Kapitel 4 Erwerbstätigkeit & Arbeitslosigkeit

In diesem Kapitel wird auf die Beschäftigung und die Arbeitslosigkeit in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen, u.a. differenziert nach der Demographie eingegangen. Des Weiteren werden Armutslagen und Arbeitslosenhilfen für die in Lahr lebenden Menschen nach den einzelnen Stadt- bzw. Ortsteilen aufgeführt. Um die statistische Geheimhaltung bei geringen Fallzahlen zu gewährleisten, sind bei entsprechenden Tabellenzellen keine Werte hinterlegt. Die Datenbasis sind quartalsweise übermittelte, kleinräumige Daten der Bundesagentur für Arbeit (BAA).

4.1 Beschäftigung & Arbeitsmarkt

Entgegen der Arbeitslosenquote in der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BAA), welche die Zahl der Arbeitslosen in Bezug zur Zahl der zivilen Erwerbspersonen berechnet, bezieht sich der Arbeitslosenanteil hier auf den Anteil der Anzahl an als arbeitslos gemeldeten Personen im Verhältnis zur Summe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort und den als arbeitslos gemeldeten Personen (hier: Erwerbspersonen). Da hierbei u.a. Familienmitglieder in Heimarbeit, Beamte und geringfügig Beschäftigte nicht mit einbezogen werden, fällt der Arbeitslosenanteil etwas höher aus als die Arbeitslosenquote. Laut Statista (2012) sind in Deutschland 13,6% der Gesamtzahl der Beschäftigten im Staatsdienst tätig. Die Beschäftigungsquote ist wiederum der Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort gegenüber allen Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Im folgenden Kapitel wird diese nach Altersstufen dargestellt.

4.1.1 Beschäftigungsquote

Die Beschäftigungsquote ist der Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gegenüber der Anzahl an Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Dabei ist zu bedenken, dass Personen, welche verbeamtet sind oder selbständig bzw. freiberuflich arbeiten nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Somit sind diese Personengruppen nicht in der Beschäftigungsquote mit einbezogen.

Mit Blick auf Tabelle 4.1 zeigt sich, dass im Juni 2024 66% der Menschen zwischen 15 und 64 Jahren in Lahr einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. In den Stadtteilen ist die Beschäftigungsquote mit 64,2% etwas geringer als in den Ortsteilen (69,7%). Auffallend ist die geringste Beschäftigungsquote aller Stadt- und Ortsteile in der Nordstadt mit 62,2%.

Tabelle 4.1: Beschäftigungsquote der Gesamtbevölkerung differenziert nach Altersklassen. Die Darstellung erstreckt sich auf die Gesamtstadt sowie auf die Stadt- und Ortsteile. Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit (BAA); Stand: Juni 2024 // Melderegisterauszug; Stand: 30.06.2024
Stadtteil Gesamt U25 25-34 35-44 45-54 55-64
Stadtmitte 62,4% 43,8% 68,4% 67,1% 67,1% 63,9%
Nordstadt 62,2% 37,5% 70,9% 67,3% 68,1% 61,6%
Oststadt 64,9% 44,6% 71,9% 70,2% 70,5% 62,0%
Südstadt 63,9% 41,9% 68,6% 70,5% 69,7% 65,1%
Dinglingen-Ost 63,5% 43,8% 68,5% 69,1% 70,3% 64,0%
Dinglingen-West 74,2% 89,8% 73,5% 73,7% 75,5% 62,1%
Stadtteile 64,2% 46,3% 69,6% 69,2% 69,6% 63,5%
Hugsweier 73,0% 48,0% 69,1% 82,6% 79,9% 81,0%
Kuhbach 72,2% 47,3% 72,5% 75,3% 81,8% 75,3%
Reichenbach 70,0% 43,2% 76,6% 74,0% 76,4% 73,2%
Sulz 69,2% 46,7% 78,2% 75,6% 74,2% 69,4%
Mietersheim 66,5% 39,2% 77,0% 73,0% 72,9% 69,3%
Kippenheimweiler 68,7% 50,9% 76,2% 72,8% 72,5% 70,9%
Langenwinkel 70,1% 45,6% 70,0% 76,7% 79,5% 74,6%
Ortsteile 69,7% 45,6% 74,9% 75,4% 76,1% 72,6%
Gesamtstadt 66,0% 46,2% 71,1% 71,1% 71,8% 67,0%


