Kapitel 7 Methodik

7.1 Migrationshintergrund

Migrationshintergrund: Definition nach Statistischem Bundesamt (DESTATIS): „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.” Als Deutsche mit Migrationshintergrund gelten Personen, welche durch Einbürgerung oder aufgrund des Status als (Spät-)Aussiedler die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Kinder bis 18 Jahre besitzen einen Migrationshintergrund, wenn mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund besitzt. Geflüchtete Deutsche aus ehemaligen Deutschen Gebieten während / vor dem zweiten Weltkrieg, die vor dem 1.1.1964 nach Deutschland zugewandert sind, gelten als Deutsche ohne Migrationshintergrund. (vgl. ausführliche Definitionen im Anhang)

AusländerInnen sind Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzes sind. Dazu zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. AusländerInnen gehören zu den Personen mit Migrationshintergrund. Sie können in Deutschland geboren oder zugewandert sein.
(Spät-)Aussiedler/innen sind im amtlichen Sprachgebrauch seit dem 1. Januar 1993 Menschen, die im Rahmen eines Aufnahmeverfahrens als deutsche Volkszugehörige nach Deutschland übergesiedelt sind. Vorher wurden sie nach dem Bundesvertriebenengesetz als Aussiedler bezeichnet. Der Begriff umfasst vor allem die Angehörigen von deutschen Minderheiten, deren Familien teilweise seit Generationen in Ostmitteleuropa, Osteuropa, Südosteuropa und teilweise in Asien gelebt haben und die seit 1950 und verstärkt seit 1989 in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind.

Einbürgerung: Mit dem Gesetz zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts vom 15.7.1999 (BGBl. I S. 1618) ist am 1.1.2000 ein neues Staatsangehörigkeitsgesetz in Kraft getreten; es ermöglicht den detaillierten Nachweis nach den Rechtsgründen der Einbürgerung. Vor dieser Zeit war innerhalb der statistischen Auswertung grundsätzlich nur eine Unterscheidung zwischen Anspruchs- und Ermessenseinbürgerung möglich. Bis August 1999 wurden SpätaussiedlerInnen als Statusdeutsche im Rahmen der Anspruchseinbürgerung eingebürgert. Mit dem Inkrafttreten der neuen Rechtsgrundlage werden AussiedlerInnen nicht mehr formal eingebürgert, sondern erhalten die deutsche Staatsbürgerschaft durch einen anderen Rechtsakt.

Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen gehören nicht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Hierzu wird der Stichtag des Zuzugs in die Basisgemeinde 1.1.1964 herangezogen, nach welchem sich Vertriebene von (Spät)AussiedlerInnen unterscheiden.

Der Indikator Migrationshintergrund kann nicht direkt aus dem Einwohnermelderegister dargestellt werden. Zur Ermittlung/Ableitung des Migrationshintergrunds kommt das von dem KOSIS-Verbund (Verbund kommunales statistisches Informationssystem) für gemeinsame Verfahren und Standards (167 Kommunen) bereitgestellte Programm „MigraPro” zum Einsatz. Dabei wird den EinwohnerInnen mit W04 = 1 (Kommunal-statistische Priorität der Wohnung an der Basisadresse = Einzige oder kommunal-statistisch wichtigste Wohnung) der Status Migrationshintergrund zugeordnet, wenn sie bestimmte Merkmale im Einwohnermelderegister erfüllen (P07: Weitere Staatsangehörigkeit; P09: Art der deutschen Staatsangehörigkeit; P10: Geburtsland; W40: Zuzugsherkunft).

Im Datenfeld M01 wird der persönliche Migrationshintergrund abgespeichert. In M02 wird bei der Ableitung ergänzend der familiäre Migrationshintergrund im Kernhaushalt berücksichtigt. Demnach werden Kinder, die eine deutsche Staatsbürgerschaft haben aber mindestens ein Elternteil im Kernhaushalt einen Migrationshintergrund aufweist als Menschen mit Migrationshintergrund eingestuft. (Familiärer Zuwanderungshintergrund, bei dem Kinder den Zuwanderungshintergrund der Eltern übernehmen). Im Datenfeld M03 wird ein Bezugsland mit der Priorität Geburtsland gefüllt. Das Merkmal M04 beschreibt den Zuwanderungstyp eines deutschen Kindes mit Migrationshintergrund. Dies kann entweder aus einem persönlichen Zuwanderungshintergrund oder aus einem familiären Zuwanderungshintergrund resultieren. Für Testzwecke wird das Datenfeld M05 mit Heimatvertriebenen Deutschen ohne Migrationshintergrund vergeben.

