05.01.2017 - Bürgerinformation am Mittwoch, 11. Januar 2017
Entwurf für neues Einzelhandelskonzept vorgestellt
Bürgermeister Tilman Petters, Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller, die Leiterin des Stadtplanungsamts Stadtbaudirektorin Sabine Fink und ihr Stellvertreter Stefan Löhr (von links) bei der Präsentation des Entwurfs für das neue Einzelhandelskonzept mit Pressevertretern.
Die Frage einer Steuerung der räumlichen Einzelhandelsentwicklung im Zusammenhang mit dem Schutz der Innenstadt, der wohnortnahen Lebensmittelversorgung und der Schaffung von Investitionssicherheit beschäftigt die Stadt Lahr seit gut zwei Jahrzehnten in intensiverem Maß. Unter anderem zur Beurteilung der beiden konkurrierenden Standorte Flugplatz und Stadtbahnhof zur Ansiedlung eines SB-Warenhauses erstellte die GMA 1997 ein erstes Einzelhandelskonzept für den Gesamtstandort Lahr. Dieses wurde 2008 aktualisiert beziehungsweise fortgeschrieben. Daneben gibt es verschiedene Fachgutachten als Einzelbeurteilungen für spezielle Ansiedlungsvorhaben.
Diese Gutachten haben einen eindeutigen ökonomischen handelsbezogenen Schwerpunkt. Sonstige stadtplanerische Fragen wie die Verteilung von Funktionen, Verkehrsabwicklung, Erreichbarkeit, Gestaltung, Identitätsstärkung und so weiter spielen eine allenfalls untergeordnete Rolle. Das übernimmt teilweise der 2003 durch das Büro Pesch und Partner erstellte Rahmenplan Innenstadt.
Karte Empfehlungen zur Nahversorgung
Bei der Gemeinderatsklausur am 10./11. Juli 2015 stellten das Stadtplanungsamt und die Abteilung Ratsangelegenheiten, Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing die aktuelle Situation sowie konkrete Problem- beziehungsweise Aufgabenstellungen in den Bereichen Einzelhandel, Nahversorgung, Innenstadtentwicklung und Stadtmarketing ausführlich dar. Die anschließende Diskussion ergab, dass sich die Stadt konzeptionell neu aufstellen muss und ein neues, integriertes Einzelhandelskonzept in Auftrag geben wird.
Auf dieser Grundlage hatte die Stadtverwaltung Rahmenanforderungen an das zu beauftragende Büro formuliert. Drei renommierte Büros aus Baden-Württemberg wurden daraufhin gebeten, innerhalb dieses Rahmens Honorarangebote mit individuellen Vorschlägen zu einer integrierten Einzelhandelskonzeption zu erarbeiten, die drei Hauptbestandteile enthält:
- Eine Nahversorgungskonzeption für den Lebensmittel-Einzelhandel, auch vor dem Hintergrund, dass hier mehrere konkrete Anfragen beziehungsweise Anträge zu Neuansiedlungen und Erweiterungen vorliegen, die zu bewerten und zu entscheiden sind.
- Das eigentliche Einzelhandelskonzept, welches auch Aussagen zur Stadtentwicklung enthält. Es sollte neben einer Analyse der Bestandssituation konkrete Empfehlungen zu Standorten, Flächen sowie Sortimenten enthalten und Umsetzungsstrategien benennen.
- Darauf aufbauend ist 2017 ein stadtmarketingorientiertes Handlungskonzept Innenstadt zu erarbeiten.
Nach einer Ausschreibung unter mehreren Fachbüros erhielt Anfang 2016 Dr. Donato Acocella Stadt- und Regionalentwicklung aus Lörrach den Zuschlag für die beiden ersten Konzeptteile. Das Handlungskonzept Innenstadt wird das Büro Imakomm AKADEMIE aus Aalen erstellen.
In einem intensiven Arbeitsprozess und unter Mitwirkung von Werbegemeinschaft, Handelsverband, IHK, Regionalverband, Gemeinderat und Stadtverwaltung entstand der nun vorliegende Entwurf zum Einzelhandelskonzept.