Hinsichtlich der Altersklassen fällt auf, dass bei den unter 25-Jährigen weniger als die Hälfte (46,2%) der in diesem Alter in Lahr wohnhaften Personen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Etwa 20 Prozentpunkte unter der Gesamtbeschäftigungsquote ergeben sich in dieser Altersklasse dadurch, dass viele Menschen in diesem Alter noch zur Schule gehen bzw. sich in einem Studium befinden. Auffällig ist in dieser Altersklasse der überdurchschnittlich hohe Beschäftigungsanteil in Dinglingen-West mit 89,8%.

Die höchste Beschäftigungsquote bei den 25-34-Jährigen findet sich im Ortsteil Sulz (78,2%). Die niedrigste Beschäftigungsquote ist in dieser Altersklasse in der Stadtmitte (68,4%) sowie in der Südstadt (68,6%) und Dinglingen-Ost (68,5%) zu finden. Auffallend ist auch, der deutliche Unterschied der Beschäftigungsquote bei den 55-64-Jährigen zwischen den Orts- (72,6%) und Stadtteilen (63,5%) mit nahezu 10 Prozentpunkten.

Den insgesamt höchsten Anteil der Beschäftigungsquote aller Altersklassen findet sich in den Stadtteilen Kuhbach (81,8%) bei den 45-54-Jährigen und Hugsweier (82,6%) bei den 35-44-Jährigen. Dinglingen-West hat darüber hinaus die höchste Beschäftigungsquote der Gesamtbevölkerung (74,2%) aller Stadt- und Ortsteile.

Abbildung 4.1: Beschäftigungsquote in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen sowie in der Gesamtstadt Lahr nach Altersklassen seit 2020. Datenquelle: BAA; Stand: jeweils zum Juni // Melderegisterauszug; Stand: jeweils zum 30.06.


Abbildung 4.1 stellt die Entwicklung der Beschäftigungsquote in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen seit 2020 dar. Rückwirkend bis 2006 kann hier die Beschäftigungsquote im Vergleich ausgewählter Städte nachvollzogen werden. Dabei zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg der Beschäftigungsquote in Lahr seit 2006 von damals 52% auf 64% im Jahr 2021. Auf kleinräumiger Ebene zeigt sich, dass in den Ortsteilen die Beschäftigungsquote bei den 45-54-Jährigen am höchsten ist, während sie in den Stadtteilen bei den drei Altersklassen zwischen 25 und 54 Jahren in etwa gleich groß ist.

4.1.2 Arbeitslosenanteil

In Abbildung 4.2 ist der Verlauf des Arbeitslosenanteils für die Gesamtstadt Lahr nach Quartalen seit Dezember 2020 bis Juni 2024 aufgeführt. In diesem Zeitraum ist die Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten angestiegen, während die Anzahl der als arbeitslos gemeldeten Personen bis Juni 2022 gesunken ist und anschließend wieder etwas angestiegen, mit Werten höher als im März 2022. Dies spiegelt sich in einem Rückgang des Arbeitslosenanteils von 8,3% im März 2021 auf 5,9% im Juni 2022 und 7,2% im Juni 2024 wider.

Abbildung 4.2: Arbeitslosenanteil an den Erwerbspersonen (hier: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) am Wohnort + Arbeitslose) für die Gesamtstadt Lahr mit einer zeitlichen Auflösung nach Quartalen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA)


Der Arbeitslosenanteil für die Stadt Lahr kann für einen Zeitraum von 2006 bis 2020 auf der Webseite wegweiser-kommune.de betrachtet werden. Zudem ist ein Vergleich mit ausgewählten Kommunen möglich. Voreingestellt sind dabei die Städte Offenburg, Rastatt, Emmendingen und Lörrach. Weitere Städte lassen sich über die Eingabe hinzufügen.

Betrachtet man den Arbeitslosenanteil aller Menschen in Lahr nach Stadt- und Ortsteilen (siehe Tabelle 4.2) fällt auf, dass dieser in den Stadtteilen höher ausfällt als in den Ortsteilen. In Lahr wohnten im Juni 2024 insgesamt 21.201 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Zusätzlich 1.648 arbeitslos gemeldete Bürgerinnen und Bürger ergeben einen Arbeitslosenanteil von 7,2%.