Heimatvertriebene und Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs erhalten keinen Migrationshintergrund. Die Geburtsorte von Deutschen, die vor dem 23. Mai 1949 in den heutigen GUS-Staaten oder ehemaliger Oststaaten geboren sind, werden als Geburtsorte im Inland verarbeitet. Diese Personen dürfen darüber hinaus keine weitere Staatsangehörigkeit und keine Zuzugsherkunft aus dem Ausland aufweisen Als weiteres Abgrenzungskriterium dient der Zuzug in die Basisgemeinde (W44). Deutsche, die aufgrund der übrigen Daten als Aussiedler zu typisieren wären, werden als Heimatvertriebene eingestuft und erhalten keinen Migrationshintergrund wenn sie darüber hinaus bis zum 1.1.1964 in der Gemeinde eingezogen sind. Dieses Datum ist standardmäßig eingestellt, kann aber zwischen 1955 und 1990 mit plausiblen Ergebnissen individuell angepasst werden. Wir belassen das Datum auf der Standardeinstellung und setzen zusätzlich das Häkchen bei „Einfluss des Zuzugsdatums bei Umzügen im Inland begrenzen”. Dadurch verringert sich die Zahl der (falsch erkannten) AussiedlerInnen.

Einbürgerung: Personen für die aus dem Merkmal „Art der deutschen Staatsangehörigkeit” (P09) eine Einbürgerung ableitbar ist. (P09 = 03, 04, 06, 07, 08). Ergänzend wird zur Erkennung der Einbürgerungen wie zur Abgrenzung der Einbürgerungen von den AussiedlerInnen die Lage des Geburtsortes im Ausland herangezogen.

AussiedlerInnen sind generell am schwierigsten zu erkennen. In einigen Melderegistern sind Hinweise auf Aussiedler vom Merkmal P09 (Art der deutschen Staatsangehörigkeit) ableitbar (P09 = 02, 09), MigraPro typisiert alle Deutschen mit Migrationshintergrund, die gemäß P09 keine Einbürgerung sind und aus einer vorgegebenen Gruppe von Ländern stammen, als AussiedlerInnen. Die für AussiedlerInnen typischen Herkunftsländer orientieren sich an den Veröffentlichungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Damit die Ableitung des Migrationshintergrunds mit der Definition des Mikrozensus (siehe Kap. ) vergleichbar ist, empfiehlt die KOSIS-Gemeinschaft HHSTAT und der KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) für Auswertungen das erzeugte Merkmal M02 (Zuwanderungshintergrund (HHSTAT zertifiziert)) zu verwenden. Als Ausprägungen sind (1) Nicht Deutsche; (2) Deutsche – Einbürgerung; (3) Deutsche – Aussiedler; (4) Deutsch – sonstiger Nachweis; möglich. Als Personen mit Migrationshintergrund werden Deutsche durch Einbürgerung (M02 = 2) und Deutsche Aussiedler (M02 = 3) zusammengefasst.

7.2 Wanderung

Die Bevölkerungsbewegung erfasst alle Zu- und Fortzüge mit Verlegung der Hauptwohnung über die Gemeindegrenze hinweg. Auf Stadtteilebene wurde zudem die Binnenwanderung mit einbezogen, sodass die Wanderungsbewegungen zwischen den Stadtteilen mit berücksichtigt werden. Bei den Altersklassenberechnungen wurde der Binnenzuzug und -wegzug nicht berücksichtigt, da er auf die Gesamtstadt bezogen ist und Wanderungen innerhalb der Gemeinde irrelevant sind.

