kompetenzstellen Netzwerk Energieeffizienz (KEFF)“ unterstützt werden.
Vorbild will die Stadt auch im Abbau von CO2 Emissionen sein. Deshalb soll der Fuhrpark für innerstädtische Fahrten bei Neuanschaffungen sukzessive auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden, wobei diese mit dem qualifizierten Ökostrom der Stadtverwaltung aufgeladen werden können. Privatbesitzer eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs sollen bald bis ins Jahr 2025 für bis zu drei Stunden kostenlos auf gebührenpflichtigen Stellplätzen parken können. Die Stadtverwaltung gibt generell bei Dienstreisen dem ÖPNV und der Bahn Vorrang. Sollte aber ein Flug unausweichlich sein, soll dafür ein Klimaausgleich stattfinden.
Weiterhin sind kleinere, aber nicht weniger wichtige Maßnahmen vom Gemeinderat in Auftrag gegeben worden. So soll die Stadt nicht nur wie bisher schon im Büro, sondern auch für Broschüren und Flyer Recyclingpapier aus einhundert Prozent Altpapier nutzen und bei gemeindeeigenen Einrichtungen, die Verpflegung anbieten, soll zukünftig mindestens eine Komponente, wie beispielsweise Fisch, Fleisch oder Gemüse in Bioqualität und eine Fairtrade-Komponente wie Kakao, Tee oder Gewürze angeboten werden.
Die Privathaushalte verbrauchen rund ein Viertel des Lahrer Stromverbrauchs, wobei die ständig laufenden Kühlgeräte zu den größten Stromfressern gehören. Werden ältere Geräte gegen neue, energieeffiziente ausgetauscht, kann der Stromverbrauch und damit auch die Emission von Treibhausgasen gesenkt werden. Damit sich auch einkommensschwache Haushalte ein neues Gerät zulegen können, werden in einem ersten Schritt Inhaber eines Lahr-Passes, bei denen die Neue Arbeit Lahr (NAL) durch einen Stromsparcheck die Notwendigkeit für einen Austausch ermittelt haben, auf Antrag zusätzlich zur Förderung durch die nationale Klimaschutzinitiative einen Zuschuss von bis zu 270 Euro bekommen, sofern das Gerät bei einem Lahrer Händler gekauft wird, der ohne zusätzliche Kosten den Transport und die ordnungsgemäße Entsorgung des Altgerätes übernimmt.
Aufgrund der bisherigen guten Ergebnisse soll das Fifty-Fifty-Projekt ab 2019 auf alle 18 kommunalen Schulen und ab 2021 auf Kindergärten und Horte ausgedehnt werden.
Die Umsetzung des Arbeitsprogramms muss personell betreut werden. Deshalb soll die befristete Stelle des Klimamanagers, die bisher vom Bund mit 65 Prozent bezuschusst wurde und in diesem Jahr ausläuft, weiter besetzt werden. Folglich soll beim Bund eine zweijährige Anschlussförderung mit einem Zuschuss von bis zu 40 Prozent der Personalkosten beantragt werden.
Lag die Priorität bisher vor allem auf Maßnahmen zum Klimaschutz (Verminderung des Ausstoßes klimarelevanter Treibhausgase), so wendet sich die Stadt verstärkt der Klimaanpassung zu (Abmilderung der Folgen des Klimawandels). Um einen Überblick über die Folgen und deren Auswirkungen zu erhalten und um die richtigen Maßnahmen zur Anpassung auszuwählen und umzusetzen, soll ein Klimaanpassungskonzept für das Gebiet der Stadt Lahr erstellt werden. Zum Arbeitsprogramm gehört die Ausarbeitung eines Konzepts zu den lokalen Auswirkungen des Klimawandels und der notwendigen Anpassungen. Das Handlungskonzept soll sich an den Anpassungskonzepten von Bund und Land orientieren und gleichzeitig einen Fachbeitrag für den neu zu erstellenden Flächennutzungsplan liefern.
Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller erklärt: „Die Stadt Lahr ist vor 25 Jahren dem Klimabündnis beigetreten. Die Ziele des Netzwerkes zum Schutze des Weltklimas haben wir seitdem mit großer Unterstützung des Gemeinderats verfolgt. In den Handlungsfeldern Strom, Wärme und Verkehr konnten wir viele sinnvolle Maßnahmen zur Energieeinsparung, der Steigerung der Energieeffizienz und der Erzeugung und dem Einsatz von Erneuerbaren Energien umsetzen. Maßnahmen die erfreulicherweise auch oft die Ökologie mit der Ökonomie verbinden konnten. Mit dem Energie und Klima - Arbeitsprogramm 2018-2022 haben wir eine fundierte Arbeitsgrundlage für die Stadtverwaltung mit der wir unsere energie- und klimapolitischen Ziele erreichen können. Ich freue mich, dass immer mehr Bürger, Haushalte und Betriebe – wie auch die Energieversorger E-Werk Mittelbaden und badenova – uns auf dem erfolgreichen Weg folgen oder uns unterstützen. Zum Schutze des Klimas, für mehr regionale Wertschöpfung und zur nachhaltigen Sicherung unserer Lebensqualität.“