In den Stadtteilen Dinglingen-Ost (10,2%) und Stadtmitte (9,1%) ist der Arbeitslosenanteil am höchsten. Die Nordstadt weist innerhalb der Stadtteile den geringsten Arbeitslosenanteil (5,1%) auf und liegt dennoch über dem Arbeitslosenanteil in den einzelnen Ortsteilen. Insgesamt findet sich in Mietersheim (4% der geringste Arbeitslosenanteil. Kuhbach weist den größten Arbeitslosenanteil aller Ortsteile auf (4,7%), welcher dennoch unter dem Durchschnitt der Gesamtstadt liegt.

Tabelle 4.2: Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) sowie der Arbeitslosenanteil (Alo) der Gesamtbevölkerung differenziert nach Geschlecht. Die Darstellung erstreckt sich auf die Gesamtstadt sowie auf die Stadt- und Ortsteile. Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit (BAA); Stand: Juni 2024
Stadtteil SvB Gesamt Alo Gesamt SvB Männer Alo Männer SvB Frauen Alo Frauen
Stadtmitte 3.309 9,1% 1.849 8,9% 1.460 9,4%
Nordstadt 1.774 5,1% 904 4,8% 870 5,3%
Oststadt 1.662 8,0% 908 8,3% 754 7,6%
Südstadt 2.737 8,5% 1.515 7,4% 1.222 9,8%
Dinglingen-Ost 3.445 10,2% 1.974 9,2% 1.471 11,5%
Dinglingen-West 1.317 7,9% 828 7,4% 489 8,8%
Stadtteile 14.244 8,5% 7.978 8,0% 6.266 9,2%
Hugsweier 701 2,9% 384 2,8% 317 3,1%
Kuhbach 697 4,7% 384 5,0% 313 4,3%
Reichenbach 1.344 4,3% 700 4,2% 644 4,5%
Sulz 1.605 4,1% 852 5,4% 753 2,6%
Mietersheim 853 4,0% 451 3,4% 402 4,7%
Kippenheimweiler 828 4,5% 466 4,3% 362 4,7%
Langenwinkel 891 4,3% 525 4,0% 366 4,7%
Ortsteile 6.919 4,2% 3.762 4,3% 3.157 4,0%
Gesamtstadt 21.201 7,2% 11.761 6,9% 9.440 7,5%


Vergleicht man die Anzahl an sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und Männern zeigt sich, dass mehr Männer (11.761) als Frauen (9.440) in SvB-Verhältnissen arbeiten. Der Arbeitslosenanteil liegt mit 770 arbeitslos gemeldeten Frauen bei 7,5%, während hingegen 878 arbeitslose Männer einen Arbeitslosenanteil von 6,9% ausmachen. Bei dem Arbeitslosenanteil nach Geschlechtern führt sich ein zum Teil erheblicher Unterschied zwischen den Stadt- und Ortsteilen fort.

Betrachtet man den Arbeitslosenanteil nach der Staatsbürgerschaft ( deutsch / nicht deutsch) zeigt sich mit Blick auf Tabelle 4.3, dass etwa ein Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (5.382) keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. 719 arbeitslos gemeldete Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ergibt einen Arbeitslosenanteil von 11,8%. Einen Rückblick über den Zeitraum zwischen 2006 und 2020 sowie einen Vergleich mit vier weiteren Kommunen findet sich unter wegweiser-kommune.de. Dabei zeigt sich, dass der Arbeitslosenanteil in dieser Kohorte von über 30% in den Jahren bis 2010, rückläufig ist. In Abbildung 4.3 ist die Entwicklung zudem seit Dezember 2020 in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen quartalsweise aufgeführt.