Die Erfassung der Wanderungsfälle läuft über die Registrierung der An- und Abmeldungen im Melderegister entsprechend den melderechtlichen Regelungen. Eine Ausnahme der Anmeldepflicht besteht dabei nur für Inländer mit einem sonstigen Wohnsitz im Bundesgebiet bei Aufenthalten bis zu 6 Monaten und für Personen mit Wohnsitz im Ausland bei Aufenthalten bis zu 3 Monaten. Diese Fälle sind dementsprechend nicht in der Bevölkerungsbewegung enthalten. Schutzsuchende sind dagegen meldepflichtig und somit auch Bestandteil der Statistik. Sie können jedoch nicht gesondert ausgewiesen werden, da weder Einwanderungsgrund noch Aufenthaltsstatus als Merkmale im Melderegister hinterlegt sind.

In Deutschland besteht eine Abmeldepflicht, wenn eine Person auszieht und keine neue Wohnung in Deutschland bezieht, allerdings ziehen häufig Personen fort, ohne sich abzumelden. Stellt eine Meldebehörde fest, dass eine Person an der registrierten Adresse nicht mehr wohnt, nimmt sie eine “Abmeldung von Amts wegen” vor. Diese Abmeldungen von Amts wegen sind im Kapitel Bevölkerungsbewegung mit enthalten.

Die Bevölkerungsbewegung gibt neben der Zahl der Zuzüge und Fortzügen auch die Differenz von Zu- und Fortzügen als Wanderungssaldo aus. Ein positiver Wanderungssaldo bedeutet, dass mehr Personen zu- als fortgezogen sind und entspricht einem Zuwanderungsgewinn. Ein negativer Wanderungssaldo bedeutet dagegen einen Abwanderungsverlust. Das Wanderungsvolumen stellt die Summe aller Zu- und Fortzüge innerhalb eines Jahres dar.

Die Wanderungsrate (auch Wanderungsquote oder Mobilitätsziffer genannt) beschreibt für ein Berichtsjahr und ein vorgegebenes Gebiet die Wanderungen bezogen auf 1.000 Personen der Bevölkerung dieses Gebietes. Durch die Berücksichtigung der Größe der Bezugsbevölkerung eignet sie sich für Zeitvergleiche sowie den räumlichen Vergleich.

Die Bewegungsdatei aus dem Melderegister bietet zur Auswertung der Wanderungen das Verarbeitungsdatum (Z01) und das Ereignisdatum (Z02) an. Traditionell wird der Verarbeitungszeitraum herangezogen, da er die Bewegungen, die das Melderegister verändern, in einem klar zu beschreibenden „Fortschreibungszeitraum“ darstellt. Rechtlich wird eine Bewegung erst dann wirksam, wenn sie im Melderegister erfasst worden ist. Wird das Ereignisdatum gewählt, ist der Zeitraum nicht so griffig abzugrenzen, da die verarbeiteten Bewegungen längere Zeit zurückliegen können. So können sich Sterbefälle, die aus dem Ausland gemeldet werden, vor mehreren Jahren ereignet haben, bevor sie im Melderegister erfasst werden. Im Sozialreport wurde das Verarbeitungsdatum im Melderegister für die Auswertung der Daten herangezogen.

7.3 Haushalteberechnug (HHStat)

Ziel von HHSTAT ist es, die Mitglieder in die Lage zu versetzen, aus ihren Melderegistern interkommunal vergleichbare Bevölkerungsbestands- und Bevölkerungsbewegungsstatistiken zu erzeugen sowie nach einheitlichen Standards den Migrationshintergrund der EinwohnerInnen zu ermitteln und Haushalte zu generieren.

Die Datensätze Bevölkerungsbestand und Bevölkerungsbewegungen bilden die Grundlage für Ihre Bevölkerungs- und Haushaltestatistik, mit EwoPEaK plausibilisieren Sie diese Datensätze, mit MigraPro ermitteln Sie den Migrationshintergrund Ihrer EinwohnerInnen, mit HHGen generieren Sie Wohnhaushalte.

Für Kommunen ist HHSTAT von besonderem Interesse, da die Kommune unabhängig von der amtlichen Statistik des jeweiligen Statistischen Landesamts ihre eigenen und womöglich genaueren Zahlen ermitteln kann. Einen besonderen Vorteil, der hier zu nennen ist, ist, dass alle Zahlen auf kleinräumiger Gliederung ermittelbar sind. Ein Beispiel: Es ist möglich adressbezogen Haushalte zu generieren, Personen mit Migrationshintergrund oder die Anzahl der Alleinerziehenden zu ermitteln. Die Gesetze zur Statistischen Geheimhaltung sind hierbei selbstverständlich zu wahren. Die Größe der Kommune spielt für den Einsatz von HHSTAT keine Rolle. Die kleinsten HHSTAT-Mitgliederkommunen haben um die 25.000 EinwohnerInnen, die größte ist Berlin mit über 3 Millionen EinwohnerInnen.

