Heilpädagogisch-therapeutisches Heim und Sprachheilzentrum unter einem Dach: Oberbürgermeister Markus Ibert hat sich bei einem Besuch vor Ort über die pädagogische Arbeit im Dinglinger Haus informiert.
„Pädagogik kann sehr machtvoll sein“, betont Holger Henning, Vorstand des heilpädagogisch-therapeutischen Heims. Dort werden etwa 100 Kinder und Jugendliche, die Entwicklungsschwierigkeiten vor allem im sozial-emotionalen Bereich aufweisen, betreut. Sie verteilen sich auf acht Wohngruppen und eine Tagesgruppe und nehmen an Angeboten wie Kunsttherapie, kreatives Gestalten, Werkstudio, Gartenprojekt, Sport oder Musiktherapie teil. An der zugehörigen Ferdinand-Fingado-Schule, Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, können sie den Haupt- oder Werkrealschulabschluss sowie weitere Schulabschlüsse erwerben. Das Heim bietet außerdem 30 Ausbildungsplätze zu Fachpraktikerinnen und Fachpraktikern für Küche, Hauswirtschaft, Garten- und Landschaftsbau sowie Malerei an. „Wir legen großen Wert auf eine aktive Beteiligung der Kinder und Jugendlichen, damit sie ein demokratisches Verständnis erlernen“, sagt Henning. Übergreifendes Ziel sei, dass sie möglichst bald wieder ihren Platz im sozialen System finden.
Das Sprachheilzentrum ist ebenfalls ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum – eines von nur dreien mit diesem Schwerpunkt in Baden-Württemberg. Im Vordergrund steht hier der Erwerb sprachlicher und sozial-kommunikativer Kompetenzen. Vorstand Thomas Walter berichtet von einer steigenden Nachfrage, wobei das Einzugsgebiet weit über die Ortenau hinausreicht. Vier Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche aus Lahr und Umgebung sowie vier Internate bieten insgesamt knapp 80 Plätze. Die Schule mit den Klassen 1 bis 9 bereitet die Kinder und Jugendlichen darauf vor, an einer Regelschule oder einer kooperierenden Einrichtung wie beispielsweise dem Berufsbildungswerk Winnenden einen Schulabschluss zu erreichen.
Bei einem Rundgang über den Campus besprachen Thomas Walter und Holger Henning mit Markus Ibert eine Reihe von Themen, die das Dinglinger Haus aktuell beschäftigen. Beispielsweise müssen die Wohngebäude für die Kinder und Jugendlichen Schritt für Schritt nach heutigen Standards modernisiert werden, die Gewinnung von Fachkräften ist anspruchsvoller geworden, die Bandbreite psychischer Erkrankungen der Schülerinnen und Schüler hat zugenommen, und intern hat sich das Team vorgenommen, dass Heim und Sprachheilzentrum noch enger zusammenwachsen. „Außerdem möchten wir uns gerne noch stärker im Lahrer Schulsystem und in der Stadt einbringen, vor allem mit unserer Kompetenz bei sozialen und emotionalen Entwicklungsschwierigkeiten“, sagt Walter.
Dritte Säule neben Heim und Sprachheilzentrum ist ein Servicebereich, der beide pädagogische Angebote mit der Verwaltung, dem technischen Dienst, der Großküche und der Hauswirtschaft unterstützt. Insgesamt hat das Dinglinger Haus damit etwa 220 Mitarbeitende, die Zahl der betreuten Kinder und Jugendlichen liegt bei circa 230. Die intensive Betreuung lohne sich nicht nur aufgrund der überwiegend positiven individuellen Entwicklung der jungen Menschen, sondern auch mit Blick auf die gesellschaftliche Gesamtrechnung, sagt Henning: „Wenn es uns gelingt, die Kinder und Jugendlichen fit fürs Leben zu machen, vermeiden wir ungleich höhere Folgekosten.“
„Das Dinglinger Haus ist in unserer Stadtgesellschaft als Einrichtung bekannt, aber was dort konkret alles läuft und wie vielseitig die pädagogische Arbeit ist, wird nicht immer wahrgenommen“, bilanziert Oberbürgermeister Markus Ibert. „Es nimmt mit seinen besonderen Kompetenzen eine wichtige Rolle in unserer Schullandschaft ein, wirkt weit über die Stadtgrenzen hinaus und stärkt Lahr als Bildungsstandort. Mein Dank gilt dem gesamten Team für die kompetente, engagierte und einfühlsame Begleitung und Unterstützung, die Kinder und Jugendliche, die es im Leben schwer haben, im Dinglinger Haus erhalten!“