Tabelle 4.3: Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter (SvB) und Arbeitslosenanteil (Alo) differenziert nach Staatsangehörigkeit in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. Datenquelle: BAA; Stand: Juni 2024
Stadtteil SvB Deutsche Alo Deutsche SvB Ausländer Alo Ausländer
Stadtmitte 2.171 6,2% 1.138 14,2%
Nordstadt 1.452 3,8% 322 10,6%
Oststadt 1.139 6,8% 523 10,4%
Südstadt 1.967 6,9% 770 12,3%
Dinglingen-Ost 2.304 8,4% 1.141 13,6%
Dinglingen-West 742 8,4% 575 7,3%
Stadtteile 9.775 6,8% 4.469 12,2%
Hugsweier 614 2,2% 87
Kuhbach 583 3,6% 114 9,5%
Reichenbach 1.188 2,7% 156 15,2%
Sulz 1.459 3,6% 146 8,8%
Mietersheim 759 3,1% 94 11,3%
Kippenheimweiler 704 4,2% 124
Langenwinkel 706 4,2% 185
Ortsteile 6.013 3,4% 906 6,8%
Gesamtstadt 15.819 5,5% 5.382 11,8%


In den Ortsteilen Hugsweier, Sulz und Kippenheimweiler leben wenige arbeitslose Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, so dass aufgrund der statistischen Geheimhaltung für diese Ortsteile kein Arbeitslosenanteil berechnet werden kann. Das Muster mit geringeren Arbeitslosenanteilen in den Ortsteilen gegenüber den Stadtteilen kann bei den ausländischen Personen nicht ausgemacht werden. Die höchsten Anteile bei Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit finden sich zwar nach wie vor in den bevölkerungsreichsten Stadtteilen Stadtmitte (14,2%) und Dinglingen-Ost (13,6%). Den höchsten Arbeitslosenanteil dieser Kohorte findet sich allerdings im Ortsteil Reichenbach (15,2%). Zu beachten ist hierbei allerdings, dass bei deutlich geringeren Absolutzahlen die relativen Werte tendenziell höher ausfallen.

Dinglingen-West weist mit 7,3% den geringsten Arbeitslosenanteil aller Stadt- und Ortsteile bei Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf. Bei den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ist der Arbeitslosenanteil hingegen in Dinglingen-West (8,4%) neben Dinglingen-Ost (8,4%) am Höchsten. In Reichenbach (2,7%) und Hugsweier (2,2%) wiederum am Geringsten. Generell ist der Arbeitslosenanteil bei Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit in den Ortsteilen um 3,4 Prozentpunkte unter dem der Stadtteile.

Mit Blick auf Abbildung 4.3 fällt zunächst die lückenhafte Darstellung der Arbeitslosenquoten in den Ortsteilen auf. Sofern die Fallzahlen von arbeitslos gemeldeten Personen in den einzelnen demographischen Gruppen so klein ist, dass ein Rückschluss auf Einzelpersonen möglich wäre, werden diese aus Datenschutzgründen nicht dargestellt. Dies betrifft vor allem den Arbeitslosenanteil der ausländischen Personen in den Ortsteilen. Aufgrund der Datenaggregation sind demzufolge die Aussage zu dem Arbeitslosenanteil für die Gesamtortsteile ebenfalls verfälscht. Für die Gesamtstadt sind die Ergebnisse aufgrund einer Gesamtübersicht für die Gesamtstadt im Rohdatensatz robust.

Abbildung 4.3: Arbeitslosenanteil (Alo) differenziert nach demographischen Merkmalen in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. mit einer zeitlichen Auflösung nach Quartalen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA)


Betrachtet man den Arbeitslosenanteil in der Gesamtstadt seit Dezember 2020, fällt auf, dass dieser wie auch in Abbildung 4.2 dargestellt, leicht rückläufig ist. Dieses Muster zeigt sich bei allen Stadt- und Ortsteilen. In Dinglingen-West ist dabei die größte Veränderung mit einem Rückgang um 4,2 Prozentpunkte festzustellen. In den Ortsteilen und stadtteilen ist er um 0,2 bzw. 0,7 Prozentpunkte seit Dezember 2020 zurückgegangen.

Tendenziell liegt der Arbeitslosenanteil in der Gesamtstadt sowie auch in den Stadtteilen bei den Frauen geringfügig über dem der Männer. Der Arbeitslosenanteil von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit liegt im Mittel des Zeitraums zwischen Dezember 2020 und Juni 2024 um 6,2 Prozentpunkte höher als bei Personen mit der deutschen Staatsangehörigkeit. Im Juni 2024 betrug die Differenz 6,3 Prozentpunkte.

