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18.06.2026 - Ira Peter liest im Schlachthof über ihr Buch Deutsch genug?

Frau mit schulterlangem blonden Haar und schwarzem Rollkragenpullover lehnt an einer hellen Wand in einem urbanen Umfeld
Ira Peter liest im Schlachthof
Quelle: Arthur Bauer
Die Journalistin und Autorin Ira Peter liest am Donnerstag, 25. Juni 2026, um 18 Uhr im Schlachthof Lahr (Dreyspringstr. 16), anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion.

Im Mittelpunkt des Abends steht ihr aktuelles Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche reden“, das die Geschichte und Gegenwart einer der größten, zugleich aber oft wenig sichtbaren Bevölkerungsgruppen Deutschlands in den Blick nimmt.

Rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche leben heute in Deutschland, 9000 bis 10.000 davon in Lahr - ein Fünftel der Stadtbevölkerung. Dennoch ist ihre Geschichte vielen Menschen kaum bekannt. Dabei reicht sie über mehrere Jahrhunderte und verbindet Fragen von Migration, Heimat, Zugehörigkeit und Erinnerung auf besondere Weise. In ihrem Buch erzählt Ira Peter von den historischen Wurzeln der Russlanddeutschen, ihren Erfahrungen im Russischen Reich und in der Sowjetunion, von Verfolgung, Deportation und Diskriminierung sowie von ihrer Übersiedlung nach Deutschland seit den späten 1980er-Jahren.

Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte verbindet Peter persönliche Erinnerungen mit historischer Recherche und gesellschaftlicher Analyse. Sie schildert die Herausforderungen des Ankommens in Deutschland, Erfahrungen zwischen Anerkennung und Ausgrenzung sowie die Suche nach einer Identität zwischen unterschiedlichen kulturellen Prägungen. Dabei wirft sie auch einen kritischen Blick auf verbreitete Klischees und zeigt die Vielfalt russlanddeutscher Lebenswege auf.

Ira Peter wurde 1989 in Kasachstan geboren und kam als Neunjährige mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Themen der Erinnerungskultur, Migration und gesellschaftlichen Vielfalt. Mit ihrem Buch hat sie eine Debatte angestoßen, die weit über die russlanddeutsche Community hinausreicht. Es geht um die Frage, wie Geschichte erinnert wird, wer in den öffentlichen Erzählungen einer Gesellschaft sichtbar ist und was Zugehörigkeit in einem Einwanderungsland bedeutet.

Die Autorin beschreibt anhand ihrer eigenen bewegten Biografie die Erfahrungen und Konflikte der Russlanddeutschen. Von der Scham über die sowjetische Herkunft über die Folgen kurzsichtiger Integrationspolitik bis hin zur »Anfälligkeit« für russische Einflussnahme wirft sie einen kritischen und zugleich feinfühligen Blick auf die von der Mehrheitsgesellschaft oft als fremd empfundenen Deutschen. Sie erklärt, wie die doppelte Diktaturerfahrung unter Stalin und Hitler Russlanddeutsche bis heute prägt und manche anfällig für völkisches Denken macht. Gleichzeitig zeigt Ira Peter, wie heterogen die Gruppe ist und warum »Deutschsein« für sie heute kein Kriterium mehr ist, um deutsch zu sein.

Die Veranstaltung knüpft an die zentralen Aufgaben des Stadtmuseums Lahr an: die Auseinandersetzung mit Stadtgeschichte, die Sichtbarmachung unterschiedlicher Erinnerungserfahrungen und den Dialog über gesellschaftliche Entwicklungen der Gegenwart. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen über Identität, Migration und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eröffnet das Buch wichtige Perspektiven auf eine Bevölkerungsgruppe, die häufig zwischen unterschiedlichen Zuschreibungen steht.

Im Anschluss an die Lesung diskutiert die Lahrerin Natalie Keller mit Ira Peter und Elisabeth Cheauré vom Zwetajewa-Zentrum an der Universität Freiburg. Es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit der Autorin ins Gespräch zu kommen.

Die Gäste sind eingeladen, im Nachgang bei kühlen Getränken zu verweilen. Eintritt frei, Rückfragen und Infos bei cornelia.lanz@lahr.de.

Veranstalter sind das Stadtmuseum Lahr und der Schlachthof Kinder, Jugend und Kultur mit Unterstützung der Lahrer Rockwerkstatt und der Bürgerstiftung Lahr Reichswaisenhaus 1885.