10.11.2025 - Statement von Oberbürgermeister Markus Ibert zur Störung einer Gedenkveranstaltung in Lahr
„In unserer Stadt ist kein Platz für Hass, Hetze und Gewalt“
Oberbürgermeister Markus Ibert
Quelle: Michael Bode/Stadt Lahr
„Der Vorfall, bei dem während des Gedenkens an die Reichspogromnacht am Friedrich-Ebert-Platz versucht wurde, eine israelische Flagge in Brand zu setzen, hat mich tief erschüttert. Eine solche Handlung ist nicht nur ein Angriff auf ein Staatssymbol, sondern im Falle der israelischen Flagge auch auf ein Symbol des Judentums – und nicht zuletzt ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt.
Wir in Lahr verurteilen jede Form von Extremismus, Antisemitismus, Diskriminierung und Feindseligkeit. Wer Symbole von Nationen oder Religionsgemeinschaften angreift und versucht, Gedenkveranstaltungen zu stören, überschreitet eine Grenze, die wir als Gesellschaft nicht akzeptieren dürfen. Das ist kein Ausdruck freier Meinungsäußerung, sondern eine Provokation. Und wer das Existenzrecht Israels leugnet, wendet sich gegen die grundlegenden Werte der Bundesrepublik Deutschland. Ich begrüße daher ausdrücklich, dass der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen hat.
Lahr steht für Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt. Deshalb sage ich klar: In unserer Stadt ist kein Platz für Hass, Hetze und Gewalt. Dass sich diese Gewalt gegen die israelische Flagge richtete und damit einen deutlichen antisemitischen Grundton hat, ist besonders verachtenswert. Zugleich mussten die Menschen, die diese Flagge trugen und eine Botschaft am 9. November verbreiten wollten, sich selber angegriffen fühlen. An keinem anderen Tag im Jahr spüren wir Deutsche die Verantwortung, die wir aus unserer Geschichte übernommen haben, stärker und verpflichtender. Deshalb dürfen wir einen Vorfall wie gestern am Friedrich-Ebert-Platz nicht ignorieren. Es ist unsere Aufgabe, hinzusehen und die Stimme zu erheben.
Mir ist bewusst, dass die derzeitige weltpolitische Lage viele Menschen bewegt. Auch mich bedrücken die globalen Folgen von Krieg, Terror und Gewalt. Diese Emotionen dürfen aber niemals in Handlungen münden, die andere bedrohen, herabwürdigen oder verletzen. Gerade in solchen Zeiten müssen wir Haltung zeigen. Wir müssen Brücken bauen, nicht Gräben vertiefen.
In wenigen Tagen begehen wir den Volkstrauertag – einen Tag, an dem wir der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken und uns bewusst machen, welche Verantwortung wir für den Frieden tragen. Die Ereignisse von gestern führen uns schmerzhaft vor Augen, wie wichtig es ist, dass wir uns nicht nur an solchen Tagen, sondern jeden Tag aktiv für ein friedliches Miteinander einsetzen.“