Karte ZVB Innenstadt Nutzungszonen
Stark zusammengefasst lassen sich daraus folgende zentrale Aussagen und Empfehlungen nennen:
- Einen wichtigen Teil der Lahrer Einzelhandelsentwicklung kann die Stadt selbst beeinflussen – durch Festlegung und Durchsetzung richtiger Standorte, Sortimente und Größen. Mit dieser Steuerung können negative Folgen wie (Grund-)Versorgungslücken, Leerstände in der Innenstadt oder Qualitätsverluste (Trading down) minimiert werden. Erfolgreiche Beispiele aus anderen Städten bestätigen diese Strategie.
- Die Einzelhandelserhebung ergab im Vergleich mit den vorherigen Untersuchungen einen deutlichen Rückgang der Anzahl der Betriebe bei gleichbleibender Verkaufsfläche (circa 104 000 m2).
- Die Bindungsquote ist recht gut, das heißt Lahr hat einen Kaufkraftzufluss aus dem Umland, der seiner mittelzentralen Aufgabenstellung entspricht. Diese Bindungsquoten können noch leicht erhöht werden.
- Die Einzelhändlerbefragung ergab einen hohen Anteil von circa 35 Prozent der Händler, denen nichts Positives zu ihrer Situation in Lahr einfällt. 16 Prozent sehen keine Defizite.
- Die bisherige Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs in der Innenstadt wird bestätigt.
- Eine Stärken-Schwächen-Analyse zeigt interessante Ansätze für eine Weiterentwicklung der Innenstadt auf: So sollten die Eingangsbereiche zur Innenstadt besser erkennbar gestaltet werden. Die Innenstadt ist heute etwas versteckt. Der Marktplatz sollte als zentraler Eingangs- und Aufenthaltsbereich modernisiert und aufgewertet werden.
- Die räumliche Verteilung des gesamtstädtischen Einzelhandelsangebots zeigt ein flächenmäßiges Ungleichgewicht zuungunsten der Innenstadt (25 Prozent Verkaufsflächenanteil). Zentrenrelevante Sortimente sollen nur noch in der Innenstadt neu angesiedelt werden. Es sind Potenziale da, die möglichst mit großen zusammenhängenden Verkaufsflächen entwickelt werden sollten, beispielsweise das Postgelände oder der Bereich auf der Südseite des Marktplatzes.
- Die räumliche Nahversorgungssituation ist gut. Bestehende Nahversorgungslücken in Stadtteilen und in den Randbereichen der Kernstadt werden nicht abgebaut werden können. Es ist Ziel, die bestehende Versorgung möglichst zu erhalten und mit alternativen Angeboten Nahversorgungsdefizite abzubauen.
- Die Prognosen zum Verkaufsflächenspielraum bis 2025 stellen Orientierungswerte für ein Jahrzehnt dar. Ziel ist, die guten Bindungsquoten weiter zu steigern, aber nur an "richtigen" Standorten.
- Die neue Sortimentsliste wurde ortsspezifisch für Lahr ausgearbeitet. Sie sieht einzelne kleinere Veränderungen vor, bestätigt weitgehend die bisherige Zuordnung.
- Die räumliche Steuerung des Einzelhandels ist notwendig und als Legitimation für das Konzept auch nachzuweisen, nur dann kann es auch bei drohenden Auseinandersetzungen rechtlich verwendet werden. Dazu sind verschiedene Beschlüsse des Gemeinderats herbeizuführen.
Fazit: Neben dem Erhalt und der Stärkung der verschiedenen Aspekte des Einzelhandels und der Nahversorgung gilt es, verlässliche Rahmenbedingungen und damit Investitionssicherheit zu schaffen. Dies bedingt auch die konsequente Einhaltung der getroffenen Beschlüsse. Nachdem der Berichtsentwurf am 12. Dezember 2016 dem Gemeinderat vorgestellt wurde, soll nun auch die Öffentlichkeit informiert und beteiligt werden. Zu diesem Zweck wird in einer Informationsveranstaltung am Mittwoch, 11. Januar 2017, ab 19:00 Uhr im Pflugsaal das Konzept von den Verfassern präsentiert und zur Diskussion gestellt. Daneben wird das Stadtplanungsamt die konkreten aktuellen Vorhaben und Anfragen aufzeigen. Im Anschluss daran haben alle Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, bis zum 27. Januar 2017 eigene Stellungnahmen oder Vorschläge bei der Stadtverwaltung einzureichen.