Betrachtet man die Arbeitslosigkeit nach dem Bildungsstatus in Tabelle 4.4 zeigt sich, dass der Arbeitslosenanteil bei Menschen ohne berufliche Ausbildung in der Gesamtstadt mit 19,2% sowie auch in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen den von Personen mit Ausbildung (Gesamtstadt: 3,5%) deutlich übersteigt. Bei letzterer Kategorie findet sich ein geringer Unterschied zwischen den Orts- und Stadtteilen (2,2 Prozentpunkte), während hingegen bei dem Abreitslosenanteil bei Menschen ohne Ausbildung ein deutlicherer Unterschied besteht (7,5 Prozentpunkte).

Wiederum sind es die Stadtteile Dinglingen-Ost (23,1%) und die Stadtmitte (22,3%), welche die größten Arbeitslosenanteile für Menschen ohne Ausbildung aufweisen. Den geringsten Arbeitslosenanteil an Menschen ohne Ausbildung findet sich in Langenwinkel (7,9%).

Zusätzliche Angaben von Personen mit akademischer Ausbildung (2.279 SvB gegenüber 98 arbeitslos gemeldeter Akademiker un Akademikerinnen in der Gesamtstadt / Arbeitslosenanteil: 4,1%) sind in der Tabelle 4.4 nicht mit aufgeführt, da die Fallzahlen an arbeitslos gemeldeten Personen mit akademischer Ausbildung in den Stadt- und Ortsteilen so gering sind, dass keine Arbeitslosenanteile für diese Gruppe dargestellt werden können.

Tabelle 4.4: Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) sowie der Arbeitslosenanteil (Alo) differenziert nach Staatsangehörigkeit in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. Datenquelle: BAA; Stand: Juni 2024.
Stadtteil SvB mit Ausbildung Alo mit Ausbildung SvB ohne Ausbildung Alo ohne Ausbildung
Stadtmitte 1.721 3,7% 831 22,3%
Nordstadt 955 3,1% 270 16,4%
Oststadt 906 4,5% 309 22,2%
Südstadt 1.629 4,5% 586 22,1%
Dinglingen-Ost 1.872 4,7% 900 23,1%
Dinglingen-West 612 3,9% 524 13,4%
Stadtteile 7.695 4,2% 3.420 20,8%
Hugsweier 483 123 8,2%
Kuhbach 480 2,4% 90 18,2%
Reichenbach 942 2,1% 178 17,2%
Sulz 1.134 2,2% 217 14,9%
Mietersheim 588 125 16,7%
Kippenheimweiler 561 2,8% 163 11,4%
Langenwinkel 510 3,8% 221 7,9%
Ortsteile 4.698 2,0% 1.117 13,3%
Gesamtstadt 12.416 3,5% 4.542 19,2%


Zu überlegen wäre an dieser Stelle, was die Gründe sind, weshalb 4.542 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Menschen ohne Berufsausbildung sind. Zusätzlich sind 1.080 Menschen ohne Ausbildung arbeitslos, was einem Anteil an der Gesamtarbeitslosenzahl von 65,5% entspricht. Welche Möglichkeiten gibt es, diese Personen ohne Ausbildung zu erreichen, um deren Lebenssituation ggfls. zu verbessern und besser auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren?

In den Tabellen 4.5 und 4.6 ist die Altersstruktur der arbeitslos gemeldeten Bevölkerung aufgeführt. In diesen Tabellen wird auf die Darstellung der einzelnen Ortsteile verzichtet, da auch hier überwiegend zu geringe Fallzahlen zu verzeichnen sind, so dass die statistische Geheimhaltung nicht gewährleistet werden würde. Für die unter 25-Jährigen können zudem nur in den vier bevölkerungsreichsten Stadtteilen Angaben getätigt werden. Weitere Altersklassen, welche in den folgenden Ausführungen dargestellt werden, sind in Zehnjahresschritten unterteilt.