Die Einwohnermelderegister in den Gemeinden dienen neben ihren primären Verwaltungsvollzugszwecken seit eh und je selbstverständlich auch der Bevölkerungsstatistik. Dass aus den Daten eines Melderegisters auch statistische Informationen über Haushalte gewonnen werden können, ist weniger selbstverständlich, aber möglich. Ein Melderegister enthält nämlich keine direkt abrufbaren Angaben über Haushalte. Es kommt darauf an, auf indirektem Wege aus den gespeicherten Personendaten Beweise und Indizien für das Zusammenleben der Personen in Haushalten zu gewinnen. Die Verfahren zur systematischen Nutzung derartiger Indizien heißen “Haushaltegenerierung”. Sie basieren auf dem Ansatz, die jeweils an ein und derselben Wohnadresse gemeldeten Personen aufgrund von Merkmalsvergleichen zu Personengemeinschaften bzw. Haushalten zu gruppieren. Diese so zu Haushalten zusammengeführten Personen entsprechen dem Typ des Wohnhaushaltes. Dazu werden Tatbestände folgender Art benutzt: · Verzeigerungen zwischen Ehegatten sowie zwischen Kindern und deren Elternteilen, · Namensübereinstimmungen im Bereich der Familien-, Geburts- und früheren Familiennamen, · gleiche frühere Wohnadresse, · gleiches Datum der Anmeldung an der gegenwärtigen Wohnadresse, · demographische Merkmalskonstellationen bezüglich Alter, Geschlecht, Familienstand und Staatsangehörigkeit, die im Zusammenhang mit anderen Indizien bestimmte familiäre Beziehungen nahe legen oder ausschließen.

7.4 Arbeitslosigkeit

Bei den Daten der Agentur für Arbeit (BAA) handelt es sich um Vollerhebungen, die alle statistischen Einheiten der Grundgesamtheit miteinbeziehen. Die Grundgesamtheit ist die Menge aller statistischen Einheiten mit übereinstimmenden Identifikationskriterien. Die Ergebnisse einer Vollerhebung weisen – auf den ersten Blick und in üblicher Betrachtungsweise - keinen Stichprobenzufallsfehler auf und können kleinräumig ausgewertet werden. Die Vollerhebungen durch die Statistik der BA werden aus den Geschäftsdaten der Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie dem Meldeverfahren zur Sozialversicherung gewonnen.

Während bei einer Teilerhebung eine Mindestbesetzungszahl vorliegen muss, um repräsentativ für die Grundgesamtheit zu sein, kann man auf Basis einer Vollerhebung theoretisch Aussagen zu jeder Merkmalskombination treffen, unabhängig davon auf wie viele statistische Einheiten diese Kombination zutrifft. Man kann dann unterscheiden zwischen dem Zählergebnis und statistischen Maßzahlen, wie Durchschnitten, Median oder Veränderungsraten und Relationen, wie Anteilswerten oder Quoten, die auf Basis der Zählergebnisse berechnet werden.

“Bei der Berechnung von Arbeitslosenquoten wurde die kritische Grenze bei 15.000 zivilen Erwerbspersonen (Nennergröße) festgelegt. Begründet wird dies zum einen damit, dass das zur Ermittlung der Bezugsgröße herangezogene Schätzverfahren zur regionalen Aufteilung von Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen bei kleineren Einheiten mit Ungenauigkeiten behaftet ist. Zum anderen können aber auch hier Gründe der Stabilität und Relevanz ins Feld geführt werden, die auch bei einem genaueren Schätzverfahren zur Bezugsgrößenermittlung gelten dürften.” Quelle: BAA (2013): Möglichkeiten und Grenzen der Berichterstattung auf Gemeindeebene. BAA. Nürnberg.

