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20.04.2026 - Projekte der Stadtverwaltung im laufenden Jahr sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen Vielfältige Impulse für die Lahrer Innenstadt

Aufenthaltsqualität und Erlebnis fördern, Leerständen entgegenwirken, den Strukturwandel gestalten und vielfältige Nutzungen ermöglichen: Die Stadtverwaltung wird im Laufe des Jahres 2026 ein umfangreiches Maßnahmenpaket für die Lahrer Innenstadt umsetzen.

„Die Innenstadt ist das emotionale Zentrum unserer Stadtgesellschaft. Sie ist ein Ort der Begegnung, der die Identität unserer Stadt prägt“, betont Oberbürgermeister Markus Ibert. „Wie in den meisten Städten erlebt die Innenstadt auch in Lahr einen grundlegenden Wandel. Die Verwaltung hat in enger Abstimmung mit dem Gemeinderat Konzepte erarbeitet und wird in diesem Jahr in der Umsetzung auf vielen Feldern deutlich vorankommen. Klar ist aber auch, dass Politik und Verwaltung alleine nicht alles richten können. Wir brauchen die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger, die sich ebenfalls engagieren, um die Innenstadt als Mittelpunkt des städtischen Lebens in Lahr weiterzuentwickeln!“

Leerstände nutzen

Im Auftrag der Wirtschaftsförderung haben Studierende der Hochschule Kehl und der Universität Straßburg Anfang des Jahres 2026 in einem „Solution Lab“ Lösungsansätze für die temporäre Nutzung von Leerständen in der Lahrer Innenstadt erarbeitet. Zwei dieser Ansätze wird die Stadtverwaltung im Zeitraum von Montag, 20. April, bis Montag, 18. Mai 2026, umsetzen. In der Marktstraße 34 wird „Werk.Stadt.Lahr“ eingerichtet – ein Showroom, in dem Unternehmen ihre Dienstleistungen, Produkte und Jobmöglichkeiten vorstellen und der ihnen zugleich als Innovationsschmiede und Raum für den Austausch dienen soll. Ein weiteres Projekt knüpft an die Idee eines Jugendraums in der Innenstadt an: Die mobile, aufsuchende Jugendarbeit wird in der Friedrichstraße 8 niederschwellige Angebote unterbreiten, die Freizeit und Begegnung, Integration, Kreativität, Lernen und Bildung kombinieren.

Das Stadtmarketing wird zudem einzelne Leerstände in prominenten Lagen durch attraktive Beklebungen der Schaufenster zum Blickfang machen. Beispielsweise hat der Leerstand „Schuhhaus Kindle“ am Rosenbrunnen zum Blütensonntag auf den Lahrer Wochenmarkt, dessen Beschicker sowie die Werkstattangebote in den Pfingst- und Sommerferien hingewiesen.

Die Fortentwicklung der Lahrer Innenstadt hängt insbesondere von der Reaktivierung, Aufwertung und Umnutzung von Leerständen ab. Die Stadtverwaltung schlägt dem Gemeinderat daher vor, im Landesförderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ einen Förderantrag zu stellen. Bei einer Bewilligung wäre es möglich, die Einführung eines Flächenmanagements für die Stadt Lahr über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg in Auftrag zu geben.

Sauberkeit und Sicherheit erhöhen

Die öffentlichen Toiletten am Rathausplatz und am Marktplatz mussten in den vergangenen Jahren wiederholt instandgesetzt und teilweise saniert werden. Dennoch entsprechen die hygienischen Bedingungen nicht den Erwartungen. Die Stadtverwaltung entwickelt aktuell ein zukunftsfähiges Konzept mit dem Ziel einer nachhaltigen, barrierefreien und bedarfsgerechten Lösung für alle Bürgerinnen, Bürger und Gäste. Eine Beschlussvorlage zur Berücksichtigung der Maßnahme für den Haushalt 2027 ist nach der Sommerpause vorgesehen. Ein weiteres, für die Innenstadt relevantes Thema sind private Müllbehälter im öffentlichen Raum. Das Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung erarbeitet derzeit Vorschläge für Mülltonnen- und Containerboxen im Umfeld des Marktplatzes, die eine stadtbildverträgliche Einhausung ermöglichen würden. Fußläufige Standorte sind bereits ermittelt, Gespräche mit den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern sollen in Kürze stattfinden. Das Ordnungsamt setzt in diesem Jahr beim Thema Sicherheit einen deutlichen Schwerpunkt in der Innenstadt. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) und der Polizeivollzugsdienst weiten seit Mitte Februar 2026 ihre Kontrollen dahingehend aus. Insgesamt zeigt der KOD in diesem Jahr 400 Stunden mehr Präsenz in der Innenstadt, und auch das Polizeirevier Lahr setzt dort im Rahmen seiner Möglichkeiten verstärkt Fußstreifen ein. Außerdem wird die Stadtverwaltung an den Eingangsbereichen zur Fußgängerzone mit einer zusätzlichen Beschilderung auf das geltende Fahrverbot für E-Scooter aufmerksam machen. Der Bau- und Gartenbetrieb Lahr wird in Kürze entsprechende Hinweiszeichen anbringen. Im Februar 2026 hat der Landtag Baden-Württemberg eine Änderung des Landesdatenschutzgesetzes beschlossen, die den Kommunen mehr Möglichkeiten für Videoschutz im öffentlichen Raum bietet. In Lahr sollen nun entsprechende Kameras zunächst besonders problembehaftete Glascontainer schützen. Im Eingangsbereich zum Rathaus 2 sind Videokameras angebracht, die außerhalb der Dienstzeiten der Verwaltung verhindern sollen, dass es zu Sachbeschädigungen und Verunreinigungen kommt. Ob und an welchen weiteren Stellen in der Innenstadt ein Videoschutz sinnvoll und möglich erscheint, wird gemeinsam mit der Polizei geprüft. In diese Prüfung werden auch die Ergebnisse mehrerer Sicherheitsbegehungen einfließen. Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, des Lahrer Polizeireviers und des Polizeipräsidiums Offenburg haben gemeinsam verschiedene Orte in der Innenstadt auf eine mögliche Verbesserung des Sicherheitsempfindens untersucht. In der Folge wurde beispielsweise eine stärkere Ausleuchtung des Verbindungswegs zwischen Schloßplatz und Mühlgasse in Auftrag gegeben.