Tabelle 4.5: Arbeitslosenanteil (Alo) differenziert nach Altersklassen in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. Datenquelle: BAA; Stand: Juni 2024.
Stadtteil SvB U25 Alo U25 SvB 25-34 Alo 25-34 SvB 35-44 Alo 35-44
Stadtmitte 432 5,5% 819 6,9% 762 10,7%
Nordstadt 160 354 4,6% 410 6,2%
Oststadt 200 5,2% 456 8,2% 421 7,7%
Südstadt 309 6,4% 623 9,1% 637 8,7%
Dinglingen-Ost 441 7,0% 758 11,0% 774 11,3%
Dinglingen-West 265 4,3% 289 10,8% 278 10,6%
Stadtteile 1.807 5,3% 3.299 8,6% 3.282 9,5%
Gesamtstadt 2.575 5,3% 4.535 7,4% 4.796 8,0%


Auffallend ist, dass in allen Altersklassen bis auf die Unter 25-Jährigen etwa gleich viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Gesamtstadt wohnen. Die Alterskohorte mit den meisten SvB in der Gesamtstadt sind die über 55-Jährigen mit 4.804 Personen. Der Arbeitslosenanteil liegt in dieser Altersklasse bei 7,2%.

Tabelle 4.6: Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter (SvB) und Arbeitslosenanteil (Alo) differenziert nach Altersklassen in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. Datenquelle: BAA; Stand: Juni 2024.
Stadtteil SvB 45-54 Alo 45-54 SvB 55+ Alo 55+
Stadtmitte 635 11,8% 661 9,5%
Nordstadt 406 5,4% 444 4,7%
Oststadt 342 7,1% 243 11,3%
Südstadt 583 7,9% 585 9,3%
Dinglingen-Ost 747 10,6% 725 9,5%
Dinglingen-West 247 5,0% 238 7,8%
Stadtteile 2.960 8,8% 2.896 8,8%
Gesamtstadt 4.491 7,2% 4.804 7,2%


Der geringste Arbeitslosenanteil findet sich in der Altersklasse der unter 25-Jährigen (5,3%), welche allerdings auch die Altersklasse mit der geringsten Anzahl an SvB (2.575) darstellt, was durchaus darin begründet sein kann, dass viele Menschen in diesem Alter sich noch in Ausbildung befinden sowie mit Verweis auf Kapitel 1.2 Bevölkerungsstruktur eine geringere Bevölkerungsgröße aufweisen. Weitere Informationen über den zeitlichen Verlauf des Arbeitslosenanteils der unter 25-Jährigen findet sich hier. Im Vergleich zu Emmendingen, Rastatt, Offenburg und Lörrach zeigt sich, dass Lahr neben Rastatt die höchsten Werte aufweist, in den letzten 15 Jahren die Anteile jedoch rückläufig sind und sich seit 2020 um 1,6 Prozentpunkte reduziert hat, mit Verweis auf Abbildung 4.4 jedoch seit Juni 2023 wieder um 0,9 Prozentpunkte angestiegen ist.

In Anbetracht des demographischen Wandels (vgl. Ausführungen in Kapitel 1 Bevölkerungsstruktur und Kapitel 2 Bevölkerungsbewegung) werden entsprechend den obigen Ausführungen in den nächsten zehn Jahren etliche Arbeitskräfte in den Ruhestand übergehen. Entsprechend zeigt sich deutlich, inwiefern die Stadt Lahr auf Zuzug angewiesen ist, um einem drohenden, verschärften Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Abbildung 4.4: Arbeitslosenanteil (Alo) differenziert nach Altersklassen in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt mit einer zeitlichen Auflösung in Quartalen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA)


Abbildung 4.4 stellt den Verlauf des Arbeitslosenanteils nach den oben aufgeführten Altersklassen seit Dezember 2020 quartalsweise dar. In diesem Zeitraum setzt sich der Trend der Abnahme des Arbeitslosenanteils in der Gesamtstadt fort. Ein Muster, nach welchem eine Altersgruppe besonders von Arbeitslosigkeit betroffen wäre, lässt sich nicht feststellen. Auffällig ist jedoch ein deutlicher Rückgang des Arbeitslosenanteils in Dinglingen-West bei den 35-44-Jährigen um 7,3 Prozentpunkte sowie um 4,7 Prozentpunkte bei den 45-54-Jährigen in der Oststadt.

4.2 Einkommen & Armutslagen

Vorab ist festzuhalten, dass aus Datenschutzgründen keine Daten zu Einkommen auf Basis der Einkommenssteuer berücksichtigt werden konnten. Informationen über Altersarmut (Personen über 65 Jahren, welche Leistungen zur Grundsicherung im Alter nach SGB XII erhalten) werden vom Statistischen Bundesamt nur auf Kreisebene vorgehalten.