Aus den genannten Gründen folgt auch, dass für einzelne soziodemographische Merkmale keine Quotenberechnung durchgeführt werden, wenn die zweite Fallzahlgrenze von 1.000 zivilen Erwerbspersonen nicht erreicht wird. Damit bei den soziodemographischen Merkmalen Quoten errechnet werden, müssen die beiden Bedingungen von “Insgesamt” 15.000 zivilen Erwerbspersonen und zusätzlich von 1.000 zivilen Erwerbspersonen bei dem jeweiligen Merkmal erfüllt sein.

Da obige Ausführungen für die einzelnen, darzustellenden Stadt- und Ortsteile nicht gewährleistet werden können, wird für den Sozialreport der Arbeitslosenanteil herangezogen. Entgegen der Arbeitslosenquote in der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BAA), welche die Zahl der Arbeitslosen in Bezug zur Zahl der zivilen Erwerbspersonen berechnet, bezieht sich der Arbeitslosenanteil in der Kommunalstatistik auf den Anteil der Anzahl an arbeitslos gemeldeten Personen im Verhältnis zur Summe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort und den arbeitslos gemeldeten Personen. Da hierbei u.a. Familienmitglieder in Heimarbeit, Beamte und geringfügig Beschäftigte nicht mit einbezogen werden, fällt der Arbeitslosenanteil etwas höher aus als die Arbeitslosenquote. Letzteres kann in der kommunalen Statistikstelle aufgrund fehlender / zu geringer Datenbasis nicht berechnet werden.

7.5 Kitaberechnung

Die Datengrundlage für die Zahlen der Kindergartenbetreuung ist das Kita-Data-Webhouse, unter welchem alle Informationen zu den einzelnen Kindertageseinrichtungen gebündelt hinterlegt sind. Der Stichtag dieser Daten ist der 01.03. eines jeden Jahres. Für die Berechnungen des Betreuungsangebots sowie der Besuchsquote und Versorgungsquoten (Verschneidung der Kita-Daten mit den Bevölkerungszahlen) wurde das Alter der Kinder aus dem Melderegister zum Stichtag 30.06.2022 auf den 01.03.2022 zurückgerechnet. Dies ist notwendig, da sich die Platzbelegungen der Kitas auf den 01.03.2022 beziehen und nur so annähernd vergleichbare Informationen vorgelegt werden können.

Die Anzahl an genehmigten Plätzen sind im Kita-Data-Webhouse auf den 30.06. bzw. auf das jeweilige Schuljahr bezogen. Zum 01.03. sollte entsprechend ein Kindergarten nicht voll ausgelastet sein, da über das gesamte Schuljahr hinweg Kinder in einem Kindergarten aufgenommen werden, die Schulanfänger allerdings gemeinsam Anfang September in die Schule kommen. In Absprache mit dem Amt für Soziales, Schulen und Sport haben wir uns darauf geeinigt, für die Darstellung und Verarbeitung in dem hier vorliegenden Sozialreport die Anzahl an genehmigten Plätzen pragmatisch mit dem Faktor 0,9 zu berechnen, was sich in der Praxis als robustes Maß erwiesen hat. Desweiteren wurde vereinbart, die Belegungszahlen der U3-Plätze mit dem Faktor 2 zu multiplizieren, da für die Kleinkindbetreuung ein höherer Betreuungsaufwand zu leisten ist.

Die Altersklasse der 6-Jährigen ist wie oben beschrieben auf den 01.03. berechnet. Das bedeutet, dass dabei auch Kinder miteinbezogen sind, welche bereits eingeschult wurden. Aus diesem Grund wurde mit Verweis auf die Besuchsquote, welche für die 6-Jährigen in der Gesamtstadt 50,1% beträgt in der Tabellendarstellung (für die Altersgruppe der 3 bis unter 7-Jährigen) die Anzahl dieser Kinder mit einem Faktor von 0,5 multipliziert. Damit sind die Angaben des Betreuungsangebotes etwas robuster.

Eine weitere methodische Herausforderung ist die Aggregation der einzelnen Kindergärten auf den jeweiligen Schulbezirk. Zum einen greift hier das Problem des ökologischen Fehlschlusses1 und des Randzoneneffekts2, da hier Einzeldaten (Kindergärten) auf eine Raumeinheit aggregiert wurden (Schulbezirk). Für die Gesamtstadt sind die Werte dahingegen deutlich robuster.

