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12.10.2007 - Sicherheitsbedingte Baumfällungen

Untere Naturschützbehörde im Landratsamt Ortenaukreis erteilt Ausnahmegenehmigung zum Fällen von Horstbäumen der Saatkrähe

Der Bau- und Gartenbetrieb der Stadt Lahr muss in den nächsten Tagen aus Verkehrssicherheitsgründen an der Raiffeisenstraße im Industriegebiet West einen überalterten und kranken Pappelbestand fällen. Bei einer der regelmäßig durchgeführten Kontrollen zur Sicherheit und Standfestigkeit der Bäume im öffentlichen Verkehrsraum hat sich bedauerlicherweise herausgestellt, dass die etwa 80 Jahre alten Pappeln eine akute Gefahr für den angrenzenden Raum darstellen. Die Gefährdung geht von abgestorbenen und nicht mehr standsicheren Bäumen bzw. Baumkronen und bruchgefährdeten Dürrästen aus, die sich im Fallbereich von Straßen und Grundstücken befinden. Aus Gründen der Verkehrssicherheit besteht dringender Handlungsbedarf.

In dem Pappelbestand im Industriegebiet West hat sich schon vor einigen Jahrzehnten eine Kolonie von Saatkrähen angesiedelt. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung sind die Saatkrähe und deren Horstbäume besonders geschützt. Nach sorgfältiger Begutachtung wurde von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Ortenaukreis aus Gründen des Gemeinwohls eine naturschutzrechtliche Befreiung zum Fällen der Horstbäume erteilt.

Da es ein Anliegen der Stadt Lahr ist die Saatkrähenkolonie in dem bisherigen Bereich zu halten, wurden schon vorsorglich seit den 90er Jahren über 100 Alleebäume im Industriegebiet West gepflanzt. Des Weiteren wurde an der in der Nähe befindlichen Rheintalhalle ein Pappelwäldchen angelegt. Als Ersatzmaßnahme für die jetzt zu fällenden Bäume werden im Stadtwalddistrikt an den Stegmatten schnellwachsende Laubbäume gepflanzt. Mit dem Anpflanzen von Gehölzen an weitgehend konfliktfreien Standorten soll eine Abwanderung der Saatkrähe in Wohngebiete vermieden werden.

In Baden-Württemberg stand die Saatkrähe (corvus frugilegus) Mitte des letzten Jahrhunderts bereits kurz vor dem Aussterben; 1957 betrug der Saatkrähen-Bestand unter 100 Brutpaare. Erst in den letzten Jahrzehnten kam es als Folge des gesetzlichen Schutzes an einigen Orten zu einem starken Bestandsanstieg. Ein wichtiges Zentrum des Saatkrähenvorkommens am südlichen Oberrhein ist die Stadt Lahr.

Die Saatkrähe, Vogel des Jahres 1986, scheut die Nähe des Menschen nicht und brütet in Kolonien im Stadtgebiet. Die Kolonien werden zum Teil bereits ab Januar besetzt, obwohl der Nestbau normalerweise erst Mitte Februar beginnt. Als Schlafplatz und für die Brut und Jungenaufzucht bevorzugt die Saatkrähe hohe großkronige Bäume. Zur Nahrungssuche fliegt sie tagsüber zu frisch umgebrochenen Ackern, feuchten Wiesen und Weiden. Dort stochert der Rabenvogel nach Insekten, Würmern, Schnecken und auch Mäusen. Vor allem zur Brutzeit ergänzen sie damit ihre ansonsten überwiegend pflanzliche Nahrung aus verschiedenen Samen und Keimlingen.