4.2.1 SGB II & ALG II Quote

Die SGB II Quote beschreibt den prozentualen Anteil der Bevölkerung unter 65 Jahren, welche Leistungen nach SGB II (Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld) erhalten. Die SGB II Quote für die gesamte Stadtbevölkerung von Lahr beläuft sich auf 8,8%. Im zeitlichen Verlauf (vgl. wegweiser-kommune.de) zeigt sich eine Reduzierung der SGB II Quote von über 12% im Jahr 2009 auf Werte unter 10% seit 2018. Gegenüber den vergleichenden Kommunen (RA, OG, EM, LÖ) hat die Stadt Lahr eine, um nahezu zwei Prozentpunkte höhere SGB II Quote für alle Jahre seit 2006.

Die ALG II Quote beschreibt den prozentualen Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung von 15 bis unter 65 Jahren, welche ALG II-Leistungen (Hartz-4; seit 2023 Bürgergeld) beziehen (Erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB)). Für Lahr beträgt der Wert der ALG II Quote 7,6%. Auch dieser Wert ist laut wegweiser-kommune.de in den letzten 15 Jahren kontinuierlich zurückgegangen und liegt in jedem Jahr mit mindestens einem Prozentpunkt über den vergleichenden Städten.

Auch in diesen beiden Indikatoren unterscheiden sich die Ortsteile mit niedrigeren Quoten von denen in der Kernstadt (vgl. Tabelle 4.7). Einzige Ausnahme bildet wiederum die Nordstadt, wo die SGB II Quote (5%) sowie auch die ALG II Quote (4,6%) deutlich unter denen in den übrigen Stadtteilen liegt. Die höchsten Werte finden sich wiederum in der Stadtmitte ( SGB II: 13,9% bzw. ALG II: 12%) und in Dinglingen-Ost ( SGB II: 12,3% bzw. ALG II: 10,5%).

Tabelle 4.7: SGB II Quote und ALG II Quote in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. Die SGB II Quote beschreibt den prozentualen Anteil der Bevölkerung unter 65 Jahren, welche Leistungen nach SGB II (Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld) erhalten. Die ALG II Quote beschreibt den prozentualen Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung von 15 bis unter 65 Jahren, welche ALG II-Leistungen (Hartz-4; seit 2023 Bürgergeld) beziehen (Erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB)) Datenquelle: BAA; Stand: Juni 2024 // Melderegisterauszug; Stand: 30.06.2024.
Stadtteil U65 Jährige SGB2 Quote 15-64 Jährige ALG2 Quote
Stadtmitte 6.594 13,9% 5.302 12,0%
Nordstadt 3.596 5,0% 2.852 4,6%
Oststadt 3.178 7,6% 2.559 6,7%
Südstadt 5.376 10,4% 4.283 9,2%
Dinglingen-Ost 6.682 12,3% 5.428 10,5%
Dinglingen-West 2.183 11,5% 1.775 10,0%
Stadtteile 27.609 10,7% 22.199 9,3%
Hugsweier 1.196 4,8% 960 3,5%
Kuhbach 1.195 5,2% 965 4,4%
Reichenbach 2.392 5,5% 1.921 4,1%
Sulz 2.819 3,3% 2.319 3,0%
Mietersheim 1.624 4,7% 1.282 3,7%
Kippenheimweiler 1.537 3,7% 1.205 3,2%
Langenwinkel 1.603 3,8% 1.271 2,8%
Ortsteile 12.366 4,3% 9.923 3,5%
Gesamtstadt 39.975 8,8% 32.122 7,6%


4.2.2 Prekär Beschäftigte & Kinderarmut

Als Prekär Beschäftigte gelten erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsberechtigte (ELB) nach SGB II mit Einkommen aus abhängiger oder selbständiger Arbeit. Der prozentuale Anteil der prekär Beschäftigten bezieht sich auf die Anzahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. In der Gesamtstadt Lahr sind 529 Personen in einem Beschäftigungsverhältnis und bekommen zusätzlich Leistungen nach SGB II, was einem Anteil von 2,5% an den SvB entspricht (siehe Tabelle 4.8). Auch hier zeigt sich wieder der höhere Anteil in den Stadtteilen (außer Nordstadt) gegenüber den Ortsteilen.