Hinzu kommt, dass für die Belegung der Kindergartenplätze im Gegensatz zu den Grundschulen keine Schulbezirksbindung vorherrscht. So hat eine entsprechende Kita ihr Einzugsgebiet auch im benachbarten Schulbezirk. Die fehlende Schulbezirksbindung führt somit dazu, dass Kinder welche z.B. in einem Ortsteil wohnen, die Eltern aber beispielsweise in der Kernstadt arbeiten, aus pragmatisch, organisatorischen Gründen die Kinder in einem arbeitsplatznahen Kindergarten betreut werden.

Des Weiteren ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass keine Kindergartenpflicht besteht. Das bedeutet, dass nicht alle Kinder im Kindergartenalter eine Kita besuchen. Auch kommt es vor, dass in Lahr wohnende Kinder eine Einrichtung im Umland besuchen oder eine private Kindertagesbetreuung (z.B. Tagesmutter) in Anspruch nehmen.

7.6 verwendete R-Pakete

bookdown Xie Y (2023). bookdown: Authoring Books and Technical Documents with R Markdown. R package version 0.37, https://github.com/rstudio/bookdown.

DBI R Special Interest Group on Databases (R-SIG-DB), Wickham H, Müller K (2024). DBI: R Database Interface. R package version 1.2.1, https://github.com/r-dbi/DBI, https://dbi.r-dbi.org.

extrafont https://github.com/wch/extrafont

formattable https://cran.r-project.org/web/packages/formattable/index.html

htmltools Cheng J, Sievert C, Schloerke B, Chang W, Xie Y, Allen J (2023). htmltools: Tools for HTML. R package version 0.5.7.9000, https://rstudio.github.io/htmltools/, https://github.com/rstudio/htmltools.

leaflet Graul, Christian (2016): leafletR: Interactive Web-Maps Based on the Leaflet JavaScript Library. R package version 0.4-0, http://cran.r-project.org/package=leafletR.

reactable Lin G (2024). reactable: Interactive Data Tables for R. R package version 0.4.4.9000, https://github.com/glin/reactable, https://glin.github.io/reactable/.

rmarkdown Allaire J, Xie Y, Dervieux C, McPherson J, Luraschi J, Ushey K, Atkins A, Wickham H, Cheng J, Chang W, Iannone R (2023). rmarkdown: Dynamic Documents for R. R package version 2.25, https://github.com/rstudio/rmarkdown.

scales Wickham H, Pedersen T, Seidel D (2023). scales: Scale Functions for Visualization. R package version 1.3.0, https://github.com/r-lib/scales, https://scales.r-lib.org.

sf Pebesma E, Bivand R (2023). Spatial Data Science: With applications in R. Chapman and Hall/CRC. doi:10.1201/9780429459016, https://r-spatial.org/book/.

sparkline https://cran.r-project.org/web/packages/sparkline/index.html

tidyverse Wickham H, Averick M, Bryan J, Chang W, McGowan LD, François R, Grolemund G, Hayes A, Henry L, Hester J, Kuhn M, Pedersen TL, Miller E, Bache SM, Müller K, Ooms J, Robinson D, Seidel DP, Spinu V, Takahashi K, Vaughan D, Wilke C, Woo K, Yutani H (2019). “Welcome to the tidyverse.” Journal of Open Source Software, 4(43), 1686. doi:10.21105/joss.01686.

tmap Tennekes M (2018). “tmap: Thematic Maps in R.” Journal of Statistical Software, 84(6), 1–39. doi:10.18637/jss.v084.i06.


  1. Der ökologische Fehlschluss ist ein statistisches Problem, bei dem falsche Schlussfolgerungen aus Daten gezogen werden, die auf einer aggregierten Ebene (z.B. Bezirke oder Gemeinden) analysiert werden, ohne Berücksichtigung der Variabilität innerhalb dieser aggregierten Einheiten. Es ist ein Fehler zu glauben, dass die Beziehung zwischen Variablen auf aggregierter Ebene auch auf individueller Ebene existiert.↩︎

  2. Der Randzoneneffekt beschreibt die Tatsache, dass Gebiete an den Rändern einer Region oder eines Gebiets oft von den Faktoren in den angrenzenden Gebieten beeinflusst werden und daher eine Verzerrung der Werte oder Merkmale auf thematischen Karten verursachen können.↩︎