Kulturhäppchen #5 - Osterbräuche anderswo: Das Heringsbegräbnis

Es ist ein Haufen mit Heringen zu sehen.
Heringe spielen in der Nähe von Cork an Ostern eine besondere Rolle.
Am Ostersonntag tragen die Iren Heringe zu Grabe.

In der Zeit vor Ostern wird gefastet. Neben dem üblichen Verzicht von Fleisch, Süßem oder Alkohol müssen die Menschen dieses Jahr gezwungenermaßen vor (und auch nach Ostern) soziale Kontakte fasten. Bis vor einigen Jahrzehnten gehörte das Zuhausebleiben in Irland ganz selbstverständlich zur Fastenzeit dazu: Menschen besuchten einander nicht und verzichteten sogar auf Musik.

Aber was hat das alles mit Heringen zu tun?
Früher fasteten weit mehr Menschen Fleisch, Wurst, Milch und Käse. Das war eine harte Zeit für die Metzger, Käser und Milchverkäufer, auch in Irland. Für die Fischverkäufer hingegen war es eine gute Zeit: vor allem gesalzene Heringe erfreuten sich großer Beliebtheit, da sie günstig zu haben waren. Weil die Menschen nach 40 Tagen keine Lust mehr auf den Fisch hatten, wurde in der Gegend um Cork damit begonnen, Heringe am Ende der Fastenzeit symbolisch zu Grabe zu tragen.

Die „Bestattung“ wurde dabei meist vom örtlichen Metzger organisiert, der sich freute, dass er nach der Fastenzeit wieder mehr Fleisch und Wurst verkaufen würde. Dafür wird der Hering an einer Holzstange befestigt und in einer Prozession durch die Straßen des Dorfs getragen während man ihn wüst beschimpft. Am Ende dieser Prozession wurde der Hering entweder zurück ins Wasser geworfen oder in einem kleinen Erdloch bestattet. An seiner Stelle trugen die Metzger ein geschlachtetes Lamm, das mit bunten Bändern und Blumen verziert wurde, durch die Straßen. Bei diesem Umzug wurde nach der Fastenzeit erstmals wieder Musik gemacht und die Menschen tanzten und lärmten durch die Straßen.

Übrigens: Bemalte, bunte Ostereier sieht man in Irland selten. Im Laufe der Jahre wurden sie von überdimensional großen Schokoladeneiern abgelöst, die oft mit weiteren kleinen Schokoladeneiern oder Pralinen gefüllt sind. Man sagt, dass in Irland zu Ostern so viel Schokolade verschenkt wird, dass man einen ganzen Jumbo-Jet damit füllen könnte.