Stadt begrünen und kühlen

Zur weiteren Begrünung der Innenstadt setzt die Abteilung Grün und Umwelt neue Pflanzgefäße ein. Ein Teil der Gefäße besteht aus einer dauerhaften Aluminiumlegierung mit wechselbaren Einsätzen aus Edelstahl, wobei die Seitenwände mit gelaserten Piktogrammen stilprägender Gebäude der Stadt Lahr verziert sind. Je nach Bedarf und Einsatzzweck lassen sich Bäume, Sträucher, Stauden oder Blumen einpflanzen. Die Pflanzen schmücken das Stadtbild und können in der heißen Jahreszeit das Mikroklima verbessern, indem sie versiegelte Flächen, auf denen bis dato keine Begrünung möglich ist, kühlen und beschatten.

Gebäude sanieren, Freiräume aufwerten

Das Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung begleitet weiterhin das aktuell laufende Sanierungsgebiet Innenstadt-Marktstraße, das etwa ein Drittel der Innenstadt abdeckt. Fördermittel des Bundes und des Landes Baden-Württemberg stehen für kommunale und private Vorhaben in diesem Gebiet grundsätzlich zur Verfügung. Bisher haben private Eigentümerinnen und Eigentümer von mehr als 25 Immobilien ihr Interesse an einer Gebäudesanierung bekundet. Ebenso könnten städtische Gebäude saniert sowie öffentliche Plätze und Straßen aufgewertet und klimawirksam umgestaltet werden. Die Stadtverwaltung wird dem Gemeinderat bis zur Sommerpause eine Übersicht möglicher kommunaler Maßnahmen vorlegen. Das Sanierungsgebiet läuft zunächst bis 2033.

Tagestourismus stärken

Das Thema Parken ist für Handel und Dienstleistungen in der Innenstadt zentral. Seit der Einführung des Euro im Jahr 2001 sind die Parkgebühren in Lahr unverändert geblieben. Eine Anpassung ist damit überfällig – und die Verwaltung wird dem Gemeinderat neben der Erhöhung der Parkgebühren zwei neue Angebote für die Gäste der Innenstadt vorschlagen: die Einführung einer weiteren Parkzone mit verlängerter Höchstparkdauer und das kostenlose Kurzzeitparken von 20 Minuten bei Nutzung der digitalen Parkschein-App. Im Frühjahr 2026 gehen zwei innenstadtrelevante Digitalisierungsprojekte an den Start: Zum einen ist die Buchung von Stadtführungen künftig über die Subdomain erlebe.lahr.de digital möglich. Zum anderen dürfen sich alle, die Lahr lieber individuell erkunden möchten, auf einen virtuellen Rundgang durch die Innenstadt mit „Augmented Reality“ – eine computergestützte Erweiterung der Realität um digitale Inhalte in Echtzeit – und Audiobeiträgen freuen. Zur Stärkung der Lahrer Innenstadt und der Arbeitgeberattraktivität führt die Stadtverwaltung zum 1. Januar 2027 die LahrCard als Mitarbeiterkarte ein. Ziel ist, Kaufkraft zu binden, die örtlichen Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe zu unterstützen und zur weiteren Belebung der Innenstadt beizutragen. Durch die Umwandlung des bestehenden Systems der leistungsorientierten Bezahlung fallen mit der Einführung der LahrCard als Mitarbeiterkarte keine zusätzlichen Kosten an.

Themen koordinieren

Martina Mundinger, Leiterin des Stadtmarketings, koordiniert bis auf Weiteres die Belange der Innenstadt innerhalb der Stadtverwaltung und ist Ansprechpartnerin bei Fragen rund um die Innenstadt sowie für Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien. Für eine bessere Vernetzung der Innenstadtprojekte innerhalb der Stadtverwaltung werden dezernatsübergreifende Projekte und Maßnahmen in einer „Lenkungsgruppe Innenstadt“ mit- und aufeinander abgestimmt.