Bei der Kinderarmut ist dieser Unterschied ebenfalls sehr stark ausgeprägt. In Lahr leben 1.302 Kinder in einer Bedarfsgemeinschaft nach SGB II. Dies entspricht einem Anteil an der Gesamtzahl der unter 18-Jährigen in Lahr von 13,7%. Seit 2006 sind auch diese Werte für die Stadt Lahr rückläufig, allerdings um mindestens zwei Prozentpunkte über den vergleichenden Städten (siehe wegweiser-kommune).

Tabelle 4.8: Prekär Beschäftigte in den einzelnen Orts- und Stadtteilen sowie der Gesamtstadt. Als prekär Beschäftigte wird hier der Anteil der erwerbstätigen Leistungsbezieher an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) verstanden. Datenquelle: BAA; Stichtag: Juni 2024
Stadtteil SvB Gesamt prekär Beschäftigte U18 Jährige Kinderarmut
Stadtmitte 3.309 4,0% 1.561 22,1%
Nordstadt 1.774 1,4% 870 6,3%
Oststadt 1.662 2,0% 743 12,4%
Südstadt 2.737 3,0% 1.297 16,1%
Dinglingen-Ost 3.445 4,0% 1.545 19,5%
Dinglingen-West 1.317 3,0% 486 17,1%
Stadtteile 14.244 3,2% 6.502 16,7%
Hugsweier 701 1,9% 294 9,2%
Kuhbach 697 268 8,6%
Reichenbach 1.344 1,3% 563 10,3%
Sulz 1.605 0,6% 625 4,5%
Mietersheim 853 1,5% 415 7,7%
Kippenheimweiler 828 399 5,0%
Langenwinkel 891 415 6,7%
Ortsteile 6.919 0,8% 2.979 7,3%
Gesamtstadt 21.201 2,5% 9.481 13,7%


Die Kinderarmut ist in den Stadtteilen Dinglingen-Ost (19,5%) und in der Stadtmitte (22,1%) vergleichsweise hoch. Entsprechend wohnt nahezu jedes vierte Kind in der Innenstadt in einer Bedarfsgemeinschaft nach SGB II. Im Ortsteil Sulz liegt der Wert der Kinderarmut unter 5%. Lediglich in Reichenbach (10,3%) liegt der Wert für die Kinderarmut höher als 10%, jedoch unterhalb der übrigen Stadtteile (außer der Nordstadt).

Inwiefern Kinderarmut einen Einfluss auf Bildungschancen hat, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Dass allerdings eine Ganztagsbetreuung einen positiven Effekt auf das Bildungsniveau der Kinder haben könnte, ist durchaus vorstellbar. Inwiefern bereits vorhandene Ganztagsangebote an den Grundschulen in Anspruch genommen werden, wird im folgenden Kapitel Schulbildung näher erläutert.

Abbildung 4.5 gewährt einen Überblick der Einkommens- und Armutslage in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen seit 2020. Es zeigt sich, dass die Kinderarmut insgesamt rückläufig ist. In den Stadtteilen, in denen die Kinderarmut deutlich höher ausgeprägt ist als in den Ortsteilen ist generell, bis auf die Oststadt mit einem Anstieg um +2,7 Prozentpunkte und der Nordstadt (+1 Prozentpunkte), ein Rückgang festzustellen. In Reichenbach zeigt sich seit 2020 ein kontinuierlicher Anstieg der Kinderarmut um 3,3 Prozentpunkte auf 10,3% im Jahr 2024.

Abbildung 4.5: Zeitverlauf ausgewählter Quoten zur Einkommens- und Armutslage in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen sowie der Gesamtstadt seit 2020. Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA) & Melderegister der Stadt Lahr / Schwarzwald. Stichtage: jeweils zum 30.06. des jeweiligen Jahres.

Der Anteil an prekär beschäftigten Personen ist in der Gesamtstadt von 2,8% im Jahr 2020 auf 2,5% im Jahr 2024 leicht zurückgegangen. In den Stadtteilen ist die prekäre Beschäftigung wiederum deutlicher ausgeprägt als in den Ortsteilen (3,2% gegenüber 0,8% im Jahr 2024).